Tag 918: Im Meer der Mücken

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Tag 918: Im Meer der Mücken

Tag 918: Im Meer der Mücken

Bevor wir euch nun von unseren weiteren Erlebnissen berichten, möchten wir uns als aller erstes einmal ganz Herzlich bei Gerhard Brunner und seiner Firma „Mechanische Werkstätte Gerhard Brunner“ in Postbauer-Heng bedanken, der uns gleich 17 neue Steckachsen für unsere Wagen erstellt hat. Damit brauchen wir uns nun für sehr lange Zeit keine Sorgen mehr darüber machen, ob unsere Pilgerwagen auch immer sauber hinter uns her rollen. Gerade durch die Huckelpisten, die wir hier so oft bewältigen müssen, sind unsere alten Steckachsen bereits ziemlich in Mitleidenschaft gezogen worden und leicht verbogen. Nun haben wir wieder Ersatz und den gleich noch aus einem deutlich stabileren Material, als unsere alten Originalachsen.

16.06.2016
Auch in der Früh wurden die Mücken nicht weniger und so waren wir froh, als wir das Unterholz und die direkte Donaunähe verlassen konnten. Doch der Tag wurde insgesamt sogar noch anstrengender als der letzte. Die Sonne brannte vom Himmel und drückte unseren Kreislauf auf den Boden. Dazu mussten wir ständig auf und ab laufen, weil die Straße über jeden Hügel und durch jedes Tal führte, was man hier hatte finden können. Neben uns verlief das Land in einer endlosen Ebene und doch mussten wir auf die einzigen Erhebungen kraxeln, die es hier überhaupt gab. Pausen zur Erholung zu machen war leider vollkommen unmöglich, denn entweder man befand sich in der prallen Sonne, oder man wurde sofort von hunderten von Mücken attackiert. also blieb nur das Wandern, weiter und immer weiter. Doch ewig konnten wir das nicht durchziehen und schließlich mussten wir wieder einen Schlafplatz finden. Über eine Stunde irrten wi dazu durch die Gegend, bis wir schließlich einen Platz fanden, der absolut beschissen und ungeeignet und dennoch der einzig mögliche war. Um vor den Mücken fliehen zu können, setzte ich mich Nachts in eine kleine Kapelle im Dorfzentrum. Hier war es so heiß, dass mir der Schweiß in Strömen vom Körper rann, aber immerhin wurde ich nicht zerstochen.

17.06.2016
Die Mückenflut riss nun nicht mehr ab. Ehe wir unser Zelt verlassen konnten, mussten wir uns die Regenkleidung anziehen, eine Kapuze aufsetzen und die Füße in Socken und Schuhen verstecken. Dann räumten wir so schnell wie möglich alles zusammen und verließen den Ort, ohne uns auch nur mit Sonnenöl einzureiben. Das machten wir erst, als wir uns wieder einigermaßen sicher fühlten.
Bereits in der Früh kletterte das Termometer auf knusbrige 36°C im Schatten. Ihr könnt euch also vorstellen, dass die Wanderung auch heute kein Zuckerschlecken wurde. Abgesehen von den endlosen Feldern, durch die wir wanderten, gab es nur wenig Auffälligkeiten. Das einzige, was uns ins Auge stach, war dass die Sinti und Roma hier deutlich angenehmer, gepflegter und integrierter waren als in Bulgarien. Wir fragten uns, ob es hier in den Ortschaften wohl gewusse Regeln gab, die dafür sorgten, dass alle Einwohner einen gewissen Geplfegtheitsgrad einhalten müssen, wenn sie nicht des Dorfeverwiesen werden wollten.

Die Suche nach einem geeigneten Zeltplatz wurde nun jeden Tag aufs neue zu einer zermürbenden Herausforderung. Auch Heute war es wieder fast unmöglich, irgendetwas sinnvolles aufzutreiben. Ok, sagen wir besser, es war vollkommen unmöglich, etwas sinnvolles aufzutreiben, denn der Platz, den wir schließlich wählten, entpuppte sich in der Nacht als reine Horrorschow. Wir befanden uns unter den einzigen Bäumen im Umkreis von gut 30km. Jedes Tier, das irgendwie Schatten und Kühle brauchte, zog sich also hierher zurück. Dementsprechend waren wir von gut 600 Krähen umgeben, die fast die ganze Nacht durch laut krächtsten. Es war ein so eindringliches Kreischen, dass ich es mit in meine Träume einbaute. Mit einem erholsamen Schlaf hatte dies allerdings nichts zu tun.

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Spruch des Tages: Eine Mücke kommt selten allein
Höhenmeter: 340 m
Tagesetappe: 22 km
Gesamtstrecke: 16.255,27 km
Wetter: sonnig und heiß
Etappenziel: Zeltplatz unter Walnussbäumen, kurz vor Bujor, Moldawien

Hier könnt ihr uns und unser Projekt unterstützen. Vielen Dank an alle Helfer!

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About the Author:

Heiko Gärtner und Franz von Bujor sind ausgebildete Survivalexperten und Extremjournalisten. Seit 2014 wandern sie zu Fuß und ohne Geld um die Welt um auf diese Weise tiefe Einblicke in unsere Gesellschaft mit all ihren Facetten, Kulturen und Systemen zu bekommen. Als Medizinjournalisten sind sie unter anderem Mitglieder des Deutschen Fachjournalisten Verbandes und schreiben neben Artikeln für Blogs, Zeitungen und Magazine auch Sachbücher und Ratgeber. 2013 veröffentlichten sie gemeinsam ein Grundlagenwerk über Antlitzdiagnose mit dem Titel "Krankheiten auf einen Blick erkennen". 2016 folgte ihr zweites Werk "Die natürliche Heilkraft der Bäume". Dabei handelt es sich um ein Lehrbuch, um die Grundlagen der Naturheilung zu erlernen, wie sie seit Jahrtausenden von indigenen Völkern überall auf der Welt angewendet werden. Heiko Gärtner ist zudem gelernter Natur- und Landschaftspfleger, Wildnislehrer, Hochseilgartentrainer sowie Berg- und Höhlenretter. Nach seiner Ausbildung zum Versicherungsfachwirt leitete er unter anderem Motivation und Verkaufstrainings und übernahm später eine eigene Generalagentur. Aus dieser Zeit konnte er unter anderem auch ein umfangreiches Verständnis und Wissen aus den Bereichen Versicherungsrecht, Recht im Allgemeinen, Buchhaltung, Wirtschaftsmathematik und Unternehmensführung mitnehmen. Um mehr seinem Herzensweg zu folgen, gab er seine Büro-Karriere schließlich auf, um sich zum Survivalexperten, Nationalparkranger und Wildnismentor ausbilden zu lassen. In diesem Rahmen besuchte er unter anderem Naturvölker in Neuseeland, Kanada, den USA und Thailand. Dabei gründete er unter anderem seine eigene Wildnisschule, die bis heute besteht und Ausbildungen aus dem gesamten Wildnissektor anbietet. Franz von Bujor ist studierter Kultur- und Sozialpädagoge, sowie ausgebildeter Wildnislehrer, Mediator und Erlebnispädagoge. Auf seinen vielzähligen Reisen unter anderem nach Australien und Lateinamerika sammelte er Expertenwissen im Bereich alternatives Leben und Reisen, Minimalismus, Backpacking und Work and Travel, sowie allgemein im Bereich Kunst, Kultur, Religion und Geschichte. Seit 2016 lebt er als Wandermönch.

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