Tag 247: Alkohol

 

Das schöne an unserem Schlafplatz war, das wir uns aus dem Garten nebenan mit Melonen bedienen durften. Wir suchten uns ein besonders prächtiges Exemplar und spannten es auf unseren Wagen. Es dauerte nicht lange, bis Heiko den Plan für dumm erklärte. Der Wagen war viel zu schwer um ihn den ganzen Tag lang zu ziehen und so beschlossen wir, am Marktplatz ein Melonenfrühstück einzulegen. Es war mitten in der Woche, doch in der Kleinstadt herrschte gerade Ausnahmezustand. Die Menschen feierten gerade eine sogenannte Feria, ein Dorffest, bei dem sich der ganze Ort über Tage hinweg bis zur Besinnungslosigkeit besäuft. Abends wird alles Verwüstet, dann schläft man bis zum Mittag, räumt auf und schon geht alles wieder von vorne los. Sogar der Bürgermeister war nicht zu sprechen, da er noch immer seinen Rausch ausschlief. Doch nicht alle waren so schwächlich wie der Bürgermeister. Einige Jugendlichen feierten noch immer und rannten in kleinen Gruppen kreuz und quer ohne jeden Plan über den Marktplatz. Sie setzten sich, standen wieder auf, holten sich etwas neues zu saufen und gaben sich ordentlich die Kannte. Dazu dröhnte laute Musik auf schlechten Boxen aus einem Keller, der extra für die Fiesta zu einem Partyraum umgebaut wurde.

Wir schauten uns das Schauspiel eine Weile an und waren fasziniert, oder besser gesagt erschreckt, was wir eine Wirkung der Alkohol auf die Menschen hatte. Plötzlich wollte jede Frau eine Schlampe sein und all ihre moralischen Bedenken vergessen. Die Männer hingegen waren zu betrunken um die Signale ihrer weiblichen Kumpaninen überhaupt noch wahrzunehmen.

Wir nahmen die Situation zum Anlass, um uns mit dem Thema Alkohol noch einmal näher zu beschäftigen.

Wie kam es eigentlich dazu, dass ein offensichtliches Nervengift einen solchen Siegeszug in unser Gesellschaftsleben feiern konnte? Zunächst war es nichts anderes, als der Versuch Wasser und andere Lebensmittel haltbar zu machen. Durch den Alkohol konnte man verhindern, dass sich Keime bilden, so dass man alles länger lagern konnte, als zuvor.

Heute jedoch ist die Lagerung von Wasser und Lebensmitteln auch ohne Alkohol kein Problem mehr und wir haben bereits vor Jahrhunderten erkannt, dass das Feuerwasser einige unangenehme Auswirkungen auf unseren Körper hat. Warum also verwenden wir es heute noch in solch geraumen Mengen?

Allein in Deutschland gibt es nach offiziellen Angaben 1,5 Millionen Alkoholabhängige und 9,5 Millionen Menschen mit einem so riskanten Trinkverhalten, dass sie als alkoholismus-gefährdet eingestuft werden. Zusammen macht das 11 Millionen Menschen, mit einem akuten Alkoholproblem. Das ist mehr als ein Achtel der Gesamtbevölkerung, was vor allem dann erschreckend wirkt, wenn man bedenkt, dass es ja auch noch Kinder gibt, die keinen Alkohol trinken. Offiziell gilt man jedoch erst dann als Alkoholiker, wenn man täglich mehr als 60mg reinen Alkohol pro Tag zu sich nimmt. Das entspricht etwa 6 Halben Bier oder 6 Viertellitern Wein. Doch was ist mit all jenen, die aus Gewohnheit täglich ihr Feierabendbier oder ihr Glas Wein zur Entspannung trinken und auf dieses auch nicht mehr verzichten wollen? Ist dies nicht auch eine Form der Sucht? Denn durch die regelmäßige Gewohnheit besteht zumindest eine psychische Abhängigkeit. Und was ist mit den Wochenendtrinkern, die sich auf Partys regelmäßig die Kante geben, um aus sich herauszukommen? Wenn wir diese auch noch mit einrechnen, dürfte es in Deutschland kaum noch einen erwachsenen Menschen geben, den das Thema Alkohol nicht direkt betrifft. Jedes Jahr werden nach einer Statistik des Kirin Institute of Food and Lifestyle weltweit 177 Milliarden Liter Bier getrunken. Das sind mehr al 5600 Liter pro Sekunde. Bei einer Weltbevölkerung von etwas über 7 Milliarden Menschen trinkt im Schnitt also jeder von uns 25,3 Liter Bier im Jahr, wobei man bedenken muss, dass etwa 1/3 der Weltbevölkerung Kinder sind, die keinen Alkohol trinken und dass etwa 1/3 der Weltbevölkerung so sehr in Armut leben, dass sie sich kein Bier leisten können. Hinzu kommen etwa 25 Milliarden Liter Wein und 4,5 Milliarden Liter Wodka, die jedes Jahr konsumiert werden. Ohne andere alkoholische Getränke mit zu berücksichtigen, sind das weltweit jährlich bereits mehr als 206 Milliarden Liter an alkoholischen Getränken. Wirklich beeindruckend werden die Zahlen jedoch erst, wenn man sie mit der Menge an Wasser vergleicht, die jährlich Weltweit getrunken wird. Laut der Statistik der Beverage Marketing Association sind das etwas mehr als 203,4 Milliarden Liter, also rund 6500 Liter pro Sekunde. Das heißt, dass allein der Konsum von Bier, Wein und Wodka, den weltweiten Konsum von Tafelwasser übersteigt! Selbst wenn man einwirft, dass hier nur das Wasser berücksichtigt wurde, dass wir in Flaschen kaufen, ist dieses Verhältnis noch immer absolut verrückt!

Laut der deutschen Hauptstelle gegen die Suchtgefahr nimmt jeder Deutsche im Jahr 9,9 Liter reinen Alkohol zu sich. Das entspricht etwa 610 Dosen Bier im Jahr, also knapp 2 Dosen am Tag. Wie gesagt, wir sprechen hier vom Durchschnitt, der durch Kinder drastisch nach unten gedrückt wird. Deutschland liegt damit rund ein Drittel über dem weltweiten Durchschnitt, mit 6,13 Litern pro Kopf. Für Europäer schlagen wir uns jedoch nicht schlecht, denn der Europäische Schnitt liegt sogar bei 12,5 Litern.

Diese Zahlen werfen doch die Frage auf, warum wir so vernarrt auf das flüssige Rauschgift sind und was es eigentlich mit unserem Körper macht. Was ist dran an Slogans wie „Rotwein tötet Krebszellen und verlängert das Leben“ oder „Gesund und schön mit Bier“?

73.000 Todesfälle jährlich, die sich allein in Deutschland direkt auf den Alkoholkonsum zurückführen lassen, sprechen da eine andere Sprache. Studien zeigten, dass Alkoholabhängige ein zwei- bis sechsmal so hohes Sterberisiko haben wie Antialkoholiker. Nach Angaben des 5. Internationalen Suchtkongresses in Baden bei Wien, sterben Menschen mit einem Alkoholproblem im Schnitt zwischen 6 und 18 Jahre früher als Menschen, die wenig bis keinen Alkohol trinken. Eine amerikanische Studie kam zu ähnlichen Ergebnissen. Wer täglich mehr als 52 Gramm reinen Alkohol zu sich nimmt, erhöht damit sein Sterberisiko um 65%.

Grund genug, der Giftigkeit dieses Kultgetränks einmal auf den Grund zu gehen. Denn das Alkohol giftig ist, daran besteht kein Zweifel. Jeder weiß, dass er unsere Leber zerstört. Jeder weiß dass er unsere Gehirnzellen schädigt und uns Dumm macht. Jeder weiß, dass es einem nach zu viel Alkohol dreckig geht, dass er Kopfschmerzen, Übelkeit, Brechreize und vielerlei anderes Unheil verursacht. Doch aus irgendeinem Grund ist uns das relativ egal. Doch warum? Glauben wir, dass es nur die anderen schädigt, und bei uns schon nicht so schlimm sein wird? Oder liegt es daran, dass niemand wirklich weiß, wie der Alkohol den Körper zerstört? Ist es vielleicht zu vage, so dass es sich niemand vorstellen kann? Oder sind die Konsequenzen einfach zu unmittelbar? Jeder weiß, dass Methylalkohol blind macht und dass bereits nach kurzer Zeit. In diesem Fall sagt auch niemand, dass es schon nicht so schlimm sein wird. Blind werden will niemand und deshalb lässt man diesen Alkohol lieber weg. Doch glauben wir wirklich, dass sein nächster Verwandter keine Schäden in unserem Körper hinterlässt? Oder sind uns der Rausch, die Benebelung und die Glücksgefühle einfach mehr wert als unsere eigene Gesundheit?

Doch was genau passiert eigentlich im Körper, wenn wir Alkohol trinken?

Nehmen wir einmal einen normalen Durchschnittsbürger nach der Arbeit. Endlich ist

Feierabend und der ganze Stress des Tages ist vorbei! Der nervige Chef wurde beim Ausstempeln an der Pforte zurückgelassen und die Arbeit ruht bis zum nächsten Tag. Was gibt es besseres, als sich zu hause entspannt aufs Sofa fallen zu lassen und den Tag bei einem Gläschen Feierabendbier oder einem Gläschen Wein ausklingen zu lassen? Besser kann man ja eigentlich nicht abschalten!

Sobald das Bier an den Geschmackszellen vorbei durch den Hals in den Magen gelangt, ist es eigentlich auch schon im Darm. Denn an einem Glas Alkohol gibt es nichts zu verdauen. Ich glaube ich werde es lieber noch einmal schreiben, weil es wirklich wichtig ist:

An Alkohol gibt es nichts zu verdauen!!

Das bedeutet, dass es von unserem Magen sofort und ohne Umschweife als Gift erkannt und in den Dünndarm weitergeleitet wird. Von hier aus gelangt es dann innerhalb von wenigen Sekunden in die Blutbahnen und wird dann in jede einzelne Zelle unseres Körpers transportiert.

Hier beginnt jetzt der eigentliche Clou an der Geschichte. Denn wenn der Alkohol einmal in die Zellen eingedrungen ist, dann verhindert er dort die Aufnahme von Nährstoffen. Wie gut also, dass ein Glas Wein oder Bier fast zu jedem Essen dazu gehört, denn so können unsere Zellen gerechter weise auch gleich Feierabend machen. Es wäre ja auch unfair, wenn dieses Recht nur uns vorbehalten wäre und sich unsere Zellen weiterhin mit der Verarbeitung von lebenswichtigen Nährstoffen den Hintern wund rackern müssten. Da ist es doch viel besser, wenn man sie mit einer guten Portion Nervengift in den Zwangsurlaub schickt. Ob das wohl mit der gesunden Wirkung des Alkohols gemeint ist? Mehr Freizeit führ Zellen? Bessere Arbeitsbedingungen durch frühen Feierabend? Wer weniger Arbeitet lebt bekanntlich länger, doch gilt das auch, wenn man seine Arbeit wegen eines Giftunfalls einstellen muss? Und was ist mit den Nährstoffen, die nicht verarbeitet werden können? Ob eine Demineralisierung wirklich so Gesund ist?

Wenn Alkohol jedoch die Nährstoffaufnahme durch die Zellen verhindert, wie absurd ist dann ein Verdauungsschnäpschen?

Nach weniger als einer Minute ist der Alkohol dann in der Leber angekommen. Diese erkennt das Gift und wandelt die ersten Tropfen um. Das ist vom Prinzip her eine wirklich gute Idee, hat aber den Nachteil, dass es keine Möglichkeit gibt, den Alkohol abzubauen, ohne dabei ein Abbauprodukt zu erzeugen, das noch giftiger als der Alkohol selbst. Dadurch zerstören sich die Arbeiter in Form der Leberzellen selbst. Mehr als einen Drink pro Stunde kann die Leber dabei nicht abbauen. Wenn der Alkoholkonsum darüber hinausgeht, dann wird das Gift im Körper zwischengespeichert und staut sich immer weiter auf. Wir merken dass dann dadurch, dass wir immer betrunkener werden und schließlich einen Vollrausch bekommen. Wenn es nicht mehr anders geht, stößt unser Magen das Gift von alleine wieder ab und schickt es dahin, wo es hergekommen ist. Zurück in die Speiseröhre, dann in den Mund, und schließlich auf den Gehsteig, den Biertresen oder das Dekoltee der heißen Lady, die wir gerade mit einem lässig-coolen Spruch von uns begeistern wollten.

Mit jedem Tropfen Alkohol, den die Leberzellen abbauen müssen, produzieren sie zeitgleich Fettzellen, die an die Stelle der funktionierenden Leberzellen treten. In diesen Fettzellen wird das giftige Abfallprodukt eingelagert, bis es langsam abgebaut und ausgeschieden werden kann. Das bedeutet, dass Alkohol bereits ab dem ersten Schluck gesundheitsschädlich ist.

Doch unsere Leber ist nicht das einzige Organ, in dem der Alkohol sein Unwesen treibt. Wenn es so wäre, dann würden wir ihn wahrscheinlich auch nicht trinken, denn das Schöne an dem Nervengift ist ja seine sinnesvernebelnde Wirkung. Sobald der Alkohol unser Gehirn erreicht, verschiebt er dort den Schalter von „Aktivität und Präsenz“ auf „Gedämpftsein und Wahrnehmungseinschränkung“. Die Botenstoffe Endorphin, Dopamin und Serotonin, die für unser Glücksgefühl zuständig sind, werden vermehrt freigesetzt. Unserem Feierabendtrinker kommt der Alltagsstress plötzlich nicht mehr so schlimm vor denn Endorphine sind natürliche Schmerzmittel. Dadurch kommt die Schmerzstillende Wirkung des Alkohols. Die Ausschüttung der Hormone führt dazu, dass körperliches und seelisches Leid nicht mehr wahrgenommen wird, obwohl es noch immer da ist. Es ist also nichts anderes als ein Symptomkiller, der dazu führt, dass man den Ist-Zustand akzeptiert, ohne nach der Ursache des Leides zu suchen.

Ohne das Problem gelöst zu haben, wird plötzlich alles irgendwie leichter und fröhlicher. Mit etwas mehr Alkohol und folglich auch etwas mehr Glückshormonen im Blut, beginnt er redselig zu werden und ist plötzlich voller Tatendrang. In vielen Fällen führt das jedoch nicht unbedingt dazu, dass man etwas sinnvolles tut, da das Gehirn ja wie erwähnt damit beschäftigt ist, vernebelt zu sein. So kommt es, dass das Verkehrsunfallrisiko bei Männern bereits ab einem Blutalkoholspiegel von unter 0,5 Promille um mehr als das zehnfache steigt. Bei Frauen mit diesem Alkoholpegel ist es immerhin knapp 7x so hoch.

Dabei ist jedoch auffällig, dass das Problem bei Gelegenheitstrinkern viel höher ist, als bei Alkoholikern. Wer sich regelmäßig betrinkt, bei dem lässt die Wirkung schließlich nach und er verursacht keinen Schaden mehr. Zumindest nicht in der Außenwelt. In seinem Körper richtet er natürlich ein Desaster an. Denn wenn das Trinken zu einer Gewohnheit wird, dann vervielfältigen sich die Probleme, die der Alkohol im Körper verursacht. Dass unsere Leber darunter leidet ist uns bekannt. Die Leberzellen werden Stück für Stück durch Fettzellen ersetzt bis wir den traurigen, schleimigen Haufen, der einst unsere Leber war, schließlich Fettleber nennen müssen. Im Endstadium folgt dann eine Leberzirrhose, bei der die Leber so zerfressen ist, dass sie nicht mehr funktionieren kann. In vielen Fällen bildest sie Tumore und Geschwüre aus und letztlich stirbt der Alkoholiker daran. Das Risiko eine solche Leberzirrhose zu bekommen ist bei einem Alkoholkonsum ab 50 Gramm reinem Alkohol pro Tag bereits 5,5 Mal höher als bei einem Antialkoholiker. Bei Frauen mit dem gleichen Alkoholkonsum steigt das Risiko sogar um das 8,7-Fache an. Mit 100 Gramm Alkohol am Tag liegt das Zirrhoserisiko bei Männern bereits beim 24,5-Fachen Wert und bei Frauen sogar beim 59,3-Fachen. Eine kaputte, oder durch Alkohol geschwächte Leber kann ihren Aufgaben natürlich nicht mehr im vollen Umfang nachgehen. Das ist vor allem deshalb ungünstig, weil sie mit den anderen Alltagsgiften, die wir ihr tagtäglich zumuten eh schon überfordert ist. So unterstützt der Alkohol zusätzlich auch die generelle Vergiftung und Endmineralisierung des Körpers und öffnet so Tür und Tor für allerlei Krankheiten.

Doch auch der Alkohol selbst ist nicht faul, wenn es darum geht die Zellen im ganzen Körper zu schädigen. So greift er unter anderem die Erbanlagen in den Zellen an und zerstört diese Schrittweise. Das Ergebnis sind zum einen Entzündungen im Magen und im Rachenraum. Zum anderen steigt das Risiko für allerlei Krebsarten. Im Gehirn ist es gleich noch einmal eine Nummer härter. Hier werden die Gehirnzellen durch einen Rausch nicht nur geschädigt, sie sterben vollkommen ab. Nach und nach kommt es zur Verblödung und die Gehirnleistung lässt immer mehr nach.

Der Trinker selbst bekommt von all dem nichts mit. Mit etwas Glück wird er müde und schläft ein.

Erst mit der Zeit zeigen sich die Folgen. Dar Risiko für Erkrankungen der Atmungs- und Verdauungsorgane steigt permanent an, genauso wie die Gefahr für Hirnblutungen, Bluthochdruck und Kreislauferkrankungen. Hinzu kommt, dass sich der Körper immer mehr an den künstlich erzeugten Hormonausstoß gewöhnt und nach einiger Zeit die Produktion ohne den Alkohol immer mehr einstellt. Daher rührt auch das hohe Suchtpotential des Alkohols.

Wie kommt es aber, dass dem Alkohol dennoch oft eine heilende Wirkung zugeschrieben wird? Rotwein beispielsweise soll angeblich gegen Kreislaufstörungen und Herzkrankheiten helfen. Studien, die das beweisen gibt es jedoch nicht. Es gibt lediglich Untersuchungen, die unterschiedliche Alkoholsorten miteinander vergleichen. So senkt Rotwein tatsächlich die Oxidation des sogenannten LDL-Cholesterins stärker als Weißwein. Doch ob das insgesamt etwas Positives ist, kann niemand sagen.

Dennoch wurde auf dem 5. Internationalen Suchtkongress in Österreich ernsthaft darüber diskutiert, ob man nicht eine Empfehlung herausgeben sollte, nach der Alkohol in einem gewissen Maß gesundheitsförderlich ist. Letztendlich entschieden sich die „Experten“ dagegen und das nicht ohne Grund. Rudolf Mader, Leiter des Anton-Proksch-Instituts in Kalksburg (Wien), das den Kongress in Baden organisierte sagte in einer Pressekonferens: "Laut US-Studien würde eine Empfehlung, regelmäßig Alkohol zu trinken, zehn Prozent der Angesprochenen zu Abhängigen machen."

Die Frage ist jedoch vielmehr, wieso ein internationaler Suchtkongress überhaupt auf die Idee kommt, eine "Empfehlung von Alkohol zur Gesundheitsförderung" aussprechen zu wollen. Nach dem aktuellen Stand der Forschung gibt es demnach keine Dosis, in der Alkohol unbedenklich ist. Er schadet ab dem ersten Tropfen und führt zu einer Schwächung des gesamten Organismus. Dennoch gibt die Weltgesundheitsorganisation an, dass weniger als 20 Gramm reiner Alkohol am Tag bei Männern nur ein geringes Gesundheitsrisiko verursachen würde und daher als ungefährlich eingestuft werden kann. Das entspricht etwa einem Viertelliter Wein oder einem halben Liter Bier. Für Frauen gilt die Hälfte. Doch ist es nicht fragwürdig, das eine Weltgesundheitsorganisation das tägliche Trinken von Alkohol als unbedenklich einstuft, obwohl medizinische Studien und gesunder Menschenverstand etwas anderes sagen?

Auch wenn nahezu alle Berichte, Reportagen und Dokumentationen zum Thema Alkohol am Ende wieder einlenken und sagen „Naja, ein bisschen ist schon ok“, ist es also dennoch deutlich besser auf Alkohol komplett zu verzichten. Denn nur dann kann sich der Körper wieder regenerieren und seine alte Verfassung zurückerlangen. Die angetrunkene Fettleber regeneriert sich in der Regel schon nach wenigen Wochen und auch die Entzündungen gehen nach einiger Zeit wieder zurück. Doch ganz ohne Folgen bleibt die Sauferei nicht. Denn die Erbanlagen regenerieren sich nicht wieder und das erhöhte Krebsrisiko bleibt damit ein Leben lang bestehen.

Schließlich bleiben noch ein paar offene Fragen zurück:

Wie kommt es, dass so viele Medikamente Alkohol enthalten? Vor allem, wenn es sich dabei um natürlicher Heilmittel handelt. Sogar in Bachblüten und unseren Bärlauchtropfen aber auch in Wick Medinight in Hustensäften, Klosterfrau Melissengeist und anderen Medikamenten ist Alkohol enthalten. Auf der einen Seite könnte man sagen, dass es zur Konservierung benötigt wird, doch warum gibt es dann Versionen für Kinder, die ohne den Alkohol auskommen? Wenn es einmal möglich ist, dann müsste es doch eigentlich immer Möglich sein?

Auch in vielen Cremes und Körperlotionen ist Alkohol enthalten. Alkohol hat jedoch die Eigenschaft, dass es die Haut austrocknet. Bei einer Feuchtigkeitscreme ist das absolut contraproduktiv. Zumindest aus Sicht des Anwenders, denn es führt natürlich dazu, dass er ständig immer mehr Cremes und Lotionen braucht. Was aber passiert mit dem Alkohol wenn er in die Haut einzieht? Schädigt er den Organismus dann ebenfalls?

Doch noch einmal zurück zum Trinkkult:

Warum gehört es zur Gesellschaft dazu, etwas zu trinken? Warum haben wir das Gefühl, dass ein besondere Anlass wie Silvester, Geburtstage, Firmenfeiern, Weihnachten und ähnliches, nur dann anständig gefeiert wird, wenn wir dazu in geselliger Runde auch etwas trinken? Warum glauben wir, dass wir nur lustig sein können, wenn wir alkohol trinken?, nur spaß haben? Warum gelten wir als prüde und verspießt wenn wir das gift nicht wollen? Warum wird man aus der Gesellschaft ausgestoßen, wenn man gesund leben will?

Warum benötigen wir den Alkohol wirklich? Welches tiefere Bedürfnis, welche Sehnsucht oder welches Verlangen steckt dahinter, dass wir unsere Sinne bewusst vernebeln, unser eigenes Leben und die Umgebung nicht mehr wahrnehmen wollen und unseren Körper bewusst schwächen und krankmachen?

Was fehlt uns im Leben, dass wir Alkohol brauchen? Fehlt uns Freude? Liebe? Echtheit? Leichtigkeit? Wollen wir die Anerkennung von anderen? Wollen wir zeigen, wie viel Gift wir in unseren Körper pumpen können, ohne umzufallen? Geht es uns darum, klarzustellen, was wir für starke Männer sind? Und bei Frauen: Trinken wir wirklich, weil wir es selbst wollen, oder geht es vielleicht auch oft darum, unserem Partner zu gefallen? Wollen wir vielleicht zeigen, dass wir die Sucht des anderen teilen?

Warum ist es so schwer, auf Alkohol zu verzichten, ohne dafür komisch angesehen zu werden? Warum gibt es alkoholfreies Bier? Wirklich, weil wir so sehr auf den Geschmack stehen? Oder vielleicht, weil wir noch immer dazugehören wollen, auch wenn wir erkannt haben, dass der Alkohol selbst nicht gut für uns ist?

Spruch des Tages: Unser tägliches Gift gib uns heute...

Höhenmeter: 20 m

Tagesetappe: 25 km

Gesamtstrecke: 4908,97 km

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