Tag 871: Verlassener Hundewelpe

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Tag 871: Verlassener Hundewelpe

02.05.2016

Wir konnten es kaum glauben, wie schnell die Zeit schon wieder verflogen war, aber heute war der letzte volle Tag, den Heydi uns begleitete. Die Nacht am Sportplatz war trotz der Ortsnähe und den Feiertagen ruhig und störungsfrei verlaufen. Wir waren fast schon überrascht gewesen, dass wir keien betrunkenen Rabauken vertreiben mussten, aber enttäuscht waren wir deshalb nicht. Wir verließen den Ort und folgten einer Straße, die sich den Hang entlang schlängelte, bis wir in eine Osterprozession gerieten. Das ganze Dorf war hier zusammen gekommen, um mit Pauken unt Trompeten durch die Straßen zu marschieren. So schnell wir konnten nahmen wir reißaus, um nicht mitten in die Gruppe zu geraten und um wieder für uns zu sein. Für die Verantstalter war es sicher auch neu, dass Touristen vor ihnen davon liefen anstatt stehen zu bleiben und zu schauen.

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Kaum hatten wir die Berge verlassen kamen wir wieder auf einsamen Feldwegen mitten durch eine Flachebene. Und wieder durften wir dabei einige ganz besondere Leute treffen. Einer von ihnen war dieses Mal ein kleiner, schwarzer Labrador, den man ausgesetzt hatte. Er hockte neben einer kleinen Holzkiste und schaute uns mitleiderweckend an. Unser letzter Versuch, einen kleinen Findeljungen seiner Art zu retten, hatte in einem Desaster geendet, aber dafür konnte der Kumpel hier ja nichts. Also nahmen wir ihn mit. In Heikos Wagen wollte er aber nicht sitzen bleiben und so nahm Heydi ihn auf den Arm und gab ihn für den Rest des Tages kaum noch her. Er war ein niedliches, kleines Wesen, das so ausgemergelt war, dass es am ganzen Leib zitterte.

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Wenig später entdeckte Heiko eine Wasserschlange in einem Graben und wir machten eine Pause, um sie zu fotografieren. Für den kleinen Hund wurde ein Picknick daraus, denn er durfte sich nun ungestört über unsere Wurst hermachen. Er schlang sie hinunter, als hätte er seit Tagen nichts gegessen und wahrscheinlich war es auch so. Nach der Schlange sahen wir dann noch zwei große Wasserschildkröten und eine Schildkrötenleiche. Wusstet ihr, dass der Panzer der Schildkröten direkt in ihre Rippen übergeht? Für mich war das jedenfalls neu.

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Kurz bevor wir unseren Zielort erreichten, tauchte auf der Straße eine weitere Schlange auf. Sie war riesig und maß gut und gerne ihre zwei Meter. Vollkommen regungslos lag sie da und auch Heikos Fotoshooting störte sie nicht weiter. Wir waren schließlich davon überzeugt, dass sie tot war und Heiko wagte sich nun immer weiter an sie heran. Mit Heydis Wanderstecken stubste er sie an. Keine Reaktion. Er stubste erneut. Plötzlich streckte sie ihre Zunge heraus und züngelte wild damit herum. Erschrocken sprangen wir zurück. Damit hätten wir nun wirklich nicht mehr gerechnet. Als Heiko sie ein weiteres Mal anstieß, ergriff sie die Flucht und zog sich ins Gebüsch zurück. Kein schlechter Plan, denn die Straße war gar nicht so wenig befahren. Wenn wir nicht im Weg herumgestanden hätten, dann wäre sie allein in den letzten Minuten schon drei Mal überrollt worden.

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Im Ort selbst kamen wir an eine kleine Bar, wo wir zunächst einmal nach einem Schlafplatz und dann nach einem neuen Heim für unseren Findus fragten. Ein Heim für uns war schnell gefunden und wenig später wurden wir in der Umkleide des Sportplatzes einquartiert, wo wir sogar eine Dusche und eine Waschmaschine hatten. Doch für unseren kleinen Waisenhund sah es zunächst schlecht aus. Hunde gab es hier ohne Ende und niemand hatte mehr Mitleid mit ihnen, egal wie niedlich sie auch aussahen. Die einzigen, die ein Interesse an ihm hatten, waren Gäste aus Deutschland, die hier über Ostern ihre Familie besuchten. Doch die konnten ihn nicht mitnehmen. Also blieb er den Nachmittag bei uns und kuschelte mit Heydi. Es war sicher kein Zufall, dass der kleine ausgerechnet heute zu uns kam, denn er löste in Heydi weit mehr als Mitgefühl für ein verlorenes Tier aus. Er spiegelte auch viele ihrer eigenen Gefühle wieder, darunter auch den drohenden Abschiedsschmerz. Wie die Schildkröte mit dem gebrochenen Panzer war auch der kleine Hund ein deutlicher Spiegel dafür, wie schnell man als Energiespender auserkoren wird, wenn man nicht mehr voll in seiner Kraft steht. Die Schildkröte hatte mehrere Zecken an der Haut gehabt, genau an der Stelle, an der ihr Schutzpanzer verletzt worden war. Der kleine Hund hatte sogar noch mehr Blutsauger am Körper, die sich in seinem Fell versteckten und ihm sogar bis ins Ohr gekrabbelt waren.

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Als Heydi mich später noch einmal zur Bar begleitete um nach Internet und Essen zu fragen, war sie plötzlich verschwunden. Zunächst dachte ich, dass sie schon ohne mich zurück in unser Quartier gegangen war, doch als ich dort eintraf, fand ich Heiko alleine vor. Er hatte sich kurz zuvor eine Wasserschlacht mit ein paar frechen Kindern geliefert, die nicht aufhören wollten, Steine gegen unser Fenster zu werfen. Langsam machte uns dieses Verhalten schon ein wenig Sorgen, denn es zo sich wie ein roter Faden durch alle Länder, dass die Kinder keine Grenzen mehr kannten. In Bosnien, Serbien und Montenegro hatten uns Kinder mit Steinen beworfen, als wir im Zelt lagen. In Italien warfen sie Steine gegen unsere Räume und auch hier war es nun schon das dritte Mal, dass Steine gegen unsere Fenster geworfen wurden. Wie kam man auf diese Idee? Es gab viele Möglichkeiten mit denen man mit fremden Menschen in Kontakt treten konnte und wenn es einem wichtig war, dabei zu nerven und sich unsympathisch zu machen, dann gab es auch dafür eine große Bandbreite an Methoden. Aber Leute mit Steinen zu bewerfen ging meines Erachtens schon etwas über einen normalen Kinderstreich hinaus.

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In diesem Fall machten die Kids den Fehler, nicht wegzulaufen, sondern sich oben auf einem Baum zu verstecken. Dort gaben sie für Heiko ein gutes Ziel ab, der sie nun mit Wasser besprenkeln konnte, ohne das Sie sich dagegen wehren konnten. Die Taktik funktionierte und nach der unfreiwilligen Dusche waren die Kinder verschwunden.
Doch auch Heydi war noch immer weg. Zunächst machte sich Heiko auf die Suche, blieb jedoch erfolglos. Dann war ich an der Reihe. Ich lief die Straßen auf und ab und traf dabei schließlich wieder auf die Kinder, die gelangweilt mit ihren Rädern umhergurgten. Wenn sie schon nichts besseres zu tun hatten, dann konnten sie sich ja auch nützlich machen, dachte ich, und spannte sie in meine Suche mit ein. Sie sprachen nur wenig Englisch aber es reichte um mich zu verstehen. Wenig später strömten sie aus, fuhren alle Straßen ab und kehrten immer wieder zu mir zurück, um mir Bericht zu erstatten. Zunächst blieben aber auch sie ohne Erfolg. Erst als ich Heydis Weg zurückverfolgte, kam ich weiter. Sie hatte von einer Kellnerin einen Tipp bekommen, wo sie eine Gastfamilie für unseren kleinen Stubsl finden konnte. Ich folgte den Spuren und kam schließlich an ein Haus in dessen Garten unser kleines Findelkind herumtollte. Bis vor wenige Minuten sei Heydi noch hier gewesen, erklärte mir die neue Hundemama, dann sei sie aufgebrochen, um zurück nach Hause zu gehen. Kurz darauf kehrte auch mein Suchtrupp zu mir zurück und berichtete, dass Heydi gesichtet wurde und bereits auf dem Heimweg war. Als ich wieder am Sportplatz eintraf, war sie bereits mit Heiko am Kochen.

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Den Rest des Abends verbrachten wir damit, unsere Sachen so zu sortieren, dass Heydi alles mit Nachhause nehmen konnte, was wir nicht benötigten. Außerdem bekam Heiko eine ausgiebige Massage von Händen, Rücken und Kopf, die so entspannend war, dass er dabei sogar einschlief.

Spruch des Tages: so schnell ist die gemeinsame Zeit schon wieder vorbei!

Höhenmeter: 370 m
Tagesetappe: 23 km
Gesamtstrecke: 15.379,27 km
Wetter: Vormittags sonnig, nachmittags bewölkt, abends wieder sonnig
Etappenziel: Zeltplatz an einem Feld, kurz hinter 4358 Prolom, Bulgarien

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Heiko Gärtner und Franz von Bujor sind ausgebildete Survivalexperten und Extremjournalisten. Seit 2014 wandern sie zu Fuß und ohne Geld um die Welt um auf diese Weise tiefe Einblicke in unsere Gesellschaft mit all ihren Facetten, Kulturen und Systemen zu bekommen. Als Medizinjournalisten sind sie unter anderem Mitglieder des Deutschen Fachjournalisten Verbandes und schreiben neben Artikeln für Blogs, Zeitungen und Magazine auch Sachbücher und Ratgeber. 2013 veröffentlichten sie gemeinsam ein Grundlagenwerk über Antlitzdiagnose mit dem Titel "Krankheiten auf einen Blick erkennen". 2016 folgte ihr zweites Werk "Die natürliche Heilkraft der Bäume". Dabei handelt es sich um ein Lehrbuch, um die Grundlagen der Naturheilung zu erlernen, wie sie seit Jahrtausenden von indigenen Völkern überall auf der Welt angewendet werden. Heiko Gärtner ist zudem gelernter Natur- und Landschaftspfleger, Wildnislehrer, Hochseilgartentrainer sowie Berg- und Höhlenretter. Nach seiner Ausbildung zum Versicherungsfachwirt leitete er unter anderem Motivation und Verkaufstrainings und übernahm später eine eigene Generalagentur. Aus dieser Zeit konnte er unter anderem auch ein umfangreiches Verständnis und Wissen aus den Bereichen Versicherungsrecht, Recht im Allgemeinen, Buchhaltung, Wirtschaftsmathematik und Unternehmensführung mitnehmen. Um mehr seinem Herzensweg zu folgen, gab er seine Büro-Karriere schließlich auf, um sich zum Survivalexperten, Nationalparkranger und Wildnismentor ausbilden zu lassen. In diesem Rahmen besuchte er unter anderem Naturvölker in Neuseeland, Kanada, den USA und Thailand. Dabei gründete er unter anderem seine eigene Wildnisschule, die bis heute besteht und Ausbildungen aus dem gesamten Wildnissektor anbietet. Franz von Bujor ist studierter Kultur- und Sozialpädagoge, sowie ausgebildeter Wildnislehrer, Mediator und Erlebnispädagoge. Auf seinen vielzähligen Reisen unter anderem nach Australien und Lateinamerika sammelte er Expertenwissen im Bereich alternatives Leben und Reisen, Minimalismus, Backpacking und Work and Travel, sowie allgemein im Bereich Kunst, Kultur, Religion und Geschichte. Seit 2016 lebt er als Wandermönch.

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