Nancy: Diese Sehenswürdigkeiten solltet ihr nicht verpassen!

 

Was uns heute bei den Sehenwürdigkeiten  in Nancy erwarten wird

Heute war mal wieder ein typischer Regentag. Es regnete als wir aufstanden, machte eine kurze hoffnungsvolle Pause als wir losgingen und regnete dann wieder den ganzen Weg, bis nach Nancy wo die Sehenswürdigkeiten auf uns warteten. Dementsprechend war auch unsere allgemeine Tagesstimmung, nicht gerade auf ihrem Hochpunkt.

 

Der Morgen war allerdings zunächst ganz fröhlich. Beim Frühstück durften wir noch den kleinen Urenkel unserer Gastgeber kennenlernen. Der kleine süße Rotschopf saß mit seinem Vater am Tisch und mischte die Familie ein wenig auf. Später schaute er uns beim Einpacken zu und winkte uns sogar noch hinterher.

Auch auf Französisch verstanden wir uns mit unseren Gastgroßeltern erstaunlich gut

Auch auf Französisch verstanden wir uns mit unseren Gastgroßeltern erstaunlich gut

Trotz unserer geringen Sprachkenntnisse war es erstaunlich, wie gut wir uns mit unseren Gastgroßeltern verständigen konnten. Dennoch gab es einige kleine Details, die irgendwo in der Sprachbarriere hängen geblieben waren. Das wurde uns jedoch erst bewusst, als wir merkten, dass uns die beschriebene Route entlang der Hauptstraße nach Nancy führte und nicht entlang des Wanderweges. Wir hatten also eine weite Strecke voller Autolärm und Regen vor uns. Eine gute Kombination um über all die Dinge nachzugrübeln, über die man sich bei Sonnenschein niemals Gedanken machen würde. So motiviert wir auch starteten, es dauerte nicht lange, bis uns die Spirale der Negativgedanken gepackt hatte. Je nasser wir wurden, desto schlechter wurde unsere Stimmung, desto mehr konzentrierten wir uns auf Zweifel, Probleme, Ängste und Unzufriedenheit, desto mehr nervte uns der Regen und so weiter. Erst als am späten Nachmittag die Sonne wieder durchkam, löste sich dieser Kreislauf auf und wir wurden wieder entspannter. Auch was die Vorfreude auf die Sehenswürdigkeiten in Nancy anbelangte.

Nancy ist eine bemerkenswerte Stadt

Nancy selbst war in vielerlei Hinsicht eine bemerkenswerte Stadt. Als erstes bemerkten wir den Gestank von chemischen Abwässern, der meiner Meinung nach an den Geruch von sehr aromatischem Käse erinnerte. Zumindest aber an den Geruch von Käsefüßen. Das zweite was wir bemerkten, war die überraschend große Anzahl an Hundescheißhaufen, die überall in der Stadt verteilt lagen. Zum ersten Mal verstand ich das Prinzip dieser kleinen Tütenspender für Hundehalter, die in Deutschland überall herumstanden. Klar war mir auch vorher bewusst gewesen, wozu sie dienten, aber jetzt wurde mir bewusst, wie gut dieses System funktionieren musste. Hier lagen die Scheißhaufen nicht nur gelegentlich auf kleinen Wiesenabschnitten, sondern auf nahezu jedem Gehsteig. Heiko hat sich davon gleich mal ein kleines Andenken mitgenommen, dass er am rechten Reifen seines Wagens platzierte.

Sicheres Baumfällen mit einer Art Kran

Sicheres Baumfällen mit einer Art Kran

Kurz hinter den Stadtgrenzen eines Vorortes und der Sehenswürdigkeiten von Nancy, wurden wir Zeuge einer besonderen Art der Grünpflege. Auf der gegenüberliegenden Seite des Kanals, stand eine Art Kran mit einem riesigen Greifarm an der Spitze. Er packte einen ca. 10 m hohen Baum am Straßenrand. Dann gab es ein kurzes schnarrendes Geräusch und der obere Teil des Baumes wurde einfach zur Seite gelegt. Wenig später passierte dasselbe mit der unteren Hälfte des Baumes und noch etwas später wiederholte sich die Prozedur an einem zweiten Baum. Warum diese Bäume gefällt wurden, war uns vollkommen rätselhaft. Sie waren gesund, kräftig, hatten genügend Platz und nahmen niemandem die Sonne weg. Doch noch mehr beeindruckte uns die Art wie sie gefällt wurden. Die Straße war dafür nicht einmal gesperrt worden und während der ganzen Aktion, fuhren Autos im Abstand von nicht einmal zwei Metern an dem Baumfällfahrzeug vorbei. Was musste dieses Gerät für eine Kraft haben, wenn es tonnenschwere Gehölze fällen und zur Seite legen konnte, ohne dass ihm die Menschen dabei auch nur den Hauch eines Sicherheitsrisikos zugestanden.

 

Flucht in die eigene Realität

Das dritte was uns auffiel, war die erstaunlich große Anzahl an Menschen mit Kopfhörern in und auf den Ohren. Es gab fast keinen Menschen zwischen 12 und 28 Jahren mehr, der die Außenwelt nicht mit Musik überblendete. Gegen den permanenten Straßenlärm, war das sicher keine schlechte Taktik. Aber es sagt schon auch etwas über eine Kultur aus, dass sich nahezu jeder in seiner Realität heraus, in eine andere Welt flüchtet.

 
Die goldene Stadt

Die goldene Stadt

Das vierte was uns an Nancy auffiel, war die umwerfend schöne Innenstadt. Nach den Vororten und den Randbezirken, die wahrlich nichts Erwähnenswertes boten, standen wir plötzlich auf einem prunkvollen Platz inmitten einer Wunderschönen Altstadt, Nähe der Sehenswürdigkeiten von Nancy. Alles glänzte vor Gold und die Gesamtkomposition der Torbögen, Statuen, Türme und Hausfassaden boten einen Anblick, der sofort alle Strapazen des Tages vergessen ließ. Als erste größere Stadt hinter der früheren französischen Grenze, sah man sofort, das hier Wert darauf gelegt wurde, den Reichtums Frankreich zu präsentieren. Während Metz zum großen Teil unter deutscher Herrschaft erbaut wurde, erkennt man in Nancy deutlich die typische Architektur des französischen Adels.

Wir stellten unsere Wagen vor einem kleinen Laden ab, um ballastfrei über den Platz schlendern zu können. Dabei kamen wir mit einer Verkäuferin ins Gespräch, die uns nach unserer Reise fragte und uns Anschließend half, den Weg zu unserer Herberge zu finden. Sie bat uns in den Laden hinein, um eine Karte zu holen und ermöglichte uns dadurch den Blick auf die Dinge, die hier verkauft wurden. Es waren kunstvolle, gläserne Figuren, Statuen und Vasen, auf deren Preisschildern Summen von bis zu 20.000 Euro standen. Im vorderen Bereich des Ladens wohlgemerkt. Was sich im Hinterzimmer noch alles befand, konnten wir nur vermuten. Klar war aber, dass Nancy keine arme Stadt war. Oder zumindest, dass es eine Stadt war, in der es einige Menschen mit viel Geld gab. Dafür sprach auch die überaus hohe Polizeipräsenz, die uns bereits vor erreichen des Zentrums aufgefallen war.

 

Oh, pelegrin!

Die Suche nach unserer Jungendherberge hielt dann wieder einige Überraschungen für uns bereit. Einige davon waren großartig und eine war absolut miserabel. Der Weg zu der Adresse, die uns unsere letzten Gastgeber gegeben hatten, führte uns nach Süden aus der Innenstadt der Sehenswürdigkeiten in Nancy heraus. Dann ging es gut 4 km an Haupt- und Schnellstraßen entlang, bis wir schließlich die Autobahn erreichten. Neben dieser mussten wir dann noch etwa 10 Minuten herlaufen und schon konnten wir in die gesuchte Straße einbiegen. Jetzt brauchten wir nur noch unsere Herberge und dann konnten wir endlich unsere Füße ausruhen. Doch so sehr wir auch suchten, wir konnten keine Jugendherberge finden. Gerade als wir schon fast verzweifeln wollten, hielt neben uns ein Auto. Ein Mann stieg aus und rief: „Oh, pelegrin!“ – „Oh, Pilger!“ Er sprach leider nur französisch, aber wir verstanden, dass er ebenfalls einmal nach Santiago gepilgert war und dass er uns helfen wolle.

Und jetzt kam der miese Teil der Überraschung! In Nancy gab es zwei Straßen mit diesem Namen. Diejenige, die wir suchten, war knapp 5 Kilometer von hier entfernt im Osten der Stadt. Er bot uns an, uns mit dem Auto hinzufahren, doch nach dem absolut hoffnungslosen Versuch unsere Wagen in seinem Kofferraum zu verstauen, mussten wir das Angebot ablehnen. Es blieb uns also nichts anderes übrig, als uns wieder auf die Socken zu machen. Zu allem Überfluss fing es jetzt auch wieder an zu regnen. Vielleicht war dies bereits das erste Ohmen, dass uns vom Wohnen in bezahlten Unterkünften abhalten wollte.

Die Sehenswürdigkeiten von Nancy, hier die schöne Basilika

Die Sehenswürdigkeiten von Nancy, hier die schöne Basilika

 

Komisch wieder Geld in die Hand nehmen zu müssen!

Eine regennasse Stunde bergauf und bergab später, standen wir dann endlich vor dem Chateau de Remicourt, das uns heute als Schlafplatz dienen sollte. Natürlich nicht in der Nähe der Sehenswürdigkeiten in Nancy. Zu unserem Erstaunen sprach der Portier kein einziges Wort Englisch. Wenigstens von jemandem, der eine internationale Jugendherberge betreut, hätten wir uns das schon erwartet. Kurz darauf kam eine junge Frau herein, die für uns dolmetschte. Zunächst dachte ich, sie gehörte auch mit zum Haus, aber dann zahlte sie ganz normal für eine Nacht. Einer der ersten Kommentare, die uns der Mann mit ihrer Hilfe entgegenbrachte war, dass wir doch Französisch lernen sollten, wenn wir uns schon in seinem Land aufhielten. Eine ziemlich platte Kritik, wenn man bedenkt, wie gut wir uns nach nur einer Woche in Frankreich zurechtfanden und dass er seinerseits auch kein Sprachgenie war. Auf jeden Fall schaffte er es innerhalb weniger Minuten, dass wir uns hier nicht willkommen fühlten. Wobei man natürlich zu seiner Verteidigung sagen muss, dass das ganze Jugendherbergsambiente seinen Teil dazu beitrug. Wir schrieben unsere Namen und Adressen in ein Aufenthaltsbuch und zahlten ihm die 16,50 pro Person für eine Übernachtung mit Frühstück. Es war ein komisches Gefühl, plötzlich wieder Geld in die Hand zu nehmen und es fühlte sich überhaupt nicht richtig an. Seit Reisebeginn hatten wir noch keinen Cent verbraucht und waren bis auf eine einzige Ausnahme, immer herzlich aufgenommen worden.

Wir hatten zum Teil Einzelzimmer mit Badewanne und Vollverpflegung bekommen und haben die tollsten und interessantesten Menschen kennengelernt. Jetzt, da wir Geld auf den Tresen legten, bekamen wir ein dreckiges kleines Vierbettzimmer, eine Sammeldusche auf dem Gang, Toiletten, die nicht einmal eine Klobrille hatten und in denen der Vorbenutzer noch deutliche Spuren hinterlassen hatte, sowie einen kleinen verdreckten Schuppen ohne Licht für unsere Wagen. Auf unserem Zimmer gab es nur eine einzige Steckdose, was bereits für uns zwei ein logistisches Problem wurde. Wie wäre das erst bei einer Vollbelegung geworden? Alles in allem kann man sagen, dass wir noch kein einziges Mal unter schlechteren Bedingungen übernachtet haben als hier. Von der Scheune vielleicht einmal abgesehen. Aber selbst da, wurden wir mit Tee und leckeren Würstchen empfangen.

Wofür haben wir jetzt also bezahlt? Wirklich für einen Schlafplatz? Oder eher dafür, dass wir uns mit den Gastgebern nicht auseinandersetzen müssen? Denn zwischenmenschliche Kommunikation kam nicht auf. Selbst ohne eine gemeinsame Sprache, hatten wir mit unseren letzten Gastfamilien noch tiefere Gespräche geführt, als hier mit unseren Mitbewohnern und den Herbergsleitern. Wenn wir auf diese Art leben würden, bräuchten wir zu Zweit 1000 € im Monat ohne Essen. Und als Dank dafür, hätten wir Schlafplätze, in denen wir uns nicht wohlfühlen würden. Ein System, das irgendwie noch nicht ganz einleuchtet. Uns fiel auch auf, dass wir selbst kritischer mit dieser Herberge umgingen als wir es zuvor mit allen anderen gemacht hatten. Hätte man sie uns umsonst oder für ein Gespräch, eine Therapie oder eine Rückenmassage angeboten, wären wir dankbar dafür gewesen. So aber fühlten wir uns irgendwie abgezockt.

Komplett ohne Geld waren wir nicht mehr Teil des Systems und damit standen uns alle Türen offen. Mit ein bisschen Geld, waren wir auf der untersten Stufe des Systems und somit blieb uns nur das, was sonst keiner wollte. Hätten wir das Geld nicht explizit nur zum Buchen dieser Herberge bekommen, hätten wir uns wirklich veräppelt gefühlt. So war die Herberge ja auf eine gewisse Weise wirklich umsonst für uns und für die Erfahrung, dass das nicht unser Weg ist, hat es sich auf jeden Fall gelohnt. Wenn wir in Zukunft also kein Obdach finden, da sind wir uns jetzt sicher, dann ziehen wir unser Zelt auf jeden Fall einer billigen Absteige vor. Das gespendete Geld verwenden wir dann lieber für Dinge, für die wir es wirklich brauchen. Visa zum Beispiel oder die Dokumentation unserer Reise, damit wir andere daran teilhaben lassen können.

 

Wieviele Zeichen gab es noch!

Wie zum Zeichen, dass wir auch wirklich die Finger von derartigen Herbergen lassen sollen, ging kurz nach unserer Ankunft der Feueralarm los und dröhnte rund 10 Minuten lang mit ohrenbetäubendem Lärm. Vor einiger Zeit hatte ich einmal einen Bericht über Feueralarme in Altenheimen und Behinderteneinrichtungen gehört. Immer wieder kommen die Bewohner bei Bränden ums Leben, weil sie durch den Alarm so eingeschüchtert sind, dass sie sich unter Tischen versteckten, anstatt zu fliehen. Das konnte ich nun gut nachvollziehen, denn am liebsten hätte ich das gleiche getan.

Da uns die Innenstadt und die Sehenswürdigkeiten in Nancy wirklich beeindruckt hatte und wir uns in unserer Herberge eh nicht wohl fühlten, beschlossen wir, noch einen kleinen Abendspaziergang zu machen. Schließlich soll man seinem Körper nach einer langen Wanderung noch etwas Gutes tun und sich die Beine vertreten.

Eine weltweite Bekanntheit, erreichte Nancy mit dem Jugendstilviertel und seinen herausragenden Künstlern. Dies könnt ihr auch im interessanten Wikipedia Nancy erfahren. Entdeckt auch das Place Stanislas, ein bemerkenswertes Juwel. Mit den goldverzierten Gittern und schmucken Springbrunnen, das Rathaus, das Grand Hôtel, die Oper von Nancy und Lothringen sowie das Museum der schönen Künste die Tour verbinden. So verdreht die Place Stanislas, was eine gepflasterte Fußgängerzone ist, den Besuchern und Spaziergängern die Köpfe.

Die zusätzlichen 10 Kilometer Wegstrecke wären im Nachhinein betrachtet nicht unbedingt nötig gewesen und unsere Körper reagierten gar nicht so dankbar darauf, wie wir erwartet hatten. Vor allem nicht, weil wir uns auf dem Rückweg dann noch einmal verhaspelt haben und einen guten Umweg laufen mussten. Hier fing es dann übrigens auch wieder zu regnen an, so dass wir zum dritten Mal an diesem Tag komplett durchnässt waren. Aber für einen Blick auf die Altstadt bei Nacht, hat es sich auf jeden Fall gelohnt.

Und ein bisschen übersinnliche Magie neben den herausragenden Sehenswürdigkeiten in Nancy, war auch wieder dabei. In einer Bäckerei bekamen wir Käsebaguettes geschenkt, die absolut lecker waren, aber auch einen ordentlichen Durst verursachten. Wir wünschten uns daher auf dem Weg in die Innenstadt je ein Getränk vom Universum. Man kann ja mal fragen! Eine Cola für Heiko und eine Flasche Wasser für mich. Die komplett volle Dose Cola fanden wir kurz darauf auf einem Fenstersims, die Wasserflasche stand wenig später auf einer Parkbank.

Spruch des Tages: Erfahrung ist fast immer eine Parodie auf die Idee. (Johann Wolfgang von Goethe)

Tagesetappe: 39 km

Gesamtstrecke: 789,77 km

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