Arbeit mit dem inneren Kind

Heiko Gärtner
22.10.2017 16:51 Uhr
 

Was ist das „Innere Kind?“

Jeder, der sich schon einmal ein paar Minuten lang mit sich selbst beschäftigt hat, wird bereits festgestellt haben, dass er nicht nur eine einzige, in sich geschlossene Persönlichkeit besitzt. Nach außen hin mag es so aussehen, weil wir nur einen Körper haben und in der Regel auch nur mit einer Stimme sprechen, doch unser inneres setzt sich aus einem ganzen Clan an „Ichs“ zusammen, die alle ihre eigene Stimme und ihre eigene Präsenz haben. Am deutlichsten fällt uns dies in der Regel bei schwierigen Entscheidungen auf, bei denen wir einfach keine klare Richtung wählen können. Etwas in uns schreit „Ja“, etwas anderes verschränkt die Arme und will ein „Nein“, etwas drittes versteckt sich vor Angst und weint und eine vierte Stimme summt eine Melodie vor sich hin, die es uns schwer macht, uns überhaupt zu konzentrieren.

Es gibt nicht nur eine Pesrönlichkeit in uns, sondern gleich einen ganzen Clan.

Es gibt nicht nur eine Pesrönlichkeit in uns, sondern gleich einen ganzen Clan.

Wenn man dieses Stimmenchaos in einem Selbst betrachtet, kann mal leicht den Eindruck bekommen, man sei schizophren, was möglicherweise nicht einmal ganz falsch ist. Es ist aber auch nicht schlimm, denn diese innere Persönlichkeitsvielfalt ist etwas ganz natürliches. Schizophrenie beginnt erst dann, wenn sich eine oder einige der inneren Stimmen von den anderen abkapseln, so dass man entweder nur noch die eine oder nur noch die andere wahrnehmen kann und keinerlei Erinnerungen mehr an die Erlebnisse der jeweils anderen hat.

Jeder von uns hat ein ganzes Sortiment an Stimmen in sich, die alle unter einen Hut gebracht werden wollen.

Jeder von uns hat ein ganzes Sortiment an Stimmen in sich, die alle unter einen Hut gebracht werden wollen. Designed by creativeart / Freepik

Die Tatsache, dass wir nicht aus einer einzigen Persönlichkeit sondern aus einer Vielzahl an Gedankenstimmen bestehen, kann auf unterschiedlichste Weise auch für Heilungen genutzt werden. In der Kommunikationsforschung wird dies oft „Arbeit mit dem inneren Team genannt!“

Eine der Stimmen, die wir stets in uns tragen und die eine ganz besondere Rolle einnimmt, ist unser inneres Kind. Ebenso haben wir ein inneres Baby, einen inneren Jugendlichen, einen inneren erwachsenen und sogar einen inneren Ältesten, der unser zukünftiges, weiseres Ich repräsentiert.

In all unseren Lebensphasen gab und gibt es immer wieder Momente, in denen wir uns gekränkt oder verletzt fühlen, in denen wir Ängste aufbauen, uns verschließen, in denen wir verbittern oder uns selbst einen Teil unserer Fähigkeiten und Möglichkeiten aberkennen. In unsere Gesellschaft ist es leider fast immer so, das die Gefühle und Ängste die wir in diesem Momenten haben, nicht oder nicht vollständig aufgelöst werden, sodass wir sie als als inneren Ballast ständig mit uns herumtragen. Wir spüren sie dann unser ganzes Leben lang als Blockaden, die uns davon abhalten, uns frei für etwas zu entscheiden, unsere Talente und Stärken voll auszuleben und nach unserem Gefühl und unserer Intuition zu handeln. Oft wissen wir nicht einmal, warum wir bestimmte Dinge nicht tun können, warum wir an bestimmten Punkten schier unüberwindbare Ängste haben und warum wir bestimmte Dinge ablehnen oder gar verabscheuen. Dies liegt daran, dass unser inneres Kind hier noch immer eine tiefe, nie geheilte Verletzung spürt.

Auch im hohen Alter haben wir noch immer ein Kind in uns.

Auch im hohen Alter haben wir noch immer ein Kind in uns.

Das innere Kind ehren

Um diese Blockaden, Ängste und Traumata auflösen und wieder frei leben zu können müssen wir Kontakt zu unserem inneren Kind aufnehmen. Wir müssen verstehen, was und es damals gefühlt hat, was und warum es so verletzt wurde, dass wir die Auswirkungen noch immer spüren. Wenn uns dies gelingt, und wenn wir ein Vertrauensverhältnis zu ihm aufgebaut haben, dann können wir unser inneres Kind auch fragen, was es nun benötigt, damit sein Schmerz verschwinden, seine Wunde heilen und seine Angst sich auflösen kann.

Viele unsrer Kindheitstraumata konnten wir nie aufarbeiten.

Viele unsrer Kindheitstraumata konnten wir nie aufarbeiten.

Dazu müssen wir zunächst wieder lernen, die zarte Stimme des inneren Kindes zu hören. Sie meldet sich zunächst ganz leise als unangenehmes Gefühl in unserem Alltag, immer dann wenn wir auf eine alltägliche Kleinigkeit außergewöhnlich emotional reagieren, ohne das wir es uns selbst erklären können. Diese Alltagsituation erinnert und dann an eine schmerzliche Situation in unserer Kindheit und wird zu einem Auslöser um den damaligen Gefühlsschmerz noch einmal zu durchleben.

Die häufigste Reaktion in solchen Momenten ist es meist, sich selbst für dieses unerklärliche Verhalten und seine offensichtliche Unfähigkeit zu verurteilen und sich dadurch noch tiefer in die Blockaden zu stürzen.

Tatsächlich aber bieten diese Momente die Gelegenheit, Kontakt mit seinem inneren Kind aufzunehmen und es zu fragen, warum es sich damals so gefühlt hat. Welches tiefere, primäre Gefühl und welche schmerzhafte Erfahrung stehen hinter dem Gefühlschaos?

Vor allem Wut ist eine Emotion, die wir oft unterdrücken und die unser inneres Kind mit sich herum trägt.

Vor allem Wut ist eine Emotion, die wir oft unterdrücken und die unser inneres Kind mit sich herum trägt.

Wenn es uns gelingt, wirklich eine Verbindung zu unserem damaligen Ich aufzubauen, können wir es nun fragen, was es gebraucht hätte, oder in der Erinnerung noch immer braucht, um die damalige Situation aufzulösen und keine Angst mehr davor zu haben. Anstatt das innere Kind wie zuvor für seine Schwäche zu verurteilen, nimmt man es im Geiste in den Arm, durchlebt mit ihm gemeinsam die Situation noch einmal und hilft ihm dabei sie so zu lösen, dass es mit einem guten Gefühl daraus hervorgeht. Dieses kann beispielsweise in Form von Tagträumen, inneren Bildern oder Visionen geschehen. Wurde die Situation dabei wirklich aufgelöst, fühlen sich danach beide inneren Charaktere, also das Kind und die aktuelle Persönlichkeit, freier und man kann offener und angstfreier mit ähnlichen Situationen umgehen.

Die Arbeit mit den inneren Charakteren

Diese Auseinandersetzung mit all seinen inneren Charakteren ist für eine ganzheitliche Persönlichkeitsentwicklung unerlässlich. Eine weitere besonders wichtige Rolle spielt dabei der innere Älteste, denn dieser hat das eigene Leben bereits gelebt und kann einem Hinweise und Zuversicht für den eigenen Lebensweg gehen. Allein dem inneren Ältesten zu begegnen, reicht meist schon aus um sehr viel Kraft zu gewinnen, denn er zeigt, dass es einen Weg gibt und das dieser Weg auch gegangen werden kann.

Unser innerer Ältester weiß stets über alles Bescheid.

Unser innerer Ältester weiß stets über alles Bescheid.

Allein wenn man es schafft, stets in Verbindung mit den Gefühlen und Bedürfnissen aller seiner inneren Altersstufen zu stehen und diese zu bereinigen, kann man wieder in der absoluten Freude der Kindheit leben. Denn auf diese Weise sammelt sich kein Gefühlsballast an, der einen beschwert und herunterzieht, der einen festhält und blockiert.

Die bedingungslose Freude des Kindesalters

In unserer frühsten Kindheit, in der wir noch nicht durch ungelöste, schmerzhafte Situationen traumatisiert worden sind, befanden wir uns in einem Zustand der wahrer Lebendigkeit und der bedingungslosen Liebe. Als Kinder waren wir Wahrheitssprecher, die eine direkte Verbindung, zu ihren Gefühlen hatten und diese auch ausdrücken konnten. Ohne innere Blockaden und von außen angenommene Gedankenmuster waren wir frei um nur das zu tun, was unser Herz höher schlagen ließ, wurden durch Abenteuerlust und Lernbegeisterung nach draußen in die Natur getrieben und konnten unsere innere Stimme laut und deutlich hören. Als Erwachsene haben wir oft verlernt, das Leben als Abenteuer zu betrachten und sehen oft nur unsere Verpflichtungen anstatt der Dinge, die uns wahre Freude bereiten. In diesem Zustand haben wir nahezu aufgehört zu leben. Wir sind nun funktionierende Roboter, die stur einem Impuls folgen und das Leben selbst dabei nahezu ausblenden. Unser Fokus ist rein auf das „ich muss“, „ich bin verpflichtet dazu“ ausgerichtet, so dass wir alles schöne und lebenswerte, aber auch alles Unangenehme, das uns als Wegweiser und Warnhinweis dafür dienen könnte, dass wir uns auf einem Irrweg befinden, einfach ausblenden.

Wenn wir die Traumata unsres inneren Kindes lösen, bekommen wir die Unbeschwertheit underer Kindertage zurück.

Wenn wir die Traumata unsres inneren Kindes lösen, bekommen wir die Unbeschwertheit underer Kindertage zurück.

Frage dich also selbst:

Wie viel Prozent von dem was ich tue, tue ich wirklich, weil es mit reine Freude macht, weil ich es liebe, darin aufgehe und vollkommen darin versinken könnte, und wie viel Prozent tue ich, weil ich mich dazu verpflichtet fühle?

Wie oft habe ich das Gefühl, vollkommen Frei und unbeschwert zu sein?

Wie oft habe ich das Gefühl, auf all meine Ressourcen zurückgreifen, all meine Talente und Stärken vollkommen ausleben und meine ganze Kraft nutzen zu können?

Gibt es Momente, in denen ich mich blockiert, unfrei, eingeschränkt oder verängstigt fühle?

Wenn du dir diese Fragen ehrlich beantwortest, wirst du schnell merken, warum die Verbindung mit dem inneren Kind und das Erreichen des unbeschwerten Kindheitszustandes für unser Leben so unendlich wichtig ist.

 

Übung: Inner-Child-Meeting

Die emotionalen Gefängnisse unserer Kindheit halten uns bis heute gefangen.

Die emotionalen Gefängnisse unserer Kindheit halten uns bis heute gefangen.

Mit dieser Übung kannst du dich Schritt für Schritt mit deinem inneren Kind aussöhnen und so seine Ängste, Blockaden und Traumata abbauen. Dadurch gewinnst du mit der Zeit immer mehr an Stärke, bekommst deine kindliche Leichtigkeit und Freude zurück, baust Blockaden und Hemmungen ab und wirst immer mehr zu dem, der du wirklich bist. Wiederhole die Übung daher regelmäßig, bis du das Gefühl hast, eine freundschaftliche und vertrauensvolle Basis mit deinem inneren Kind aufgebaut zu haben.

Suche dir im Geiste eine Situation, in der du ungewöhnlich starke Gefühle hattest obwohl die Situation eigentlich harmlos war. Versetze dich wieder ganz in diese Situation zurück und frage dich:

  • Welche Gefühle hast du gespürt?
  • Wo und wann warst du in der Kindheit so verletzt, das du diese Gefühle durch Angst gespürt hast?
  • War das Ereignis, das dir eingefallen ist, das erste Ereignis, in dem diese Gefühle aufgetaucht sind? Oder gab es noch eine Situation davor, als du noch kleiner warst.
Nimm dein inneres Kind an die Hand und führe es durch schwierige Situationen.

Nimm dein inneres Kind an die Hand und führe es durch schwierige Situationen.

Kehre im Geiste immer zu der frühstmöglichen Position zurück, also zu dem Moment, an dem du die Ängste, die Wut oder was auch immer in dir aufkommt, zum ersten Mal auftauchte. Konzentriere dich dann ganz auf diese Situation und versetze dich noch einmal dorthin zurück. Dieses Mal jedoch nicht als Kind, sondern als Erwachsener, der die Situation zunächst einmal von außen betrachtet. Frage dich dann:

Was kann ich für mein inneres Kind tun, damit es diese Angst verliert und wir gemeinsam wieder die endlose Liebe und Lebensfreude der Kindheit spüren können. Was hätte es damals in der Situation gebraucht? Wie hättest du ihm helfen können? Was muss sich wandeln, damit es gestärkt und mit einem positiven Gefühl aus der Situation herausgehen kann?

Schließe einen Vertrag mit deinem inneren Kind, es von nun an zu beschützen.

Schließe einen Vertrag mit deinem inneren Kind, es von nun an zu beschützen.

Schließe nun einen inneren Pakt mit dem Kind in dir und ehre die bestehende Kindheitsangst. Was kannst du nun in diesem Moment tun, das du damals nicht tun konntest, so dass dein inneres Kind beschützt ist? Wie kannst du dafür sorgen, dass die Angst nicht mehr benötigt wird, da es nun in Sicherheit ist.

Beklopfe die Angst dann mit der Meridian-Energie-Technik bis das innere Kind sie vollständig verloren hat. Beginne dabei mit dem Klopfen auf das Brustbein, ähnlich wie es Gorillamännchen tun. Hier sitzt ein Zentrum, das für die Aussendung von Mut und Kraft zuständig ist und dass man durch Beklopfen aktivieren kann. Dadurch wird außerdem der Energiefluss in den Meridianen erhöht, wodurch sich die Ängste leichter aus dem muskulären Gedächtnis herauslösen lassen.

 

Freundschaft mit dem inneren Kind

Wer sich mit dem inneren Kind aussöhnt, wird sich selbst ein guter Freund.

Wer sich mit dem inneren Kind aussöhnt, wird sich selbst ein guter Freund.

Wenn es Erfolgreich war, hast du diese eine Kindheitsangst gelöst. Wichtig ist jedoch, dass du von nun an stets auf deine innere Kindheits-Herzens-Stimme achtest, um sicher zu gehen, dass du dir nicht immer wieder neue Traumata und Blockaden aufhalst. Entscheide dich in wichtigen Lebensfragen, oder noch besser generell in allen Fragen stets für den Weg, bei dem auch dein inneres Kind lächelt und sich auf das Abenteuer des Lebens freut!

Wenn ein Mensch keine Abenteuer mehr erlebt, hat er aufgehört zu leben. Er spürt nur noch die Verpflichtungen, die ihm das Erwachsensein vorgeben.

Unbeschwertheit und Leichtigkeit entstehen nur, wenn wir im Lebensfluss sind. Erinnere dich daran, wie unbeschwert die Momente in deiner Kindheit waren, in denen du wirklich Kind sein durftest.

Wahrlich Erfolgreich zu sein im Leben und das mit Leichtigkeit, ist nur möglich wenn man bei Entscheidungen auf sein inneres Kind hört.

 

Mehr erfahren...

Mehr über das Auflösen von Ängsten und Blockaden mit Hilfe der Meridian-Energie-Technik, sowie die direkten zusammenhänge zwischen den Ängsten unseres inneren Kindes und den Krankheiten, die wir als Erwachsene bekommen, findest du in unserem Buch „Krankheiten auf einen Blick erkennen

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Heiko Gärtner
Heiko Gärtner ist Wildnismentor, Extremjournalist, Survivalexperte, Weltreisender und einer der führenden Experten auf dem Gebiet der Antlitz- und Körperdiagnostik. Nachdem er einige Jahre als Agenturleiter und Verkaufstrainer bei einer großen Versicherungsagentur gearbeitet hat, gab er diesen Job auf, um seiner wahren Berufung zu folgen. Er wurde Nationalparkranger, Berg- und Höhlenretter, arbeitete in einer Greifenwarte und gründete schließlich seine eigene Survival- und Wildnisschule. Seit 2014 wandert er zu Fuß um die Welt und verfasste dabei mehrere Bücher.

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