Wanderanhänger bauen: Tipps für deinen eigenen Pilgerwagen

 

Eine der Hauptaufgaben, die wir uns während unserer Zeit Zuhause gestellt haben, war die komplette Runderneuerung unserer Wanderanhänger. Nachdem wir sie nun 5 Jahre lang rund 34.000 km um die Welt gezogen haben, gab es tatsächlich einiges zu tun. Alles in allem waren wir nun sogar in der Lage, unseren eigenen Pilgerwagen bzw. Wanderanhänger selber zu bauen. Dafür möchten wir uns zunächst einmal bei all unseren Helfern, Unterstützern und Sponsoren bedanken. Gleichzeitig möchten wir an dieser Stelle allen, die ebenfalls ihren eigenen Wanderanhänger bauen wollen, ein paar nützliche Tipps mit auf den Weg geben. Wenn ihr diese beachtet, könnt ihr zumindest schon einmal verhindern, dass ihr später von dem Ergebnis enttäuscht seid. Außerdem habt ihr dann ein Gefühl dafür, was mögliche Problemstellen sein könnten.

Einen Pilgerwagen zu bauen ist gar nicht so schwer.

Einen Pilgerwagen zu bauen ist gar nicht so schwer.

Leichtigkeit vs. Stabilität

Als wir unsere Pilgerwagen neu bekommen haben, waren sie zunächst einmal vor allem auf Leichtigkeit ausgelegt. Alles bestand entweder aus Aluminium oder aus Kunststoff und viele Teile waren so verbaut, dass man sie flexibel ein- und ausfahren konnte. Dies hatte den Vorteil, dass die Wagen selbst nur einen minimalen zusätzlichen Gewichtsaufwand bedeuteten. Außerdem ließen sie sich kompakt zusammenstauchen und so im Kofferraum oder in Gepäckfächern von Bussen verstauen.

Leichte Aluminiumdeichseln brechen leider sehr schnell.

Leichte Aluminiumdeichseln brechen leider sehr schnell.

Der Nachteil hingegen war, dass sie insgesamt nur wenig Stabilität aufwiesen. Bei unserem Gepäck von rund 60-70 kg pro Person führte dies dazu, dass wir bereits am 1. Tag mit verbogenen Deichseln zu kämpfen hatten. Nach nicht einmal drei Monaten kam dann die erste gebrochene Achse hinzu. Und weitere drei Wochen später zeigte der Aluminiumaufbau erste Risse an den verklebten Eckpunkten. All dies brachte uns dazu die Wanderanhänger nach und nach so umzurüsten, dass sie immer stabiler wurden. Die einfahrbaren Aluminiumdeichseln wurden durch fixe Edelstahldeichseln ersetzt, die fest mit der Bodenplatte verschweißt und verschraubt war. Auch die Achse wurde gegen eine nahezu unzerstörbare Edelstahlvariante getauscht und der Aluminiumaufbau wurde noch einmal komplett durch Schrauben stabilisiert.

Einen Deichselbruch unterwegs zu reparieren ist nicht einfach.

Einen Deichselbruch unterwegs zu reparieren ist nicht einfach.

Im Nachhinein können wir nur die zweite, also stabile Variante empfehlen, da man sich mit dieser eine Menge Ärger sparen kann.

Ersatzteile und Reparaturservice außer Reichweite

Der zweite wichtige Tipp, den wir für euch haben ist der, dass ihr euch bei einer Reise mit dem Pilgerwagen später nie darauf verlassen solltet, dass ihr nötige Ersatzteile oder Reparaturdienste findet, wenn ihr sie braucht. Selbst innerhalb von Deutschland sind Baumärkte und Fahrradläden oft so ungleichmäßig verteilt, dass man als Fußgänger mit einem kaputten Wagen kaum eine Chance hat, einen im Notfall zu erreichen. Je weiter man sich von Mitteleuropa entfernt, desto schwieriger wird es.

Je stabiler ihr euren Wanderanhänger baut, desto besser.

Je stabiler ihr euren Wanderanhänger baut, desto besser.

Das bedeutet, dass ihr auf zwei Dinge von Anfang an Wert legen solltet. 1. Achtet darauf, dass ihr euren Wagen wirklich stabil baut, sodass ihr später so wenig reparieren oder ersetzen müsst wie möglich. 2. Besorgt euch gleich beim Bau eures Wagens von allen empfindlichen Bauteilen einen Ersatz, den ihr mitnehmen oder zumindest Zuhause parat legen könnt. Je nachdem ob es sich um ein Teil handelt, ohne dass ihr nicht weiter wandern könnt oder um eines, das auch eine gewisse Weise fehlen darf.

Pilgerwagen Reparatur

Pilgerwagen Reparatur

Achtet außerdem darauf, dass ihr den Wagen stets so einfach wie möglich aufbaut und auf so viel Schnickschnack wie möglich verzichtet. Alles, was ihr zusätzlich einbaut, kann auch zusätzlich kaputtgehen.

Mit der richtigen Planung ist ein selbstgebauter Pilgerwagen eine echte Erleichterung.

Mit der richtigen Planung ist ein selbstgebauter Pilgerwagen eine echte Erleichterung.

Fertige Pilgerwagen kaufen oder Basismodelle ausbauen

Wenn ihr mit dem Bau eures Wanderanhängers nicht bei null anfangen, sondern lieber auf ein bereits vorhandenes Grundgerüst aufbauen wollt, gibt es verschiedene Anbieter, die ihr kontaktieren könnt. Einer davon ist beispielsweise die Firma „Hinterher“ aus München. Sie bietet sowohl Fahrradanhänger als auch Wanderanhänger an, die man entweder gleich so verwenden oder auch noch aufrüsten kann.

Weitere hilfreiche Angebote findet ihr unter anderem bei eBay.

Als besonders Hilfreich für den Bau eines Pilgerwagens haben sich auch Bauteile von verschiedenen anderen Wagensystemen herausgestellt, die man hier etwas zweckentfremden kann. Die Firma Weber beispielsweise stellt in erster Linie Kinderwagen her, verwendet dafür aber viele Elemente, die sich auch für einen Pilgeranhänger bestens eignen. Wir nutzen für unsere Wagen unter anderem Knickelemente, mit denen man sich verstellbare Handgriffe bauen kann.

Es gibt auch fertige Wanderanhänger zum Kaufen.

Es gibt auch fertige Wanderanhänger zum Kaufen.

Unplattbare Reifen

Hin und wieder einmal einen Platten zu haben ist nicht tragisch und lässt sich auch kaum vermeiden. Es kann jedoch, wenn es häufiger vorkommt, äußerst nervig und zeitraubend sein. In Portugal hatten wir einmal eine Phase, in der wir bis zu 20 Platten am Tag hatten. Natürlich waren die Bedingungen dort extrem und es kamen mehrere Dinge zusammen. Zum einen hatten wir recht dünne, schlecht verarbeitete Mäntel, die wir uns auf dem Weg in einheimischen Fahrradläden besorgt hatten. Zum zweiten war es so heiß, dass das Gummi dieser Mäntel auch noch besonders weich und damit durchlässig und angreifbar war. Und zum dritten befanden wir uns in einer Steppengegend in der jede Pflanze lange, spitze Dornen besaß.

Löcher im Reifen können ärgerlich sein.

Löcher im Reifen können ärgerlich sein.

Diese Gegend hat uns gezeigt, dass es besser ist, auch hier auf Qualität zu achten, weshalb wir unsere Reifen schnellstmöglich gegen sogenannte Unplattbar-Reifen ausgetauscht haben. Diese möchten wir seither nicht mehr missen! Der Vorteil ist, dass sie nicht nur über ein besonders festes und Stich sicheres Gewebe verfügen, sondern an der Laufseite auch noch über einen Zentimeter dick sind. Selbst wenn also kleinere Dornen, Splitter oder Spitzen in den Mantel stechen, dringen diese in der Regel nicht soweit vor, dass sie den Luftschlauch zerstören. Vollkommen unplattbar wird der Reifen dadurch natürlich nicht, aber man kann die Plattenhäufigkeit um ca. 90 % verringern. Und das ist schon sehr viel wert.

Unplattbare Reifen von Schwalbe: Marathon Plus

Unplattbare Reifen von Schwalbe: Marathon Plus

Auch für die Unplattbarreifen gibt es mehrere Hersteller und Marken. Wir haben bislang aber nur die Marathon Plus von Schwalbe getestet, mit denen wir noch immer sehr zufrieden sind.

Hier findet ihr die passenden Reifen und die dazugehörigen Schläuche für einen Pilgerwagen bei Amazon: Hier findet ihr zudem nützliches Werkzeug zum Flicken und Wechseln der Reifen:
Die Marathon Plus sind sogar bissfest.

Die Marathon Plus sind sogar bissfest.

Leistungsstarke und zuverlässige Bremssysteme

Viele fertige Pilgerwagenmodelle werden leider ohne oder nur mit sehr schwachen Bremssystemen ausgestattet. Dies ist auch in Ordnung, wenn man mit sehr leichtem Gepäck unterwegs ist. Wer jedoch wie wir etwas mehr Material dabei haben will, um wirklich autark leben zu können, der sollte darauf achten, dass sein Wanderanhänger über ein zuverlässiges und leistungsstarkes Bremssystem verfügt. In unserem Fall wiegt jeder Wagen in etwa 70 kg und entwickelt daher eine sehr beachtliche Kraft, wenn man steile Berghänge hinuntergeht.

Unsere neuen Magura Öldruckbremsen sind leicht zu bedienen.

Unsere neuen Magura Öldruckbremsen sind leicht zu bedienen.

Plastikbremsen

Unser erstes Bremssystem bestand aus einem einfachen Seil und zwei Kunststoffbremsen, die mit kleinen Grafit-Plättchen ausgestattet waren. In der Regel reichte ein einziger kräftiger Zug am Bremsseil und die Plättchen flogen im hohen Bogen aus der Verankerung.

Unser ursprüngliches Bremssystem war sehr empfindlich.

Unser ursprüngliches Bremssystem war sehr empfindlich.

Einfache Scheibenbremsen

Dann wechselten wir zu einfachen Scheibenbremsen, die bereits deutlich besser funktionierten, aber noch immer recht schwerfällig und vor allem anfällig waren. Vor ein paar Tagen haben wir nun Bremsen eingebaut, die eigentlich für Downhill-Räder gedacht sind.

Hier findet ihr unsere ersten, günstigen Bremsen bei Amazon:
Wir bekommen zum ersten Mal eine neue Bremse.

Wir bekommen zum ersten Mal eine neue Bremse.

Öldruckbremsen

Es handelt sich dabei um die MT8 Raceline Scheibenbremsen von Magura. Sie sind nicht nur neongelb, sondern funktionieren mit Öldruck und übertragen daher die Bremskraft um ein vielfaches stärker, als all unsere bisherigen Bremsen. Zunächst hielten wir diese Variante fast schon ein bisschen für überdosiert, doch nach einem kurzen Test waren wir so begeistert, dass wir nie wieder mit etwas anderem Bremsen wollen.

Unsere Magura Bremse nach dem ersten Einsatz.

Unsere Magura Bremse nach dem ersten Einsatz.

Ein leichter Tipp mit dem kleinen Finger auf den Bremshebel reicht aus und die Wagen stehen bombensicher. Dies ist vor allem an steilen Abhängen praktisch. Zum einen, weil man sich beim Aufstieg nun immer wieder ausruhen kann und weil man durch den Wechsel zwischen Bremsen und Lösen nun sogar extreme Böschungen hinauf kommt, die zuvor undenkbar gewesen wären. Zum anderen aber auch, weil man beim Abstieg nun seine Knie vollkommen entlasten kann, sodass es nun leichter und angenehmer ist, mit dieser Kombination einen Berg hinabzusteigen, als wenn man überhaupt kein Gepäck bei sich hat.

Hier findet ihr die Magura MT8 Raceline Scheibenbremse auf eBay.
Magura Bremse in stylischem Neon-Gelb.

Magura Bremse in stylischem Neon-Gelb.

Stabile Deichseln und griffige Handstücke

Zu den wichtigsten Neuerungen, die wir insgesamt an unserem Wagen eingebaut haben zählen die stabilen Deichseln aus rostfreiem Edelstahl. Durch sie hat man nun auch auf holprigem, unwegsamen Gelände die volle Kontrolle über den Wagen. Selbst wenn er schon mit einem Rad hoch in der Lust steht und zu kippen droht, kann man ihn noch immer sicher zurück ins Gleichgewicht und auf den Boden drücken. Unsere Aluminiumdeichseln sind an dieser Stelle lediglich verbogen oder zerbrochen und der Wagen kippte trotzdem.

Dank der neuen Deichseln halten die Pilgerwagen nun einiges aus.

Dank der neuen Deichseln halten die Pilgerwagen nun einiges aus.

Gerade beim Treppensteigen oder auf steilen Berghängen sind zudem rutschfeste Handgriffe besonders wichtig. Zum einen müssen sie einen guten Grip haben, zum anderen dürfen sie aber auch keine Druckstellen verursachen, wenn man sie über lange Zeit fest in der Hand hält. Nach vielem Ausprobieren haben wir unser Optimum in Form der GE1 MTB Enduro-Griffe von Ergon gefunden. Abgesehen davon, dass sie durch ihre fröhlichen, strahlenden Farben dem Wagen noch einmal eine optische Aufwertung bieten, liegen sie gut in der Hand, sind griffig, stabil und langlebig und dazu noch schonend für die Hände. Was will man also mehr?

Hier findet ihr unsere Lieblingshandgriffe bei Amazon:
Mit den Handgriffen von Ergon haben wir nun einen guten Grip.

Mit den Handgriffen von Ergon haben wir nun einen guten Grip.

Passende Packsäcke

Der Wagen selbst ist natürlich nur ein Teil der Gesamtkonstruktion, die passen muss. Genauso wichtig sind die Taschen und Packsäcke, die letztlich das Material beinhalten. Sie müssen robust, langlebig und stabil, aber auch wasserdicht und stoßfest sein, um die Weltreiseausrüstung optimal zu schützen. Wir haben uns daher für Packsäcke von Ortlieb entschieden, die aus einer festen LKW-Plane bestehen und die sich perfekt in unsere Wagen einbetten.

Hier die Packsäcke, die wir für unsere Pilgerwagen verwenden bei eBay:
Jeder Pilgerwagen braucht passende Taschen um gut beladen werden zu können.

Jeder Pilgerwagen braucht passende Taschen um gut beladen werden zu können.

Pilgerwagen bauen mit Transportbox

Andere Varianten, die wir inzwischen kennengelernt haben und die ebenfalls gut funktionierten, nutzten anstelle der Packsäcke eine Aluminiumkiste, die ebenfalls komplett wasserdicht abschließt. Diese hat vor allem in Gebieten mit einer hohen Diebstahlgefahr den Vorteil, dass man sie abschließen und damit besser sichern kann. Mit den Kunststoffsäcken von Ortlieb sind wir jedoch in den vergangenen fünf Jahren auch immer sehr gut gefahren. Ihr einziger Schwachpunkt ist der Reißverschluss, der nach einigen Monaten der Dauerbenutzung etwas nachgibt, sodass man vorsichtig beim Öffnen und Schließen sein muss. Andernfalls kann es vorkommen, dass die Zähne irgendwann nicht mehr richtig ineinander greifen, sodass sich der Beutel nicht mehr richtig verschließt. Wenn dass der Fall ist, muss er dringend ausgewechselt werden.

Hier findet ihr Aluminium-Transportboxen für den Pilgerwagenbau bei eBay.
Dies ist vielleicht nicht ganz die richtige Box für einen Wanderanhänger.

Dies ist vielleicht nicht ganz die richtige Box für einen Wanderanhänger.

Pilgerwagen bauen mit wasserdichten Packsäcken

Da Ortlieb nur ein recht begrenztes Spektrum an verschiedenen Packsäcken-Maßen anbietet, haben wir unser Sortiment noch durch wasserdichte Taschen von hpa und Overboard und ergänzt. Auch diese leisten optimal was sie leisten sollen und vor allem hpa ist zudem sehr langlebig und robust. Overboard hingegen bietet sehr praktische, handliche Größen an, die wir gerne für die Kleidung oder unser Zelt verwenden. Leider ist die Lebensdauer hier etwas kürzer als bei den anderen Herstellern.

Ein wasserdichter Rucksack von hpa.

Ein wasserdichter Rucksack von hpa.

Wichtig ist aber für eure Gepäckplanung, dass ihr alles was wasserempfindlich ist doppelt in wasserdichte Packsäcken verstaut. Wir haben dafür einmal den großen Ortlieb Duffle-Bag als Außenhülle und darinnen die Kleidung, die Computer, die Ersatzteile und vieles andere noch einmal in kleinen Säcken verstaut. So kann selbst dann nichts passieren, wenn einmal Wasser von außen eindringt.

Eine Wasserdichte Reisetasche von Overboard

Eine wasserdichte Reisetasche von Overboard

Optimales Zubehör macht das Leben leichter

Neben dem Wagen selbst braucht ihr für eure Wanderung mit dem Wanderanhänger natürlich auch das passende Zusatzmaterial um jederzeit Reparaturen durchführen zu können und um das Leben insgesamt angenehm und leicht zu gestalten. Hier daher eine kurze Liste an Reisezubehör, die das wir beim Wandern mit dem Pilgerwagen auf keinen Fall missen möchten:

Ein Multitool für alle Fälle

Egal was es zu arbeiten, reparieren oder bauen gilt, mit einem Multitool kommt man immer ein gutes Stück weiter. Wir nutzen unseres so ziemlich für alles, angefangen beim Orangen schälen und Brot schmieren über das Entlüften von Heizungen, das Entfernen lästiger Hornhaut von den Füßen und das Öffnen von Konservendosen bis hin zum kompletten Auseinandernehmen und wieder Zusammenbauen unserer Pilgerwagen.

Wir haben das folgende Multitool von Victorinox bei uns, das uns nun schon seit Jahren täglich gute Dienste leistet:
Ein Multitool wie dieses Victorinox darf auf keiner Reise fehlen.

Ein Multitool wie dieses Victorinox darf auf keiner Reise fehlen.

Kompakte Luftpumpe, Flickzeug und Lochschnüffler

Selbst mit Unplattbar-Reifen kann man einen Platten nicht vollkommen ausschließen. Außerdem haben wir neben der Reifen ja auch noch unsere Luftmatratzen dabei, die mit Löchern einfach nicht mehr so richtig funktionieren wollen. Daher ist es wichtig, auch hier stets auf alles vorbereitet zu sein. Wir haben die Topeak Mountain TT Twin Turbo dabei und sind mit dieser sehr zufrieden.

Flickzeug solltet ihr natürlich eh immer dabei haben. Außerdem hat uns aber noch ein weiteres kleines Gadget in den letzten fünf Jahren super Dienste geleistet: unser Lochschnüffler. Dies ist ein Kunststoffdöschen mit ultraleichten Styroporkügelchen darin. Fährt man damit über den kaputten Schlauch oder die kaputte Luftmatratze fliegen die Kügelchen hoch, wenn man über das Loch kommt. Dies ist vor allem dann extrem hilfreich, wenn man die Platten unterwegs flicken muss und es keine Möglichkeit gibt, sie unter Wasser zu halten, um das Loch zu finden.

Eine kompakte Luftpumpe

Eine kompakte Luftpumpe

Flaschenhalter mit Trinkflasche

Ein weiteres Gadget, dass wir nie wieder missen möchten, ist unser Flaschenhalter mit der passenden Trinkflasche direkt an der Vorderseite unserer Wagen. Ein einfacher Griff nach hinten und schon hat man die Flasche in der Hand. Besonders in heißen Regionen ist dies von unschätzbarem Wert.

Praktische Isolierflaschen von FLSK

Praktische Isolierflaschen von FLSK

Als Trinkflaschen hatten wir zunächst Kunststoffflaschen, die wir aber nicht empfehlen können, da sie zum einen dem Wasser einen ekelhaften Geschmack geben und es zum anderen mit giftigen Weichmachern verseuchen. Deutlich angenehmer sind hier Edelstahlflaschen wie beispielsweise von FLSK, die sogar noch eine Thermofunktion haben und das Wasser daher im Sommer schön kühl halten und im Winter vor dem Einfrieren schützen.

Bei diesem Wetter ist es gut, dass die Trinkflasche isoliert ist. Bei diesem Wetter ist es gut, dass die Trinkflasche isoliert ist.[/caption]

Bärenspray

Ein Ausrüstungsgegenstand, den wir bislang noch nicht brauchten, den wir aber trotzdem nicht missen möchten ist unser Bärenabwehrspray. Dass wir es einmal wirklich gegen einen Bären einsetzen müssen glauben wir eher nicht, aber es ist auch ein beeindruckend schlagendes Argument gegen Menschen die einem nicht wohlgesonnen sind. Und dies kann auf einer Weltreise öfter der Fall sein, als man glaubt.

Sitzkissen und Hausschuhe

Am Anfang der Reise hielt ich es für vollkommen überflüssig, doch schon nach kurzer Zeit entpuppte es sich als unverzichtbar. Immer wenn ihr zwischendurch einmal eine Pause mit einem Picknick machen wollt, braucht ihr etwas, auf das ihr euch setzen könnt, ohne eure Kleidung zu zerstören. Bedenkt, dass ihr nur wenig Material dabei habt. Einfach auf den Hosenboden zu setzen und sich am nächsten Tag eine Neue anzuziehen ist also nicht drin. Da ist so ein kleines Stückchen Schaumstoff als Unterlage Gold wert.

Hin und wieder muss man seine alte Sitzmatte gegen eine neue tauschen.

Hin und wieder muss man seine alte Sitzmatte gegen eine neue tauschen.

Das Gleiche ist es mit den Hausschlappen. Ihr werdet ständig in neue Räume kommen oder auch im Freien übernachten und dann nicht jedes Mal die Schuhe anziehen müssen, wenn ihr kurz aufs Klo wollt. Auch könnt ihr nach einer langen Wanderung unmöglich mit euren Schlammschuhen in das Haus eurer Gastgeber treten. Daher sind Hausschlappen ebenfalls unerlässlich.

Auch bei Hausschuhen gibt es bequemere und unbequemere Varianten.

Auch bei Hausschuhen gibt es bequemere und unbequemere Varianten.

Weitere Informationen zum Pilgerwagenbau

Wenn ihr noch mehr Informationen über den Bau oder die Reparatur eines eigenen Wanderanhängers wissen wollt, könnt ihr einmal durch die folgenden Quellen stöbern:

https://rucksacktrailer.wordpress.com/ https://www.hinterher.com/DIY/eigenbau-haenger.php Hier sind noch zwei Jungs, die ganz besondere und ungewöhnliche Erfahrungen mit einem wirklich großen Wanderanhänger gemacht haben: https://www.thelongestholefilm.com/
Spruch des Tages: Je besser die Planung, desto größer die Freude mit dem fertigen Pilgerwagen!

Höhenmeter: 130 m / 20 m / 90 m / 60 m / 80 m Tagesetappe: 16 km / 5 km / 19 km / 11 km / 17 km Gesamtstrecke: 34.053,27 km Wetter: Mal sonnig, mal bewölkt, am Anfang und am Ende heftiger Schneefall 1836. Tag - Etappenziel: Zimmer von Shania, Regenstauf 1837. Tag - Etappenziel:  Zimmer von Shania, Regenstauf 1838. Tag - Etappenziel: Priesterseminar, Regensburg 1839. Tag - Etappenziel: Gemeindehaus der Kirche, Donaustauf 1840. Tag - Etappenziel: Gasthof Geier, Wörth an der Donau

Tag 1584 bis 1587: Hümmlinger Pilgerweg

 13.01.2018

Für einen Tag waren wir nun also wieder Pilger, wenngleich auch keine Jakobspilger wie üblich, sondern Hümmlinger Pilger. Wie Christian es uns angekündigt hatte führte der Weg wirklich durch ein sehr schönes Wald- und Heide-Gebiet. Die Wege waren zum größten Teil sandig oder erdig, aber bis auf einige Passagen, die von Harvestern zerstört worden waren, gut passierbar. Es ist schon wirklich traurig, dass Initiativen wie diese, so wenig geachtet werden. Der Heimatverein stellte hier mühevoll und mit ganzem Herzblut etwas auf die Beine und erschuf aus dem Nichts heraus eine funktionierende und bemerkenswerte Pilgerkultur und dann kommen ein par Land- und Forstwirte, wühlen die Wege auf, schmeißen die Markierungssteine um und machen ganze Abschnitte unpassierbar ohne auch nur ein schlechtes Gewissen zu haben.

Schwarze Schäne auf einem See entlang des Pilgerweges

Schwarze Schäne auf einem See entlang des Pilgerweges

Aber wie gesagt, die Zerstörung bezog sich auf wenige Abschnitte und der Rest war gut gelegt und absolut empfehlenswert. Nach einer längeren Passage durch den Wald öffnet sich das Land plötzlich vor einem und man kommt durch ein idyllisches Heide-Tal. Kurz zuvor passiert man den Windberg, die größte Erhebung im Umkreis, die es auf stattliche 73m bringt. Zum Vergleich: Der Rest liegt hier auf etwa 40-50m. Dennoch reichte der Höhenunterschied früher aus, um von hier aus bis an die Ostfriesische Küste blicken zu können. Nach dem 30 Jährigen Krieg hatte man hier sämtliche Wälder gerodet, um dadurch raubenden und herumtreibenden Clans von Zigeunern und verarmten Ex-Soldaten die Versteckmöglichkeiten zu nehmen. Das gesamte Land zwischen hier und der Küste war daher Weideland für Schafe und so gab es nichts, das den Blick hätte stoppen können.

Zwei Wildnismentoren unterwegs auf dem Pilgerweg

Zwei Wildnismentoren unterwegs auf dem Pilgerweg

Nach rund 12km erreichten wir das Vereinshaus des Heimatvereins von Börger, wo wir bereits erwartet wurden. Die Initiativträger des Vereins waren nicht mehr als eine Handvoll Rentner und es war fast unglaublich, was sie hier alles auf die Beine stellten. Angefangen vom Pilgerweg selbst, über Bildungsräume für Schulklassen, Museen und Parkanlagen, bis hin zu einem Flüchtlingscamp für afghanische Flüchtlinge bekamen wir von unserem Gastgeber alles gezeigt. Anschließend fuhren wir zu ihm nach hause, wo seine Frau bereits typisch heimische Buchweizen-Pfannkuchen für uns gebacken hatte. Den Nachmittag verbringen wir nun im Heimatvereinshaus, bevor es dann weiter in eine kleine Pension geht, die unser Nachtquartier werden wird.

Spruch des Tages: Nicht alle Wege führen nach Rom, einige bleiben auch einfach in Norddeutschland.

 

Höhenmeter 130m / 210m / 220m / 210m

Tagesetappe: 24km / 35km / 21km / 26km

Gesamtstrecke: 29.563,27km

Wetter: Überwiegend sonnig, Schneeschmelze bricht herein, viele Wege noch unpassierbar aufgrund der Schneemassen

Etappenziel Tag 1584: Privathaus, Ler, Norwegen

Etappenziel Tag 1585: Birgittinerinnen Kloster, Trontheim / Tiller, Norwegen

Etappenziel Tag 1586: Gemeindehaus der Kirche, Ranheim, Norwegen

Etappenziel Tag 1587: Gemeindehaus der Kirche, Stjördal, Norwegen

Tag 1364: Pilgerreise nach Mount Saint Michelle

Der Pilgerweg nach Mount Saint Michelle

Als wir in der Früh aufbrachen, lag noch ein leichter Nebel in der Luft, der jedoch schon bald von den ersten Sonnenstrahlen aufgelöst wurde. Für einen Moment sah es aus, als würde es ein freundlicher und sonniger Tag werden, doch dann entschloss sich Mount Saint Michelle offenbar, uns doch lieber mit Wolken und kaltem Wind zu empfangen

Ein kleiner uriger Weg führt die letzten Kilometer bis zum Mount Saint Michelle

Ein kleiner uriger Weg führt die letzten Kilometer bis zum Mount Saint Michelle

Von unserem Campingplatz aus waren es noch gut 10km, bis man den Berg des heiligen Michael das erste Mal in der Ferne über dem Meer ausmachen konnte. Etwa zu diesem Zeitpunkt trafen wir auch Jonas wieder, der heute Morgen einige Zeit nach uns mit seinem Fahrrad aufgebrochen war. Er beschloss sein Rad zu schieben und uns für den weiteren Weg zu begleiten. Zunächst wanderten wir am Strand entlang und nutzen dabei die Trampelpfade, die über die saftig grünen Überschwemmungswiesen führten. Immer wieder gab die Küste dabei den Blick auf die magische Insel frei und man verstand sofort, warum die Menschen hier so begeistert und stolz waren, sie ihr eigen nennen zu dürfen. Es war nur ein winziger Berg verglichen mit der weiten Küste und dem gigantischen Ozean, aber er veränderte das Bild vollkommen und verlieh der gesamten Region eine sonderbar mystische und anmutige Stimmung. Man spürte sofort, dass von dieser Insel eine besondere Kraft ausging.

Bis zu dieser Brücke kann man auf den alten Schienen wandern.

Bis zu dieser Brücke kann man auf den alten Schienen wandern.

Bevor wir uns jedoch wirklich aufmachen konnten, um die Insel zu erobern, brauchten sowohl Jonas als auch wir zunächst eine Basis. Jonas fand seine in Form eines Campingplatzes, etwa 3km von der Ortschaft entfernt, in der wir eine Verabredung mit der Sekretärin des Bürgermeisters hatten. Diese tauchte kurz nach unserem Anruf auf und zeigte uns einen kleinen, schlichten Raum direkt neben der Hauptstraße. Unter anderen Umständen wären wir unsicher gewesen, ob wir ihn wirklich genommen hätten, da man im Inneren jedes noch so kleine Motorengeräusch hören konnte, als fuhren die Autos mitten durch den Raum. Aber wir hatten ja heute ohnehin nicht vor, uns hier lange aufzuhalten und wenn wir zurückkamen war es bereits so spät, dass kaum noch ein Auto fahren sollte.

Panorama der Küste vor Mount Saint Michell

Panorama der Küste vor Mount Saint Michell

Das Touristenzentrum auf dem Festland

Früher einmal war Mount Saint Michelle nur über einen schmalen Pfad zu erreichen, der nur bei Ebbe begehbar war. Heute hingegen wird die Insel über eine solide Straße mit dem Festland verbunden, über die sogar ganze Touristenbusse fahren, um gehunfreudige direkt bis an das Eingangstor zu bringen. Am Fuße dieser Verbindung auf Seiten des Festlandes befindet sich heute ein Touristen- und Informationszentrum, das die eigentliche Insel an Größe wahrscheinlich bei weitem Übertrifft. Neben Informationsschaltern und Souvenirläden findet man hier vor allem Restaurants und Übernachtungsmöglichkeiten vom Zeltplatz bis zum Hotelzimmer. Man kann also nicht behaupten, dass hier versäumt wurde, die alte Klosterinsel touristisch zu erschließen. Wie erschlossen sie in dieser Hinsicht wirklich war, stellten wir jedoch erst deutlich später fest.

Auf dem Küstenweg erkennt man bereits am Horizent den Klosterberg von Mount Saint Michelle

Auf dem Küstenweg erkennt man bereits am Horizent den Klosterberg von Mount Saint Michelle

Vom Touristenzentrum aus floss ein permanenter Strom von Besuchern über die Hochstraße auf die Insel zu. Menschen allen alters und aller Nationen waren hier vertreten und obwohl es kalt, ungemütlich und außerhalb der Saison war, konnte man sich kaum vorstellen, wie das kleine Stückchen Fels am Ende der Straße, all diese Menschen aufnehmen sollte.

Silhouette von Mount Saint Michelle im Nebel

Silhouette von Mount Saint Michelle im Nebel

Mount Saint Michelle von außen

Was wir auf jeden Fall jedem Mount-Saint-Michelle-Besucher empfehlen können ist, die Insel während der Ebbezeit aufzusuchen. Denn zu diesem Zeitpunkt liegt sie mitten im Wattenmeer, was einem die Gelegenheit verschafft, sie einmal zu Fuß zu umrunden. Im Nachhinein haben wir festgestellt, dass diese Rundwanderung, bei der man den emporragenden Felsen einmal von jeder Seite aus betrachten konnte, das Schönste und Beeindruckendste an diesem Tag war. Natürlich ist Mount Saint Michelle auch von innen heraus sehenswert, doch von dieser Perspektive ist es vor allem eine nette kleine Mittelalterstadt mit steilen, engen Gassen, wie man sie in ähnlicher Form überall in Europa findet. Wirklich einzigartig ist sie hingegen von außen und hier hatten wir das Gefühl, uns daran überhaupt nicht sattsehen zu können. Mit jedem einzelnen Schritt veränderte sich die Perspektive und jedes Mal war es, als würde man einer völlig neuen Insel gegenüber stehen.

Das Innere der Klosterinsel von Mount Saint Michelle

Die Insel selbst bestand aus einer Wehrmauer, die unten um den Felsen herumführte und früher einmal Eindringlinge abgehalten hat. Heute stehen die Tore hingegen jedem offen und dies wird Jahr für Jahr von rund 3,5 Millionen Besuchern auch gerne genutzt. Damit liegt der kleine Inselberg auf Platz Neun der meistbesuchten Touristenziele Frankreichs.

Das Eingangstor von Mount Saint Michelle

Das Eingangstor von Mount Saint Michelle

Die Türme von Mount Saint Michelle

Die Türme von Mount Saint Michelle

Oberhalb der Mauern beginnt der Ort „Le Mount Saint Michelle“, in dem bis vor einigen Jahren tatsächlich auch noch immer normale Bürger gelebt haben. Heute gibt es hier jedoch nur noch Restaurants, Musen, Souvenirläden und Ferienwohnungen. Durch Zufall lernten wir auf der Suche nach einem kleinen Picknick etwas später am Tag zwei Brüder kennen, deren Familie Rekordhalter im Hausbesitzen auf Mount Saint Michelle war. Das Haus, in dem sie heute Ihr Schnellrestaurant betrieben, lag seit vielen Generationen im Familienbesitz und hatte bis vor kurzem auch noch immer als Wohnhaus gedient. Mit zunehmendem Touristenstrom war es irgendwann jedoch nicht mehr angenehm gewesen, hier zu leben und so waren sie aufs Festland gezogen und hatten ihr haus zu einem Restaurant ausgebaut. Was nebenbeigesagt natürlich auch viel profitabler war.

Die Festungsmauern von Mount Saint Michelle

Die Festungsmauern von Mount Saint Michelle

Die Geschichte von Mount Saint Michelle

Vielleicht erinnert ihr euch an unseren Bericht aus Italien, als wir über unseren Besuch in Monte Saint Angelo erzählt haben. Die beiden Heiligenstätten haben nicht zufällig einen so ähnlichen Namen, sie sind tatsächlich mit einander verwandt. Beide basieren auf einer Erscheinung des Erzengel Michael vor rund 1400 Jahren und beide liegen auf einer auffällig genauen Energielinie, die noch einige andere Erscheinungsorte des Erzengels miteinander verbinden. In Italien hatte man uns außerdem von einem Energiedreieck erzählt, dass auch Monte Saint Angelo, Mount Saint Michelle und einem weiteren dritten Erscheinungsort bestand, dessen Namen und Position wir bislang jedoch nicht in Erfahrung bringen konnten. Seit den Erscheinungen im 6. Jahrhundert hatte sich eine Art Michaels-Kult entwickelt, der bis heute existierte und der sich besonders mit dem Erzengel auseinander setzte. Was es genau mit ihm auf sich hat, kann ich leider noch immer nicht sagen, aber sicher ist, dass eine besondere Kraft von den Erscheinungsorten ausgeht. Das traf auf den Monte Saint Angelo in Italien zu und das trifft auch hier wieder auf den Mount Saint Michelle zu.

Mount Saint Michelle ist din Mystischdr Ort

Mount Saint Michelle ist din Mystischdr Ort

Das Kloster von Mount Saint Michelle

Ganz oben auf dem Gipfel des Inselberges liegt das Kloster, das seiner Zeit dem heiligen Michael geweiht wurde. Zu unserer Überraschung fanden wir dort jedoch anders als in Monte Saint Angelo keine freundlichen Mönche vor, sondern nur eine Reihe von mürrischen und äußerst Geschäftstüchtigen Kassierern, die strengstens darauf achteten, dass niemand das Kloster betrat, der nicht zuvor auch gezahlt hatte. Als ich versuchte, mit einer der Damen über das Thema Geld zu sprechen bekam ich nicht nur sämtliche Haare auf ihren Zähnen zu spüren, ich biss auch auf Granit, der härter war, als das Gestein des Felsens auf dem wir uns befanden. Sie erklärte mir den erstaunlichen und leicht verstörenden Umstand, dass das Kloster von Mount Saint Michelle schon seit langem nicht mehr zur Kirche gehörte, sondern sich viel mehr im Besitz einer privaten Organisation befand, die rein auf den Profit durch den Tourismus ausgelegt war. Es war ihr also vollkommen egal, ob ich Mönch war oder nicht und es interessierte sie auch nicht die Bohne, dass wir bereits mehr als 25.000 Kilometer hier her gewandert waren. Ohne Geld kam man nicht an ihr vorbei! Basta!

Das Klosrer von Mount Saint Michelle

Das Klosrer von Mount Saint Michelle

Einer ihrer weniger unterkühlten Kollegen steckte mir jedoch nach dem abrupten Ende der besagten Unterhaltung, dass es durchaus einen Weg gab, auch ohne Geld das Kloster zu besuchen. Man musste dafür jedoch bei den letzten noch verbliebenen Mönchen anfragen, die unten im Ort ein Pilgerhaus betreuten. Denn auch wenn das Kloster keine Funktion als Kloster mehr hatte, wurden in Mount Saint Michelle noch immer einige Mönche geduldet, damit der Anschein des Heiligenortes nicht verloren ging. Und diesen hatte man tatsächlich ein kleines Kontingent an Freikarten eingeräumt, dass sie vergeben durften, wenn sie selber ausreichend gute Arbeit leisteten.

Täglich strömen tausende von Touristen nach Mount Saint Michelle

Täglich strömen tausende von Touristen nach Mount Saint Michelle

Leicht frustriert über diese Entwicklung der Ereignisse trat ich zurück vor die Klostermauern, wo sich Heiko bereits wieder mit Jonas unterhielt. Gemeinsam statteten wir den Mönchen einen Besuch ab, der uns jedoch ebenfalls nicht weiter brachte. Denn von den vier verbliebenen Mönchen war lediglich der Superior in der Position, eine Freikarte auszustellen. Dieser war heute jedoch irgendwo auf dem Festland unterwegs und konnte daher nicht helfen. „Aber keine Sorge!“ vertröstete uns der kleine dicke Mann im Jogginganzug mit der Rocker-Frisur, der sich als Bruder Alfred vorstellte. „Der Superior sei sicher bald wieder da!“

Blick auf das Dorf von Mount Saint Michelle

Blick auf das Dorf von Mount Saint Michelle

In den folgenden Stunden schauten wir uns daher den Rest der Insel an und kehrten immer wieder zum Pilgerhaus zurück, um jedes Mal auf´s neue um etwa eine Viertelstunde vertröstet zu werden. Schließlich aber hatten wir Glück und die Tür wurde nicht von dem bekannten Gesicht geöffnet, sondern von einem leicht gereitzten älteren Herren mit kurzen grauen Haaren und brauner Jacke. Rein theoretisch war er nun durchaus bereit, uns eine Karte zur Verfügung zu stellen, doch wie sich zeigte war es nun bereits kurz nach 18:00 Uhr, was bedeutete, dass das Kloster vor wenigen Minuten für diesen Tag seine Pforten für Touristen verschlossen hatte.

Hoch über den Dächern von Mount Saint Michelle

Hoch über den Dächern von Mount Saint Michelle

Abgesehen von dieser etwas ärgerlichen aber auch irgendwie amüsanten Situation muss ich sagen, dass ich von einem Mönchsorden an so einem Ort durchaus etwas mehr erwartet hätte. Dass Mönche an Touristenorten meist nur noch Schauspieler und Statisten für die gewünschte Atmosphäre waren und ihren spirituellen Auftrag nicht mehr ernst nahmen, waren wir ja bereits gewohnt. Aber dass sie hier nicht einmal mehr ihren repräsentativen Auftrag ernst nahmen und nicht einmal versuchten, auch nur den Anschein zu erwecken, dass ihnen ihr Mönchsleben und auch die Zufriedenheit der Besucher irgendwie am Herz lagen, zeichnete schon ein etwas schwaches Bild. Wenigstens die Kleidung hätten sie ja ein bisschen repräsentativ wählen können. Auf der anderen Seite muss man natürlich auch sagen, dass es so durchaus ehrlicher war. Denn letztlich entsprach ihr Job hier auf der Insel ja auch zu 100% ihrem Auftreten.

Blick auf das Pilgerzentrum

Blick auf das Pilgerzentrum

Das historische Museum der Klosterinsel

Am wahrscheinlich erstaunlichsten bei der ganzen Geschichte war jedoch, dass uns zwar die Klostertore verschlossen blieben, die Museumstüren jedoch nicht. Obwohl der Betreiber des Museums sogar offiziell ein rein kommerzielles Unternehmen leitete, dass nur darauf aus war, mit dem Geld der Touristen Profit zu erwirtschaften, war dieser Geschäftsmann erstaunlich offen für unsere Anfrage. Anders als das Kloster musste er nicht so tun, als sei er ein Heiliger, sondern konnte einfach er selbst sein und daher auch Begeisterung zeigen, wenn ihn etwas ansprach. So bekamen nicht nur Heiko und ich eine Freikarte für das Museum, sondern auch Jonas, einfach, weil er bei uns war.

Im Museum sieht man den Lebensstil, der viele Jahrhunderte zuvor auf Mount Saint Michelle gelebt wurde

Im Museum sieht man den Lebensstil, der viele Jahrhunderte zuvor auf Mount Saint Michelle gelebt wurde

Das Museum selbst zeigte die Geschichte dieses Ortes und seiner Umgebung, wobei es sich nicht unmotiviert auch dem Thema der mittelalterlichen Folter widmete. So schön das Leben ohne Autos, Überbevölkerung und lärmender Technik auch gewesen sein mochte, es gab auch damals durchaus schon Mittel und Wege, mit denen man einem so richtig den Tag vermiesen konnte.

Damals hatten die Mönche noch echte Aufgaben

Damals hatten die Mönche noch echte Aufgaben

Heimreise und Fazit

Schließlich traten wir gemeinsam mit Jonas den Rückweg in unser Quartier an, wobei wir den Tag noch einmal Revue passieren ließen. Alles in allem konnte man sagen, dass Mount Saint Michelle auf jeden Fall einen Besuch wert war und dass man die Insel als Reisetipp ohne schlechtes Gewissen weiterempfehlen konnte. Schade war nur, wie sehr sich hier alles darauf konzentrierte, den Tourismus bis in den letzten Tropfen hin auszuquetschen. Klar, die Leute lebten davon und die Insel verdankte es dieser Politik, dass sie vom sonst in Frankreich üblichen Verfall religiöser Monumente verschont blieb. Ein klein wenige mehr Offenheit würde hier trotzdem nicht schaden und es würde der Insel sicher auch ein bisschen was von seiner ursprünglichen spirituellen Tiefe wiedergeben. Denn so magisch und mystisch Mount Saint Michelle von der Ferne aus auch anmutet, einmal im Ort fühlt es sich hier so wenig nach einem heiligen Kraftplatz an, wie an noch keinem Pilgerort, den wir bislang besucht haben. Die Stadt mitsamt des Klosters ist ein Museum. Ein durchaus sehenswertes Museum, aber eben auch nicht mehr als das. Wer also auf eine spirituelle Erfahrung hofft, ist definitiv in Fátima, Medjugorje oder Monte Saint Angelo besser aufgehoben.

Ein weiter Blick zurück auf Mount Saint Michelle

Ein weiter Blick zurück auf Mount Saint Michelle

Als wir unser Schlafgemach erreicht hatten, war es nun auch Zeit sich von Jonas zu verabschieden. Er machte sich nun wieder auf den Weg zu seinem Campingplatz um ab morgen der Französischen Küste weiter zu folgen, bis sein Urlaub vorbei war. Und wir? Wir hatten nun einen Teil der Reise vor uns, den man als eine Art Winterpause bezeichnen könnte. Klar würden wir auch weiterhin täglich unsere Strecke wandern, doch bis wir im Frühjahr nach Schweden übersetzen wollten hatten wir nun kein konkretes Ziel mehr. Die Aufgabe war nun: Verbringt so viel Zeit wie möglich damit, von hier bis nach Dänemark zu wandern. Und dies taten wir, indem wir zunächst einmal einen großen Schlenker in Richtung Süden einschlugen, um die letzten Sonnentage des Jahres zu erhaschen, bevor wir dann den längsten und härtesten Winter unserer Reise erleben sollten.

Spruch des Tages: Der zweite Besuch beim Michael!

Höhenmeter 95 m

Tagesetappe: 26 km

Gesamtstrecke: 25.672,27 km

Wetter: sonnig und warm

Etappenziel: Mönchskloster „Sacré Coeur“, Issodun, Frankreich