Tag 22: Auf der Südlichen Weinstraße

///Tag 22: Auf der Südlichen Weinstraße

Tag 22: Auf der Südlichen Weinstraße

Tag 22: Auf der Südlichen Weinstraße

Heute war wieder mal ein Tag mit vielen Höhen und Tiefen und das in jederlei Hinsicht. Doch zunächst zu gestern Abend.

Um 18:00 wurden wir in der Pfarrei nicht nur von Pfarrer Hans, sondern auch von seiner Mutter und dem Hund Djego empfangen. Als wir klingelten schallte uns zunächst ein lautes und wirklich respekteinflößendes Bellen entgegen, das mindestens von einem Sibirischen Wolfshund stammen musste. Dann öffnete sich die Tür und wir blickten in das treue und schüchterne Gesicht eines Hundes mit lockigem, goldenem Fell, den man sofort liebhaben musste. Auch Hans begrüßte uns und führte uns in das Wohnzimmer, in dem seine Mutter in einem Sessel am Fenster saß. Während wir uns mit ihr unterhielten bereitete Hans das Abendessen vor. Er bewies, dass er nicht nur ein guter Pfarrer, sondern auch ein hervorragender Koch war. Es gab Flammkuchen als Vorspeise, dann Leberknödel mit Sauce, Kassler, Sauerkraut und Kartoffeln. Als wir kurz vor´m Platzen waren, gab es noch eine große Portion Eis als Nachtisch. Trotz allem, was wir an kulinarischen Highlights auf unserer Reise schon erleben durften, hätten wir uns dieses Abendessen nicht zu träumen gewagt. Noch als wir in unseren Schlafsäcken lagen, waren unsere Bäuche so voll, dass wir kaum schlafen konnten.

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Am nächsten Morgen ging es diesmal zeitig wieder auf die Piste. Die Heizung war über Nacht ausgeschaltet worden und so war es in unserem Zimmer nicht mehr viel wärmer als im Freien. Daher verzichteten wir auf ein Frühstück und machten uns Lunchpakete. Das Wetter schaffte es tatsächlich noch weniger einladend zu sein als in den letzten Tagen. Der letzte Sonnenschein lag nun bereits 6 Tage zurück und heute war es kalt und regnerisch. Die Weinberge lagen in einem fast unheimlichen Dunstschleier und die mittelalterlichen Dörfchen wirkten mystisch und verwunschen. Nach einiger Zeit fanden wir heraus, dass der Jakobsweg in dieser Region mit dem Wanderweg an entlang der Weinstraße identisch war. Man musste also nur den grünen Schildern folgen und dann fand man auch hin und wieder mal ein blaues. Der Wanderweg war allerdings nicht gebaut worden um die leichteste und kürzeste Verbindung zwischen den Ortschaften aufzuzeigen, sondern um den Wanderern die schönsten Panoramen zu bieten. Das war auf der einen Seite sehr löblich, denn die Aussicht auf die Weinberge war wirklich einzigartig. Im Herbst, wenn hier alles voller Trauben und roter Blätter war, musste es herrlich aussehen. Auf der anderen Seite bedeutete die Wegführung aber auch ein ständiges Auf und Ab über jeden Hügel und jeden Berg. Es dauerte nicht lange und wir fühlten uns wirklich wie zwei Packesel, die man vor einen Pferdewagen gespannt hatte. Immer wenn wir eine Hügelkuppe erreicht hatten, blickten wir in ein Tal und konnten auf der anderen Seite sofort wieder den Anstieg sehen. Bergauf schwitzten wir wie die Teufel und oben wehte ein kalter Wind der uns sofort wieder zum frieren brachte. Nach einiger Zeit hielten wir uns deshalb an den Fahrradweg, der zwar noch immer ständig auf und abwärts führte, aber ein bisschen sparsamer mit den Höhenmetern umging.

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Gegen Mittag erreichten wir Bad Bergzabern. Kurz überlegten wir, ob wir hier bleiben sollten, aber 12:00 kam uns als Zeit für die Schlafquartierssuche dann doch etwas früh vor. Außerdem empfanden wir Bad Bergzabern nicht gerade als einladend. Zumindest die Architekten der Wohnblocks in den äußeren Bezirken mussten jedoch Humor gehabt haben, denn aus ästhetischer Sicht waren diese Häuser ein Witz. Die bewohner selbst teilten den Humor jedoch nicht, was man ihnen bei diesen Wohnhäusern auch nicht verübeln konnte. Da ein feuchtkalter Winter in einem Weinanbaugebiet das zum Großteil von den Spätsommertouristen lebt, nicht gerade die Hauptsaison ist, waren auch in Bad Bergzabern fast alle Geschäfte geschlossen. Diejenigen die offen hatten, hielten leider nicht allzu viel von mittellosen Pilgern und so kam es, dass unsere Lebensmitteljagt relativ erfolglos blieb. Als wir es schon aufgeben wollten, kamen wir jedoch an einer letzten Bäckerei vorbei. Auch hier wurden wir abgelehnt, aber die Frau in der Schlange hinter mir bekam unsere Geschichte mit, und spendierte uns drei Brötchen. Es ist immer wieder überraschend, von welcher Seite man unerwarteter Weise Hilfe bekommt.

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Noch mehr Humor als die Architekten hatten die Aufsteller der Wegweiser bewiesen. Die Schilder zeigten hin wo sie wollten. Nicht selten in genau die Richtung, aus der wir gerade kamen. Schließlich verzichteten wir gänzlich auf ihre Hilfe und fragten uns durch. Das Etappenziel unserer Wahl war Oberotterbach. Der Weg dorthin beschenkte uns so reich mit Steigungen und Sprühregen, dass wir fasst nicht mehr wussten wohin damit. Wir träumten bereits von einer warmen Dusche und einem ruhigen Platz im Gemeindehaus. Völlig erschöpft und durchnässt erreichten wir schließlich den letzten Gipfel von dem aus wir den Ort sehen konnten. Hätten wir noch die Kraft gehabt, wären wir vor Freude in die Luft gesprungen. Doch Oberotterbach ließ unsere Euphorie und unsere Traumblase mit einem lauten Knall platzen. Es gab zwar zwei Kirchen aber keinerlei Gemeinderäume und auch keinerlei Kirchenpersonal. Eine ältere Dame gab uns die Telefonnummer der zuständigen Pfarrerin in Bergzabern. Sie war recht kurz angebunden und hatte nicht soviel für Pilger übrig, wie die Pfarrer in den letzten Ortschaften. Vor allem eben keinen Schlafplatz. Das heißt genaugenommen bat sie uns schon eine Übernachtungsmöglichkeit an. Doch dafür hätten wir die letzten zehn Kilometer auf und ab wieder zurück nach Bad Bergzabern gemusst. Wir lehnten also dankend ab und versuchten unser Glück in Schweigen-Rechtenbach. Auf den drei Kilometern dorthin schrumpften unsere Träume schon mächtig zusammen. Einen warmen, trockenen Schlafplatz wollten wir, das war alles. In Schweigen-Rechtenbach steuerten wir schnurstracks auf den Kirchturm zu. Ein Pfarrhaus war nicht zu sehen, dafür gab es aber eine Telefonnummer des hier ansässigen Pfarrers.

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„Sehr geehrter Anrufer! Unsere Pfarrei ist seit dem 01.01.2014 geschlossen. Seit beginn des Jahres ist nun die Pfarrerin Frau XY aus Bergzarten für unsere Gemeinde zuständig. Sie erreichen sie unter der Nummer….“ Dies war die ernüchternde Stimme des Ex-Pfarrers, die uns vom Band entgegenschallte. Die erwähnte Pfarrerin war die, mit der ich eine halbe Stunde zuvor telefoniert hatte, und die uns nach Bad Bergzabern zurücklocken wollte. Die letzte Hoffnung: Der zweite Kirchturm im Ort. Hier trafen wir ein älteres Ehepaar und eine Mutter mit zwei Kindern vor dem Eingang, die wir um Auskunft und Unterstützung baten. Wir erfuhren. Dass auch die katholische Kirche schon längst keinen Pfarrer in diesem Ort mehr hatte. Die gesamte Region wurde von drei Geistlichen aus Bergzabern betreut. Das Pfarrhaus war verkauft worden und seither in Privatbesitz. In allen umliegenden Gemeinden war es das gleiche. Schon wollte unsere Hoffnung wieder sinken, als sich wieder einmal ein Schutzengel für uns einsetzte. Diesmal in Form des kleinen Mädchens, die unserem Gespräch interessiert folgte. Während die Erwachsenen alle Möglichkeiten und Szenarien durchspielten, sprudelte sie geradezu vor Vorschlägen. „Sie könnten doch im Chorraum schlafen, oder wir fragen Papa, ob sie bei uns im Keller oder auf dem Dachboden übernachten können!“ Auch die Erwachsenen waren hilfsbereit, doch sie hatten auch eine gewisse Skepsis gegenüber den komischen Fremden, die daher gewandert kamen und die niemand kannte. Das Mädchen jedoch war ohne jedes Vorurteil und hätte uns am liebsten adoptiert. Schließlich einigte man sich darauf, dass wir in den Gemeinderäumen unterhalb der Kirche nächtigen dürfen, wenn wir unsere Namen und Adressen angeben. Damit waren wir einverstanden und so bekamen wir unser neues Zuhause gezeigt. Es gab zwar keine Dusche, aber sonst hatten wir alles, was unser Herz begehrte: Wärme, Trockenheit, einen Platz für unsere Isomatten, einen ebenen Eingang für unsere Wägen und einen Wasserkocher für Tee und eine Wärmflasche. Kaum hatten wir uns einigermaßen Orientiert, kam auch schon das Mädchen und fragte, ob wir Kaffee oder Tee wollen. Später brachte uns die Familie dann noch Kartoffeln und Eier, aus denen wir uns Country Potatoes  machten. Aus den Kartoffeln natürlich! Nicht aus den Eiern!

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 Spruch des Tages: Das Leben ist eine Achterbahn

Tagesetappe: 26 km

Gesamtstrecke: 462,27 km

Bewertungen:

 
2019-04-05T21:29:44+00:00 Deutschland, Tagesberichte|

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One Comment

  1. Doris 24. Januar 2014 at 22:45 - Reply

    hallo ihr zwei,es tut mir leid zu lesen dass ihr in bergzabern auf so wenig hilfsbereitschaft gestoßen seit.eigentlich sind die pfaelzer sehr offen für neue begegnungen und auch sonst sehr hilfsbereit.Und jetzt seit ihr schon bald in frankreich (elsass) ,und ich wünsche euch viele nette menschen die die bereitschaft mitbringen euch mit gutem rat und tat zur seite stehen. liebe grüsse doris und hans.

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