Von Helsingoer nach Helsingborg

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Von Helsingoer nach Helsingborg

Von Helsingoer nach Helsingborg

Die letzte Station in Dänemark, die wir anliefen, war die Hafenstadt Helsingör. Von hier aus uhr dann eine Fähre in die Schwedische Stadt Helsingborg, die unser Ausgangsort für unsere Schwedenreise sein würde.

Helsingör war eine Stadt mit zwei Gesichtern. Auf der einen Seite war sie ein Ort voller Attraktionen und Sehenswürdigkeiten, die tatsächlich recht sehenswert waren. Da war zum Beispiel das alte Fort im Hafen, das Früher die Dänische Küste vor bösen Schweden und anderen Tunichtguten beschützt hat. Gegenüber lag das moderne und neu errichtete Kulturzentrum mit einer Bibliothek, mehreren Cafés und Treffpunkten und einer Art Panorama-Plattform von der aus man aufs Meer blicken konnte. Als Touristenattraktion war dieses Gebäude sicher großartig, nur als Lern- und Leseort taugte es nichts, da es keine einzelnen Räume gab. Alles war irgendwie miteinander verbunden und somit war es überall laut. Man hörte jedes Gespräch und jeden Klang der Musik aus den Cafés. Aber wenn einen das nicht störte und man nicht wirklich lernen oder lesen wollte, dann konnte man hier sicher viele soziale Kontakte mit Menschen knüpfen, die ebenfalls so taten als wollten sie etwas wichtiges tun.

Auf der anderen Seite war Helsingör aber auch ein düsterer und trostloser Ort voller negativer Energien. Das Gefühl mag natürlich verstärkt worden sein, da wir an einem eiskalten, regnerischen, ungemütlichen und vor allem stürmischen Tag hier ankamen, an dem es bereits um 12:00 Mittags wirkte, als wäre die Sonne gerade untergegangen. Zum anderen kam dieser Eindruck aber vor allem durch eine sehr spezielle Art des Tourismus, der hier praktiziert wurde. Und zwar der bekannte und allzeit beliebte Sauf-Tourismus. Wie allgemein bekannt ist, ist Alkohol in Schweden eher schwierig zu bekommen und man muss in der Regel teuer dafür bezahlen. Anders als beispielsweise in Osteuropa ist Alkoholismus hier daher ein Hobby das sich nur wenige leisten können. Es sei denn natürlich, sie haben das Glück, in der Nähe einer Fährverbindung zu leben, die Sie direkt in ein Ausland führt, in dem der geliebte Stoff günstig und einfach zu haben ist. Dementsprechend fahren Tag für Tag hunderte von Menschen allen Alters nach Helsingör, um sich hier die Kante zu geben oder um zumindest einen ordentlichen Vorrat an Sprit mit nach Hause zunehmen. Dass dies dem allgemeinen Straßenbild von Helsingör nicht gerade gut tut, kann man sich leicht vorstellen. Denn besoffene und zum Teil bewegungsunfähige Menschen, die wie Zombies ohne ein eigenes Bewusstsein in den Gassen herumirren und den Gehsteig gezielt ausgewählten Stellen mit etwas Kotze verzieren, sind leider nicht der angenehmste Anblick der Welt.

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Wir waren daher nicht böse, gleich am nächsten Morgen selbst einen Platz in der Fähre ergattern und Dänemark hinter uns lassen zu können. Die Zeit hier war durchaus nicht verkehrt gewesen, wenngleich sie auch vollkommen anders verlaufen war, als wir es erwartet hatten. Dennoch waren wir nun bereit für etwas neues! Interessanterweise erwies sich die Fährfahrt als erstaunlich angenehm und unstressig. Verglichen mit der Fahrt von Irland nach Frankreich, war diese Fähre geradezu ein Traum, und das obwohl sie zu einem großen Teil mit verkarterten oder noch immer betrunkenen Schweden gefüllt war. Offensichtlich war es in unserer heutigen, modernen Zeit doch möglich, Schiffsmotoren zu bauen, sie so ruhig liefen, dass sie nicht alle Gäste von Bord schüttelten.

Und Schweden begrüßte uns auf eine Weise, wie es freundlicher nicht hätte sein können. Helsingborg erwies sich in vielerlei Hinsicht als die angenehmere der beiden Städte. Zum einen war es hier warm und sonnig als wir ankamen und am Nachmittag war es sogar so angenehm, dass wir ein Schläfchen auf einer Relaxliege an der Uferpromenade machen konnten. Allein diese Tatsache verrät schon sehr viel über die Stadt. 1. Es gibt eine Uferpromenade, an der man flanieren kann, ohne sich vor lauter Straßenlärm die Ohren zuhalten zu müssen. 2. Es gibt Relaxliegen, was eine super feine Geste der Stadtegierung ist. Und 3., es war hier bereits sommerlich warm.

Auch sonst entpuppte sich Helsingborg als eine durchaus ansehnliche Stadt, vor allem für eine Stadt ihrer Größe. Zum übernachten wurden wir dabei in die Katholische Kirchengemeinde eingeladen, die allerdings vollständig aus polnischen Pfarrern und Nonnen bestand.

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2019-04-02T06:38:34+00:00 Allgemein|
Heiko Gärtner und Franz von Bujor sind ausgebildete Survivalexperten und Extremjournalisten. Seit 2014 wandern sie zu Fuß und ohne Geld um die Welt um auf diese Weise tiefe Einblicke in unsere Gesellschaft mit all ihren Facetten, Kulturen und Systemen zu bekommen. Als Medizinjournalisten sind sie unter anderem Mitglieder des Deutschen Fachjournalisten Verbandes und schreiben neben Artikeln für Blogs, Zeitungen und Magazine auch Sachbücher und Ratgeber. 2013 veröffentlichten sie gemeinsam ein Grundlagenwerk über Antlitzdiagnose mit dem Titel "Krankheiten auf einen Blick erkennen". 2016 folgte ihr zweites Werk "Die natürliche Heilkraft der Bäume". Dabei handelt es sich um ein Lehrbuch, um die Grundlagen der Naturheilung zu erlernen, wie sie seit Jahrtausenden von indigenen Völkern überall auf der Welt angewendet werden. Heiko Gärtner ist zudem gelernter Natur- und Landschaftspfleger, Wildnislehrer, Hochseilgartentrainer sowie Berg- und Höhlenretter. Nach seiner Ausbildung zum Versicherungsfachwirt leitete er unter anderem Motivation und Verkaufstrainings und übernahm später eine eigene Generalagentur. Aus dieser Zeit konnte er unter anderem auch ein umfangreiches Verständnis und Wissen aus den Bereichen Versicherungsrecht, Recht im Allgemeinen, Buchhaltung, Wirtschaftsmathematik und Unternehmensführung mitnehmen. Um mehr seinem Herzensweg zu folgen, gab er seine Büro-Karriere schließlich auf, um sich zum Survivalexperten, Nationalparkranger und Wildnismentor ausbilden zu lassen. In diesem Rahmen besuchte er unter anderem Naturvölker in Neuseeland, Kanada, den USA und Thailand. Dabei gründete er unter anderem seine eigene Wildnisschule, die bis heute besteht und Ausbildungen aus dem gesamten Wildnissektor anbietet. Franz von Bujor ist studierter Kultur- und Sozialpädagoge, sowie ausgebildeter Wildnislehrer, Mediator und Erlebnispädagoge. Auf seinen vielzähligen Reisen unter anderem nach Australien und Lateinamerika sammelte er Expertenwissen im Bereich alternatives Leben und Reisen, Minimalismus, Backpacking und Work and Travel, sowie allgemein im Bereich Kunst, Kultur, Religion und Geschichte. Seit 2016 lebt er als Wandermönch.

One Comment

  1. Beatris 18. May 2019 um 16:42 - Antworten

    Danke für Publishing this awesome Artikel.
    Ich bin ein langjähriger Leser, aber ich war nie
    gezwungen, einen Kommentar abzugeben. Ich abonniert Ihren Blog und teilte dies
    auf meinem Facebook . Nochmals vielen Dank für einen tollen Post!

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