Pont a Mousson - Eine sehenswerte Kleinstadt

 

Heute lernen wir die Kleinstadt Pont a Mousson kennen

Madame und Monsieur Hubert waren begeisterte Jakobusfans. Monsieur Huber war derjenige, der die Wegweiser für die nächsten 50 Kilometer angebracht hatte. Zumindest zu dem Teil, den wir heute davon gesehen haben, können wir sagen, dass er seine Arbeit sehr gut gemacht hat. Als pensionierter Ingenieur verstand er etwas von Genauigkeit und genauso präzise waren auch die Wegweiser montiert in Richtung Pont a Mousson.

Bei unserem Gespräch während des Abendessens fanden wir heraus, dass es in dieser Gegend eine Jakobusgesellschaft gab, die sich um Jakobspilger aller Art kümmerte. Unsere Gastgeber hatten sogar eine Liste mit allen Familien entlang des Weges, die Pilger bei sich aufnahmen. Madame Hubert versuchte bereits am Abend eine neue Gastfamilie für den nächsten Tag für uns aufzutreiben. Sie scheiterte jedoch zunächst daran, dass keine der besagten Familien ihr Telefon benutzen wollte.

Auch heute Morgen war es nicht ganz einfach, jemanden zu finden, der Zeit, Platz und Lust hatte. Wie wir später feststellten, war das jedoch eher ein Segen für uns. Denn die Familien, bei denen sie es zunächst versuchte, wohnten alle etwa 25 bis 28 km von Pagny-sur-Moselle entfernt. Gestärkt vom Abendessen und mit ausgeruhten Füßen empfanden wir das nicht als Herausforderung. Am nächsten Tag sah das jedoch etwas anders aus. Irgendetwas von dem, was wir in den letzten Tagen gegessen hatten, war uns nicht sonderlich gut bekommen und so waren wir heute nicht ganz so fit wie wir es uns gewünscht hätten. Immerhin war mein Bein wieder deutlich besser. Dennoch waren wir froh, als wir das 20 km entfernte Dieuluard erreichten und wussten, dass wir hier einen Übernachtungsplatz sicher hatten.

Zwei Höckerschwäne wollten uns begleiten

Zwei Höckerschwäne wollten uns begleiten

Der Weg selbst war heute relativ ruhig und bescherte uns keine großen Anstrengungen. Es gab keine steilen Anstiege und nur wenige schlammige Stellen. Fast schon ein bisschen langweilig, aber für unsere Bedürfnisse genau richtig.

Eine mittelalterliche Kleinstadt erwartete uns

Gegen Mittag erreichten wir Pont-a-Mousson, eine mittelalterliche Kleinstadt, die einmal sehr Prunkvoll gewesen sein muss. Im Sommer blühte sie durch den Tourismus wahrscheinlich noch immer auf, aber zu dieser Jahreszeit sah man deutlich, wie sehr sie ihren Lack verloren hatte. Alles wirkte leicht verfallen, wenngleich es sich noch immer um ein schönes Städtchen handelte. In unserem Reiseführer stand geschrieben, dass diese Ortschaft besonders stolz auf ihre große wirtschaftliche Stärke und ihre große Zahl an mittelständischen Unternehmen sei. Das konnten wir uns auf den ersten Blick nur schwer vorstellen.

Trotz alledem erwarten einen viele Kirchen, Attraktionen und Sehenswürdigkeiten in der schönen französischen Gemeinde Pont a Mousson. Ihr könnt euch zum Beispiel die Abtei, die Heimat der sieben Todsünden auf dem Platz ansehen, und zu Fuß durch das Wasser schlendern. Die Stadt hat ihren geschichtlichen Namen von dem Hügel Moussson erhalten, der die Brücke dominiert. Restaurants und Hotels, sowie eine tolle Möglichkeit für Camping ist in der Gemeinde geboten, also für jeden etwas Passendes dabei! Auch die bekannten Kanaldeckel und den beliebten Trüffelmarkt im aktuellen Jahr, sollten man als Fan nicht verpassen.
Das Wahrzeichen von Pont a Mousson

Das Wahrzeichen von Pont a Mousson

   

Kurz nachdem wir die Stadt verlassen hatten, änderte sich das Bild der verschlafenen Mittelalterromantik jedoch rapide. Eigentlich gerieten wir eher zufällig in dieses Hinterland, da wir nach unserer Stadtbesichtigung den Weg verloren hatten. Doch der kleine Abstecher lohnte sich auf jeden Fall. Nicht weil wir dadurch besondere Sehenswürdigkeiten entdeckten, sondern weil wir wieder einmal einen Blick hinter die Kulissen werfen durften. Auf einer Länge von mehr als 5 Kilometern, liefen wir mitten durch ein Industriegebiet. Es waren jedoch keine mittelständigen Unternehmen hier angesiedelt, wie wir sie uns vorstellen. Es waren Sand- und Kohleabbaugebiete, sowie einiges an Großindustrie. Darunter war eine Firma, die Abwasserrohre in einer Größe herstellte, dass man locker darin hätte wohnen können. Und zwar inklusive Einbauküche und separatem Wohnzimmer.

Worauf konnte die Stadt stolz sein?

Dazwischen erstreckte sich über mehrere hundert Meter eine Anlage, die die Industrieabwässer in den nahegelegenen Kanal leitete. Dieser floss dann wiederum in die Mosel. Zwar konnten wir die vielen Warnschilder nicht lesen, die überall links und rechts entlang des Weges angebracht waren, aber ein paar Worte verstanden wir schon. „Toxic“ und „Danger de Mort“ zum Beispiel oder die internationalen Warnzeichen für Säure, Gifte und ätzende Substanzen. Der permanente Schwefelgeruch führte auch nicht unbedingt dazu, dass es unseren Mägen besser ging. War dies wirklich etwas, worauf eine Stadt stolz sein konnte? Klar, es schaffte eine Menge Arbeitsplätze und es hielt zweifelsfrei unsere Wirtschaft am Laufen. Aber der permanente Lärm der Maschinen und die vielen Gifte in der Luft mussten die Arbeiter früher oder später krank machen. Selbst mit Lärmschutz war Schwerhörigkeit hier vorprogrammiert. War einem Menschen mit einer solchen Arbeit in Pont a Mousson also wirklich geholfen?

 

Während wir uns diese Fragen stellten, kamen wir noch auf ein anderes Thema, dass uns seit Metz beschäftigte. Die riesigen und aufwendigen Kathedralen, mit all ihren detailreichen Figuren, Erkern, Fresken und Fenstern waren faszinierende Kunstwerke, denen man sich kaum entziehen konnte. Gleichzeitig waren sie aber auch die stummen Zeugen vieler geopferter Menschenleben. Für jede einzelne Statue, die in die Gebäude eingelassen war, hatten Menschen monatelang, wenn nicht sogar über Jahre hinweg gearbeitet. Wie viele Arbeiter mussten ihr ganzes Leben in diese Bauwerke investiert haben? Wie viele waren wohl beim Bau gestorben? Über solche Dinge hört und liest man nie etwas. Wie viel Zeit und Ressourcen hat die Kirche über die Jahrhunderte in ihre Kirchen gesteckt? Zweifelsfrei eine lohnende Investition, wenn man bedenkt, dass selbst nach Jahrhunderten noch Geld mit ihnen gewonnen werden kann. Aber dem eigentlichen, selbstgewählten Auftrag der Wohltätigkeit und der Nächstenliebe  entspricht das wohl kaum.

Das Rathaus von Pont-a-Mousson

Das Rathaus von Pont-a-Mousson

Als wir am Abend unsere Gastfamilie erreichten, wurden wir von einem älteren Ehepaar auf Französisch begrüßt. Sie sprachen beide weder Deutsch noch Englisch und so wurden unsere neugewonnenen Französischkenntnisse auf eine harte Probe gestellt. Es funktionierte sogar relativ gut, wenngleich wir zugeben müssen, dass wir nach einiger Zeit doch wieder den Onlinetranslater zurate zogen.

Die Franzosen überraschen uns immer wieder auf´s Neue

Die beiden boten uns nicht nur ein tolles Zimmer hier in Pont a Mousson und ein super leckeres Essen an, sondern machten sich auch gleich an die Arbeit, um uns eine Schlafgelegenheit für morgen zu organisieren. Da sie in Nancy keine Familie erreichen konnten, boten sie uns an, uns das Geld für die Jugendherberge zu geben. Wir lehnten entschieden ab. Bei dem, was sie bereits für uns getan hatten, wollten wir auf keinen Fall auch noch Geld von ihnen. Aber wir waren machtlos. Unsere Einwände wurden mit einem kurzen Kopfschütteln und den Worten „pas d’accord!“ – „Nicht einverstanden!“ beiseite gewischt. Stattdessen suchten sie uns zusätzlich noch die Adresse und Telefonnummer der Familie heraus, bei der wir übermorgen übernachten können. Mit so etwas hatten wir nun wirklich nicht gerechnet. Langsam wurde es mit der Schlafplatzsuche in Frankreich sogar leichter als in Deutschland.

Das absolute Highlight des Abends war jedoch das Essen. Wir haben uns bereits nach dem gestrigen Abendessen überlegt, ob wir unsere Reise nicht in Lebens-Schlemmer oder Gourmet-Abenteurer umtaufen sollten. Heute wurden wir dann wieder einmal Zeuge einer hervorragenden, französischen Küche. Als Vorspeise gab es Lothringer Quiche, als Hauptgericht Schinkenbratwürste mit Röstkartoffeln und Bohnen aus dem eigenen Garten, und als Nachspeise eingelegte Mirabellen auf Eis. Vor der Nachspeise gab es jedoch noch einen kleinen Zwischengang, aus Käsespezialitäten und Baguette. Nach dem, was wir bisher erfahren durften gehört Käse in Frankreich eigentlich nicht zu den Brotbelägen, sondern ist vielmehr eine Art Dessert.

Nach dem Essen waren wir so voll, das wir Angst hatten zu platzen. Ein guter Zustand, um sich entspannt zurückzulehnen und den Tag ausklingen zu lassen.

Spruch des Tages: Der Arme teilt sein Hemd, der Reiche versteckt es.

 

Tagesetappe: 20 km

Gesamtstrecke: 750,77 km

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