Roadtrip Schweden: 4000 km mit dem LKW durch Skandinavien

 

Wie ihr euch sicher schon denken könnt, gingen unsere Pläne zum Thema “Container Überführen nicht ganz so auf, wie es geplant war. Wobei das noch sehr optimistisch ausgedrückt ist, denn im Grunde lief nichts so, wie es hätte laufen sollen. Es war wie ein Fluch: wann immer etwas schiefgehen konnte, ging es auch schief. Doch das Ganze hatte auch seine guten Seiten, denn so wurde aus einer einfachen Containerüberführung ein abgefahrener Roadtrip durch Schweden, den ich zugleich noch mit einigen Tagen Urlaub bei Heiko verbinden konnte.

Ob der kleine Pechvogel hier schon ein Omen für die vielen Pleiten und Pannen mit unserem Roadtrip nach Schweden war?

Ob der kleine Pechvogel hier schon ein Omen für die vielen Pleiten und Pannen mit unserem Roadtrip nach Schweden war?

 

Der Fluch des Universums

Alles begann damit, dass Franz nach einer langen Telefon-Session aus seinem Arbeitszimmer gelaufen kam und voller Stolz und Freude verkündete: “Ich habs geschafft! Wir haben jetzt endlich einen Plan, mit dem wir unseren Wohncontainer nach Schweden bekommen, ohne dass wir dafür Bankrott anmelden müssen! Jetzt darf nur nichts schiefgehen!”

Es war, als hätte er mit diesem Satz eine böse Magie heraufbeschworen, die genau das verursachte, was er hatte verhindern wollen. So ist das eben mit dem Gesetz der Anziehung: Ein “nicht” wird nicht gehört und darum verstand das Universum in diesem Moment offenbar: “Am besten wäre es, wenn von jetzt an alles schiefgeht!” Und das Universum antwortete: “Na ja, wenn das dein Wunsch ist, das bekommen wir hin!”

Man kann sagen: Es hat hier nicht zu viel versprochen!

Das Universum nimmt Wünsche mitunter sehr wörtlich

Das Universum nimmt Wünsche mitunter sehr wörtlich.

 

Umplanung, Ersatzfahrer und mein Ticket zum Schweden-Roadtrip

Kaum eine halbe Stunde, nachdem er diesen Satz laut ausgesprochen hatte, bekamen wir einen Anruf von Schotti. Er hatte noch einmal einen Großauftrag hereinbekommen, den er unmöglich ablehnen konnte, da es sich um einen Stammkunden handelte. Seine freie Woche war damit gestrichen und er fiel als Fahrer unweigerlich aus. Blieb also nur noch Maik übrig, doch gerade als wir überlegten, ob er die Fahrt auch alleine meistern würde, bekam er eine Nachricht von seinem Chef. Der Urlaub, den er für den Roadtrip nach Schweden eingereicht hatte, war abgelehnt worden. Damit waren nun innerhalb von nur zwei Stunden unsere beiden Fahrer ausgefallen. Zum Glück hatte Schotti bereits eine Lösung parat und rief einen alten Kollegen und Kumpel von sich an, der ebenfalls LKW-Fahrer war. Er war sofort begeistert dabei als er hörte, dass man ihm die Chance auf einen Roadtrip durch Schweden schenken wollte. Uns allen fiel ein Stein vom Herzen. Offen blieb zunächst nur, dass einer von uns mit auf den Roadtrip nach Schweden fahren sollte, um unseren Fahrer in organisatorischen Punkten zu unterstützen. Nach kurzer Überlegung fiel die Wahl dabei auf mich, was mich sehr freute, da der Schweden-Roadtrip nach Wochen der Eintönigkeit eine sehr willkommene Abwechslung war. Außerdem konnte ich dadurch nun endlich Heiko einmal wieder sehen, worauf ich ja bereits eine gefühlte Ewigkeit wartete.

Der Antrag auf Urlaub wurde auch für Maik knallhart abgelehnt

Der Antrag auf Urlaub wurde auch für Maik knallhart abgelehnt.

 

Der Trip nach Münster und zurück

Schließlich war es dann so weit und der erste Teil der Tour konnte starten. Hier war es noch Maik, der die Fahrt übernahm, denn einen Tag hatte er von seinem Chef trotzdem freibekommen. Also machte er sich in aller Herrgottsfrühe auf die Socken und nahm den ersten Zug um 5:00 Uhr in der Früh nach Nürnberg und von dort nach Dillenburg. Und hier ging die Serie an Pleiten und Pannen gleich nahtlos weiter. Denn damit er den Termin mit dem Mann vom TÜV am Nachmittag einhalten konnte, musste er die Fahrt so schnell wie möglich hinter sich bringen. Aber jeder, der schon einmal mit der Bahn gefahren ist weiß, dass die Deutsche Bahn und eine straffe Zeitplanung zwei Dinge sind, die überhaupt nicht zusammen passen. Es war also nicht weiter überraschen, dass er gut eineinhalb Stunden später in Dillenburg ankam, als es geplant war.

Mit der Bahn geht es für Maik nach Dillenburg, um den Miet-LKW abzuholen.

Mit der Bahn geht es für Maik nach Dillenburg, um den Miet-LKW abzuholen.

 

Warten auf den LKW

Letztlich war dies aber nicht so wichtig, da auch der Miet-LKW verspätet bei EuroLeasing eingetroffen war und nun zunächst gewartet und gewaschen werden musste. Bis Maik also endlich in Nordwalde beim Anhänger-Verkäufer ankam, war es bereits später Nachmittag. Wenn der Termin beim TÜV noch klappen sollte, dann musste er den LKW-Anhänger nun schon fast im Vorbeifahren hinter seine Zugmaschine schnallen.

Bis der LKW ordnungsgemäß übergeben wurde, musste Maik noch einmal zwei Stunden warten

Bis der LKW ordnungsgemäß übergeben wurde, musste Maik noch einmal zwei Stunden warten.

 

Wettlauf gegen die Zeit

Doch natürlich wollte auch hier wieder nicht alles rund laufen, sodass weitere wertvolle Zeit verloren ging. So musste beispielsweise zunächst noch die Dolly auf dem Hänger verzurrt werden, damit sie nicht herunterfallen konnte. Dies hätte eigentlch bereits erledigt sein sollen, aber auch bei unserem Verkäufer waren an diesem Tag einige Dinge nicht nach Plan verlaufen. Und als Maik sich dann schließlich bereit glaubte, losfahren zu können, stellte er fest, dass die Beleuchtung am Hänger nicht funktionierte und erst noch repariert werden musste. Der Übeltätter war ein leicht gebrochenes Kabel, in das Feuchtigkeit eingedrungen war. Dadurch hatte das Kabel zu rosten begonnen und schließlich seine Leitfähigkeit verloren. Die Reparatur war nicht schwer, aber den entscheidenden Punkt zu finden dauerte wertvolle Minuten, die wir eigentlich nicht hatten.

Auch die Beleuchtung wollte nicht funktionieren und kostete wertvolle Zeit

Auch die Beleuchtung wollte nicht funktionieren und kostete wertvolle Zeit.

 

Der Kampf gegen den TÜV

Franz war zu diesem Zeitpunkt bereits so nervös und überzeugt davon, dass sein Plan nicht aufgehen würde, dass er verschiedenste Alternativ-Lösungen ausarbeitete. Und tatsächlich muss man sagen, dass diese Idee nicht verkehrt war. Denn als Maik schließlich in Steinfurt beim TÜV ankam, war der Inspekteur vom TÜV zwar gerade noch da, doch gewonnen war damit leider noch nichts. Denn der gute Mann war aufgrund der langen Zeit, die man ihn hier hatte stehen lassen, so verärgert, dass er nah einer kurzen Begutachtung des Anhängers nur grimmig mit dem Kopf schüttelte. “Dafür gibt es leider keine Abnahme!” sagte er in einem Ton, der deutlich machte, dass ihm dies keineswegs Leid tat. Eine wirklich nachvollziehbare Begründung gab es letztlich nicht, aber Maik hatte auch kaum Gelegenheit, ihn danach zu fragen. Er schaffte es jedoch, mit dieser Aktion gerade so lange zu brauchen, dass nun auch die Zulassungsstelle in Steinfurt geschlossen hatte. Wäre es schneller gewesen, hätten wir zumindest versuchen können, eine Zulassung auch ohne vorherige TÜV-Abnahme zu bekommen, doch nun standen wir mit unserem Anhänger ziemlich im Regen.

Der TÜV-Inspekteur schaute sich unseren LKW-Anhänger an und beschloss uns keine Abnahme zu geben

Der TÜV-Inspekteur schaute sich unseren LKW-Anhänger an und beschloss, uns keine Abnahme zu geben.

 

Gestrandet im Münsterland

Ein wenig verzweifelt rief Maik bei uns an und berichtete vom aktuellen Stand der Dinge. Das Problem war nun, dass wir nicht nur keine LKW-Zulassung für den Hänger hatten, sondern dass Maik dadurch auch die Rückfahrt versperrt worden war. Denn ohne die Zulassung durfte er den Hänger nur als landwirtschaftliches Gespann ziehen, was bedeutete, dass er nicht schneller als 30 km/h damit fahren durfte. Als LKW-Fahrer gab es nach deutschem Recht jedoch die feste Regel, dass er nicht länger als 9 Stunden am Stück fahren durfte, ohne eine lange Schlafpause einzulegen. Wenn er dies jedoch einhielt, konnte er unmöglich rechtzeitig am nächsten Morgen in Neumarkt sein, um dort den Termin bei der Zulassungsstelle und anschließend unser Date mit der Kranfirma wahrzunehmen. Zum Glück war nun wieder Maiks Vater Schotti zur Stelle. Er fuhr mit seinem privaten PKW seinem Sohn entgegen und traf diesen auf einem Autobahnrastplatz, an dem Punkt, an dem er nicht mehr weiterfahren durfte. Dann tauschten die beiden Fahrer einfach die Fahrzeuge, denn es gibt kein Gesetz, das es einem LKW-Fahrer verbietet, nach Auslastung seiner neun Stunden LKW-Fahrzeit in einem PKW weiterzufahren. Die erste Etappe unseres großen Roadtrips nach Schweden hatte damit nun letztlich doch noch ein gutes Ende genommen.

Ohne die Zulassung als LKW-Anhänger musste Maik bis spät in die Nacht hinein über die Straßen zuckeln

Ohne die Zulassung als LKW-Anhänger musste Maik bis spät in die Nacht hinein über die Straßen zuckeln.

 

Der Tag der Abfahrt mit dem Container

Dieser Tag hatte es wirklich in sich und hielt im Nachhinein betrachtet, das ganze Team ordentlich auf Trab. Doch fangen wir von vorne an, oder besser gesagt super früh, denn mein Wecker klingelte mich bereits um halb sieben aus den warmen Federn. Ehrlich gesagt bin ich kein Frühaufsteher, aber durch die Vorfreude auf den heutigen Aufbruch unseres Roadtrips nach Schweden, sprang ich wie ein junger Grashüpfer aus dem Bett.

Wenn man bedenkt, wie lange sich unsere Vorbereitungsphase auf diesen Tag hingezogen hatte, dann verstand man doch sehr genau warum es uns unter den Fingernägeln juckte, sodass wir endlich starten wollten. Doch so schnell ging es dann doch noch nicht, denn auch wenn Maik es pünktlich aus dem Münsterland  zurückgeschafft hatte, brauchten wir noch immer ein Kennzeichen für den Transport des LKW-Anhängers.

Roadtrip Schweden: Müdigkeit abschütteln und los gehts!

Roadtrip Schweden: Müdigkeit abschütteln und los gehts!

Shania-Tolinka: Bereit für den Roadtrip nach Schweden

Shania-Tolinka: Bereit für den Roadtrip nach Schweden

Besuch auf der Zulassungsstelle

Da wir noch immer kein gültiges Kennzeichen hatten, mit dem wir mehr als 30km/h fahren durften, musste ich an diesem Tag bereits um sieben Uhr morgens im Landratsamt Neumarkt in der Zulassungsstelle sein. Denn dort ist oft die Hölle los und ohne Kennzeichen, gibt es keinen Transport nach Schweden. Oder nur einen sehr langsamen und so sehr ich mich auf den Roadtrip durch Schweden auch freute, das wäre dann doch etwas viel geworden. Gleichzeitig hatten wir jede Menge Glück auf unserer Seite, da genau an diesem Tag wurde der Coronabedingte Lockdown wieder gelockert, sodass überhaupt Termine vor Ort im Amt wieder möglich waren. Wäre dies nicht passiert, hätten wir einige Tage für einen Termin bei der Zulassung warten müssen.

Auf der Zulassungsstelle ging es nun ans Ausfüllen der entsprechenden Papiere

Auf der Zulassungsstelle ging es nun ans Ausfüllen der entsprechenden Papiere.

 

Kontrollbesuch bei der DEKRA

Zeitgleich fuhr Maik zur DEKRA in Neumarkt, um zu erfragen, ob wir eine LKW-Genehmigung für Aufliegers bekommen, für den Fall, dass das Landratsamt diese vorgelegt haben wollte. Bei einer telefonischen Anfrage von Franz bei der Zulassungsstelle in der vergangenen Woche, hatte er die klare Aussage bekommen, dass wir diese Genehmigung unbedingt brauchen. Da der TÜV-Inspekteur vom Vortag sie nicht hatte erteilen wollen, versuchten wir unser Glück nun noch einmal bei der DEKRA. Zu Maiks großem Erschrecken wurde ihm dort aber mitgeteilt, dass man sich den Anhänger zwar anschauen könne, das Prüfpaletten und Zertifikate aber nur montags von einem speziellen Sachverständigen vergeben wurden, der sonst nicht einmal im Haus war. Die ganze Aktion war also wieder einmal vollkommen umsonst. Und das, obwohl wir zuvor extra angerufen, nachgefragt, unsere Situation geschildert und einen Termin vereinbart hatten. Ehrlich gesagt waren wir zu diesem Zeitpunkt bereits alle ganz schön angenervt, weil wir ständig falsche Aussagen von den Ämtern bekamen. Weiß denn dort einfach niemand was wirklich an Dokumenten benötigt wird? Den Ämtern ist es derart egal, was man selbst für einen Aufwand betreiben muss, um einfach eine simple Zulassung durchführen zu können. Wir waren schockiert, wie viele Falschaussagen wir insgesamt erhielten.

Die Dame von der DEKRA konnte zwar ein Gutachten erstellen, jedoch keine Genehmigungen erteilen

Die Dame von der DEKRA konnte zwar ein Gutachten erstellen, jedoch keine Genehmigungen erteilen.

 

Ausgleichende Ungerechtigkeit

Zum Glück stimmten die Aussagen, die wir bekommen hatten aber auch in die andere Richtung nicht und so traf ich auf der Zulassungsstelle auf einen Sachbearbeiter, der bereits vorab alle Formalitäten soweit fertig machten, ohne den Anhänger auch nur zu sehen. Als ich fragte, ob noch Unterlagen von TÜV oder DEKRA benötigt würden, schüttelte er nur den Kopf und wirkte dabei, als hätte ich etwas vollkommen absurdes gefragt. Ich gab Maik Bescheid, dass von seiner Seite keine zusätzlichen Abnahmen mehr notwendig waren und verabredete mich mit ihm auf dem Parkplatz vor der Zulassungsstelle. Die Zeit, die er für die Fahrt brauchte, nutzte ich bereits, um unsere Überführungskennzeichen abzuholen und kurz darauf kehrten wir gemeinsam mit allen Unterlagen zum gleichen Sachbearbeiter zurück. Der schlug seinen Stempel auf die Zulassungspapiere und wünschte uns einen schönen Tag, ohne auch nur eine weitere Frage zu stellen. Mit unserem neuen Kennzeichen unter dem Arm machten Maik und ich uns auf den Rückweg zum LKW und unserem Anhänger.

Nach langem bangen haben wir nun endlich unsere Zulassungspapiere

Nach langem bangen haben wir nun endlich unsere Zulassungspapiere.

 

Der Kran wartet bereits

Dort angekommen erfuhren wir, dass der bestellte Kran zum Container verladen, eine halbe Stunde früher erschienen war und wir daher umgehend mit dem LKW nach Postbauer-Heng fahren mussten, um keine Zeit zu verlieren. Also Kennzeichen auf den Auflieger montieren und ab mit uns in den Hof von Heikos Eltern, wo der Container und der Kran bereits auf uns warteten. Um den LKW zusammen mit dem Auflieger richtig im Hof zu positionieren, musste Maik rückwärts fahren, was er wirklich super gemacht hat. Denn mit einem 13 Meter langen Auflieger richtig rangieren, ist wirklich eine herausfordernde Sache für sich. Auch die Nachbarn waren wohl sichtlich beeindruckt, was man ihnen an den großen Augen, dem offenen Mund und ihrer Regungslosigkeit anmerkte. Bevor die Verladung des Containers starten konnte, besprachen wir alle zusammen mit dem Kranführer, was in welcher Reihenfolge nun getan werden musste.

Maik fährt rückwärts in die Hocheinfahrt

Maik fährt rückwärts in die Hocheinfahrt.

 
Der Kran wartet bereits bei uns auf dem Hof

Der Kran wartet bereits bei uns auf dem Hof - Mal wieder...

 

7 Tonnen Container und 4 Tonnen Equipment müssen in die Luft

Der Kran stand fest auf den vorgesehenen Bodenplatten und hatte seine Stützbeine ausgefahren. Maik war mit dem LKW und dem Auflieger ganz nah rückwärts an den Container herangefahren und der Kranführer befestigte die Ketten des Krans an den Ecken des Containers. Soviel zur Vorbereitung. Nun kam der entscheidende Moment. Der Kran hob den Container vertikal nach oben und versuchte dabei ihn so ruhig wie es nur möglich war, zu halten. Es ist einfach unglaublich zu sehen wie viel der selbst 20 Tonnen schwere Kran heben kann. Klar, dafür wurde er gebaut, aber diese Leistung mit den eigenen Augen zu sehen, war doch noch einmal etwas ganz besonderes. Als der Container sicher in seiner Höhe hing, fuhr Mike den Auflieger exakt unter seine Position. Nun konnte der Kranführer langsam und sicher den Container wieder ablassen, sodass er irgendwann genau auf dem Auflieger landete. In der Zwischenzeit kamen unsere Nachbarn und Verwandten Ingrid, Jürgen und Monika hinzu, da sie sich das Spektakel nicht entgehen lassen wollten. Jürgen wollte auch aktiv mit dabei sein, und half Maik und Heikos Papa Karl dabei, dass der Container seine exakte Position fand. Ich war während dessen dabei, die ganze Aktion zu fotografieren und zu filmen, während mir meine Finger vor Kälte fast eingefroren wären. Beim Positionieren war es zudem wichtig, den Container so weit nach vorne wie möglich zu stellen, da unsere Dolly dahinter noch einen Platz für den Transport finden musste.

An allen vier Ecken müssen die Kranketten eingehängt werden

An allen vier Ecken müssen die Kranketten eingehängt werden.

 
Nachdem alles sicher vertaut ist, kann der Kranführer sein Werk beginnen

Nachdem alles sicher vertaut ist, kann der Kranführer sein Werk beginnen.

 
Mit Leichtigkeit hebt der Kran den rund 8 Tonnen schweren Kontainer in die Luft

Mit Leichtigkeit hebt der Kran den rund 8 Tonnen schweren Kontainer in die Luft.

 
Mit Leichtigkeit hebt der Kran den rund 8 Tonnen schweren Kontainer in die Luft

Mit Leichtigkeit hebt der Kran den rund 8 Tonnen schweren Kontainer in die Luft.

 

Das Problem mit der Dolly

Der nächste Schritt war, dass der Kranführer seine Kranketten von dem Container löste - da dieser nun richtig auf dem Auflieger stand - um die Ketten an der in der Wiese stehenden Dolly zu befestigen. Beim Anheben der Dolly musste er super vorsichtig sein, um das Gleichgewicht der langen Dolly austarieren zu können, sodass sie nicht ins Schwingen kam. In dieser Zeit traf unser LKW-Fahrer Tobias mit seiner Frau auf dem Hof ein, der uns für den Roadtrip nach Schweden von Schotti wärmstens empfohlen worden war. Wir haben uns alle auf Anhieb sehr gut verstanden und da Tobias ein Macher ist, half er sofort tatkräftig mit, die fliegende Dolly zu positionieren. Maik kletterte auf das hintere Dachende des Containers, Jürgen und Karl gaben Bodenanweisungen und ich filmte die Umsetzung ganz gespannt. Nach vielem hin und her und gefühlten tausend Versuchen gelang es uns leider nicht, die Dolly so auf der hinteren Fläche des Aufliegers zu verstauen, dass es für den Transport geklappt hätte. Wir versuchten jeden Winkel und jede Drehung, die es gab, um dann schließlich die traurige Feststellung machen zu müssen, dass sie zu groß ist. Denn sie durfte weder zu weit hochstehen, noch zu weit nach hinten hinausragen. Dies hätte sonst an Brücken ein Problem gegeben und uns im Falle einer Kontrolle zusätzlich eine saftige Strafe eingebrockt. So entschieden wir schweren Herzens, unsere Dolly erst einmal in Postbauer-Heng stehenzulassen, um sie später nach dem Winter zu holen.

Gemeinsam werkeln die Männer an der Dolly herum

Gemeinsam werkeln die Männer an der Dolly herum.

 
Immer wieder wird sie auf und abgeladen

Immer wieder wird sie auf und abgeladen.

 
Doch am Ende müssen wir einsehen, dass die Dolly einfach zu lang ist

Doch am Ende müssen wir einsehen, dass die Dolly einfach zu lang ist.

 

Gurte statt Ketten

Der Kranfahrer fuhr nun nach Hause und wir machten uns daran, den Container mit großen Zurrgurten an dem Auflieger festzubinden, sodass er fest saß und nicht mehr verrutschen konnte. Auch dies war übrigens wieder ein Punkt gewesen, der so ganz und gar nicht nach Plan hatte verlaufen wollen. Denn Heiko und Franz hatten zuvor extra über die Sächsische Hebe- und Zurrtechnik GmbH extrem stabile Zurrketten organisiert, mit denen der Container eigentlich hätte verzurrt werden sollen. Doch diese befanden sich noch immer irgendwo auf dem Postweg zwischen Sachsen und hier, sodass wir sie nicht nutzen konnten. Glücklicherweise war es Maik gelungen, einige Zurrgurte von seinem Chef zu ergattern, die wir als Ersatz nutzen konnten. Andernfalls wäre unser großes Roadtrip-Schweden-Projekt nach all den gemeisterten Hürden an dieser Stelle doch noch gescheitert.

Da unsere Zurrketten leider verspätet ankamen, mussten wir mit Spanngurten vorlieb nehmen

Da unsere Zurrketten leider verspätet ankamen, mussten wir mit Spanngurten vorlieb nehmen.

 
Ringsum sicher verspannt - So kann unserem Container auf dem Roadtrip nach Schweden nichts mehr passieren

Ringsum sicher verspannt - So kann unserem Container auf dem Roadtrip nach Schweden nichts mehr passieren.

 

Die Ablöse der LKW -Fahrer für den Roadtrip nach Schweden

Jetzt, da alles soweit fertig war, was den Container betraf, konnte es nun endlich etwas ruhiger werden. Karl war so lieb und fuhr Maik nach Hause, da dieser seinen LKW nun dem neuen Fahrer Tobias überließ und somit kein Gefährt mehr für den Heimweg hatte. Tobias war total begeistert von dem modernen Sattelschlepper und konnte es kaum erwarten, den Roadtrip nach Schweden zu beginnen. Das Fahrerhaus wurde inspiziert und erstmal eingerichtet. Seine Frau machte ihm eine Kühlbox mit leckerem Essen und einigen Getränken fertig, aber auch das kuschelige Bettzeug zum Schlafen in der Koje durfte nicht fehlen. Schließlich wird Tobias insgesamt fast eine Woche lang on the Road sein. Doch bevor wir starteten, gab es eine großartige Stärkung von Anneliese, Heikos Mutter. Es gab wohltuenden Tee und leckeren Kuchen für alle, da ich aber mein Mittagessen verpasste, gönnte ich mir eine warme Mahlzeit zur Stärkung. Denn ehrlich gesagt, war ich komplett durchgefroren von dem kalten windigen Wintertag. Nun packte ich meine restlichen Sachen für die baldige Abreise ein, da ich ja zusammen mit Tobias unseren Roadtrip nach Schweden antreten durfte. Ich freute mich riesig in solch einem großen LKW mitfahren zu dürfen, denn man sitzt dort super hoch und hat einen tollen Ausblick. Zu diesem Zeitpunkt hatten wir schon Nachmittags ca. drei Uhr.

Wow, was für ein Tag! Wer hätte gedacht, dass so viele spontane und aufregende Aufgaben auf uns zukommen würden? Zwischendurch hatten wir immer mal wieder das Gefühl, es werden uns nur noch Streiche gespielt da es super viel Kraft kostete, aber zu wissen aus war für unglaublichen Situationen wir immer noch Lösungen und Ideen aufbringen konnten, war einfach genial.

Noch ein letztes Mal die gute, bayrische Küche von Anneliese genießen und dann können wir gestärkt auf unseren Roadtrip nach Schweden starten.

Noch ein letztes Mal die gute, bayrische Küche von Anneliese genießen und dann können wir gestärkt auf unseren Roadtrip nach Schweden starten.

 

Letzte Vorbereitungen vor dem Abschied

Es war nun endlich so weit, ich packte etwas aufgeregt meine letzten Sachen ein und merkte, wie ich mich innerlich schon auf die Abreise einstellte. Ich fühlte Freiheit und zugleich Ungewissheit in mir, was ich aber als etwas Freudvolles wahrnahm. Gedanken wie „Wird der Roadtrip angenehm werden und gut verlaufen?“ oder „Kommen wir gut durch alle Grenzen nach Schweden?“ oder „Wie wird die Ankunft in Skorped und das lang ersehnte Wiedersehen mit Heiko sein?“ schwirrten in meinem Kopf umher. Fragen über Fragen, die ich wahrnahm, die aber gerade nicht beantwortet werden mussten. Meinen fertigen und voll bepackten Rucksack mit Essen, Trinken und Kleidung und natürlich einem Kissen und einem Schlafsack, verstaute ich neben meinem Sitz im Fahrerhaus. Mit Tobias besprach ich noch kurz die Wünsche, die er für die Fahrt hatte. Dazu gehörte zum Beispiel, das wir keine Straßenschuhe tragen sollten und er die Klimaanlage gerne etwas kühler einstellen möchte, da er ein “Warmblüter” ist, wie er selbst sagte. In einer dicken Decke eingemummelt war das für mich in Ordnung, schließlich sollte er durch zu viel Wärme nicht müde werden während der Fahrt.

Tobias inspiziert das Führerhaus seines LKWs ganz genau

Tobias inspiziert das Führerhaus seines LKWs ganz genau.

 

Ein großes und herzliches Danke an alle Helfer!

Jetzt kam der Moment des Abschieds. Nach zwei Monaten die ich nun bei meinen Schwiegereltern Anneliese und Karl wohnen durfte, um alles im Lager vorzubereiten, verabschiedeten und umarmten wir uns vorerst ein letztes Mal. Es ist einfach unglaublich wie zuvorkommend und hilfsbereit beide die ganze Zeit über waren und noch immer sind. Wir wussten, dass ich gar nicht allzu lange weg sein würde, aber dennoch fiel uns der Abschied etwas schwer. Trotz der etwas ungewöhnlichen Situation hatten wir immerhin eine tolle Zeit miteinander verlebt. Anneliese hatte mir zum Beispiel ihre legendären Kochtricks beigebracht und uns Vorhänge für unser neues Haus genäht. Karl wiederum hatte mir bei allen technischen Fragen, beim Aussortieren und Tragen von schweren Sachen geholfen. Außerdem war er eine große Unterstützung, als er und sein Neffe Hans zusammen mit mir den Container beladen haben. Dabei hatten wir immerhin  insgesamt fast 4 Tonnen an Dämmmaterial, Böden, Platten, Baumaterialien, Möbel, Kleidung und Lebensmitteln verstaut, die ähnlich hatten sortiert werden müssen, wie bei einem Tetris Spiel. Zum Glück hatte Hans durch seine ehemalige Berufserfahrung als Umzugs-Mitarbeiter super viel Erfahrung und wusste am besten von uns, eine stabile Positionierung der Gegenstände hinzubekommen. An dieser Stelle ein großes und herzliches Dankeschön an Anneliese, Karl und Hans, die ein Teil dieser sagenhaften Vorbereitungsphase waren.

Anneliese hat mir viele Unterrichtsstunden im Kochen und Backen gegeben

Anneliese hat mir viele Unterrichtsstunden im Kochen und Backen gegeben.

Der Roadtrip nach Schweden beginnt

Dann ging es los! Zum Einsteigen in das Fahrerhaus ging es fast zwei Meter nach oben, für mich als kleiner Zwerg mit gerade mal 1,67 Meter Körpergröße ist das schon sehr hoch. Es fühlt sich an, wie wenn man auf einem sehr hohen Thron oder einem großen Pferd sitzen würde, wirklich krass. Tobias und ich winkten und hupten (nicht leise) Anneliese und Karl zum Abschied, bis wir sie nicht mehr sehen konnten. Auch alle Nachbarn sollten nach dem Hupen wach sein. Nun waren wir das erste Mal on the Road in Richtung Schweden und besprachen zusammen, welche Tankstelle angefahren werden sollte, um den Tank gleich zu Beginn vollzufüllen. Ich war mehr als perplex zu sehen, wie viel Liter in den beiden Tanks an Diesel hineinpasst. Man steht dann doch einige Minuten länger an der Zapfsäule, als beim Betanken eines normalen Autos.

Ein letzter Blick zurück in den Hof, dann geht er los unser Schweden Roadtrip

Ein letzter Blick zurück in den Hof, dann geht er los unser Schweden Roadtrip.

 

Unser erstes Ziel lautete Dänemark

Das Abenteuer konnte beginnen und wir fuhren in die Nacht hinein. Tobias hatte vor, so lange wie möglich gen Norden zu fahren, bis es ihm durch die maximal zulässige Lenkdauer nicht mehr erlaubt war, da er sich ausgeschlafen und fit fühlte. Irgendwann spät nachts suchte Tobias für die erste Übernachtung in Dänemark einen geeigneten LKW Parkplatz. Da ich bereits eingeschlafen war, bekam ich die Grenzüberquerung nicht so genau mit. Eigentlich wollte ich hinten im Container schlafen, um die Schlafenszeit von Tobias nicht zu stören, da es aber ordentlich kalt wurde, entschied er, dass ich auf jeden Fall mit im beheizten Fahrerhaus schlafen sollte. Es gab zwei Betten die übereinander hängend ausgeklappt werden konnten, daher war es vom Platz her sogar gut umsetzbar.

Gute Nacht, erster Schweden-Roadtrip Tag.

Unser Roadtrip nach Schweden beginnt kurz vor Sonnenuntergang und wir fahren bis tief in die Nacht hinein

Unser Roadtrip nach Schweden beginnt kurz vor Sonnenuntergang und wir fahren bis tief in die Nacht hinein.

 

Tag 2 unserer Roadtrip-Schweden Tour

Wir hatten beide sehr gut geschlafen, aber trotzdem war mir sehr übel. Ich spürte wie viel ich mit der Übelkeit, dem Magenkrämpfen und dem Schwindel in diesem Moment verarbeitete. Es war zum einen ein Prozess des Loslassens in mir aktiv, aber auch wie eine Art Weltensprung den ich durchlief. Von einer alten surrealen und hektischen Welt in eine neue bewusstere, reale Welt. Das war natürlich einiges was mein Körper, mein Geist und meine Seele versuchten zu durchfühlen, da konnte mir schon mal schwindlig werden. Je weiter wir in den Tag hineinfuhren, desto leichter wurde es für mich damit umzugehen.

In meinem Kopf dreht sich alles, aber die Straßen führen stur geradeaus

In meinem Kopf dreht sich alles, aber die Straßen führen stur geradeaus.

 

Überfahrt der Baelt-Brücke

Schließlich wurden wir sogar mit einem sagenhaften Meerblick bei der 18 km langen Brückenüberfahrt von Nyborg nach Korsor in Dänemark belohnt. Diese Brücke verbindet Ost- und Westdänemark miteinander. Es war zwar ordentlich windig, aber das machte dem Truck und unserem Container nichts aus, sie waren super standhaft gegen Wind. Der Ausblick auf das tosende Meer und die beeindruckende Brückenkonstruktion waren wirklich fantastisch. Nach der Brücke kommt man direkt auf die große Mautstation zu, denn diese Brücke ist gebührenpflichtig. Die Mautgebühren richten sich nach der Länge des Fahrzeugs, und da wir einem sehr langen Gefährt unterwegs waren, schossen die Gebühren ordentlich in die Höhe. Aber es half nichts, wir wollten schließlich weiter fahren. Zu unserem Erstaunen gab es keinerlei Kontrollen, weder an den Mautstationen noch an den Grenzen, so konnten wir stets, ohne angehalten zu werden durchfahren. Wir hätten irgendwie wohl erwartet, aufgrund der andauernden Regelungen und Vorschriften zwecks Corona, in einige Kontrollen zu kommen. Deshalb nahmen wir alle Container, Transport und Equipment Unterlagen im Ordner mit, um für eventuell bevorstehende Kontrollen gewappnet zu sein.

Die Baelt-Brücke ist eine der spannendsten Stationen auf unserem Schweden Roadtrip

Die Baelt-Brücke ist eine der spannendsten Stationen auf unserem Schweden Roadtrip.

 

Die kombinierte Öresund-Brücke

Da wir nun in die Dunkelheit der Nacht hineinfuhren, konnten wir die fast 8 km lange Öresund Brücke nicht mehr wirklich gut sehen, was wir sehr schade fanden. Denn sie ist die weltweit längste Schrägseilbrücke für kombinierten Straßen – und Eisenbahnverkehr und verbindet Kopenhagen in Dänemark mit Malmö in Schweden. Das bedeutet man fährt über diese Brücke und landet sofort in Schweden. In Schweden ließ mich Tobias an einer kaum befahrenen Strecke einige Meter mit dem Truck selber lenken, denn ich wollte wissen, wie sich solch eine große Maschine fahren lässt. Ich begann unseren Roadtrip durch Schweden nun also sogar für einen Moment als Fahrerin. Durch das Tempomat musste ich weder Gas geben noch Bremsen, nur Lenken, aber sogar das fand ich total anstrengend, ehrlich gesagt. Denn zu wissen wie viel Gewicht und was für eine Größe hier gezogen wird, machte meinen Verstand nervöser als ich vermutete. Da es bereits wieder Nacht wurde und die nächste LKW-Fahrer-Pause eingehalten werden musste, suchten wir uns in Autobahn Nähe einen ruhigen Rasthof mit Parkplatz zum Schlafen für die LKWs aus.

Die erste Übernachtung in Schweden auf unserem Roadtrip

Die erste Übernachtung in Schweden auf unserem Roadtrip.

 

Das Thema mit dem Lärm

Kurz vor dem Einschlafen machten sich ein paar nervige Rowdys einen Scherz daraus, mit quietschenden Reifen auf dem Rasthof ihre Runden mit dem Auto zu drehen. Ja es war Samstag Nacht, aber das war noch lange kein Grund alle LKW-Fahrer in ihrer Schlafenszeit derart zu stören. Dies machte mich so aggressiv, dass ich kurz zuvor war, aus dem LKW zu springen und alle anzuschreien. Da das für mich als Frau keine Lösung und zu gefährlich war, versuchte ich meinen Geist zu beruhigen und zu entspannen. Aber das kann doch nicht sein, dass so etwas geduldet wird, fragte ich mich ständig. Stört das die LKW-Fahrer denn gar nicht? Hören sie den Lärm nicht mehr? Ist ihnen ihre Ruhe nicht wichtig? Haben sie schlechte Erfahrungen damit gemacht? Eigentlich müssten doch einige aus ihrem LKW rausstürmen und den Rowdys mal zeigen, was hier ganz und gar nicht in Ordnung ist! Na ja, ich vermute sie schlafen alle mit Oropax in den Ohren, damit sie gar nichts mehr hören. So wartete ich einfach ab, bis ihre blöden Reifen nicht mehr zu hören waren, um dann endlich schlafen zu können. Ich hatte ja vieles an Herausforderungen auf meinem Roadtrip durch Schweden erwartet, aber das nun doch nicht.

Draußen auf dem Parkplatz drifteten ein paar Rowdies mit quietschenden Reifen

Draußen auf dem Parkplatz drifteten ein paar Rowdies mit quietschenden Reifen.

 

Tag 3 auf unserem Roadtrip durch Schweden

Am folgenden Morgen musste ich Tobias gleich mal fragen, ob er denn die quietschenden Reifen in der Nacht nicht gehört habe. Ja, hätte er, aber er fände es wohl nicht so schlimm wie ich und könne darüber hinweghören. Was für eine Gabe dachte ich mir. Aber ist es wirklich eine Gabe? Wir vernehmen soviel Lärm um uns herum, dass es uns gar nicht mehr auffällt. Manchen Menschen macht es super viel aus und manchen ist es total egal. Das schlimmste ist, wenn wir Lärm einfach als Normalzustand akzeptieren, denn dann nehmen wir ihn automatisch in unserem Leben als selbstverständlich wahr. Uns fällt dann nicht mehr auf, wie viel Lärm uns wirklich stört, wie viel Lärm uns super nervt und was einfach gar nicht mehr akzeptabel ist. Wie will man denn in seiner inneren Balance bleiben, wenn man ständig im Außen mit Lärm konfrontiert wird? Der äußere Lärm macht schließlich auch den inneren Lärm, also die Dysbalance aus. Was bei Menschen die bekannte Unruhe, Nervosität und den schleichenden Stress herbeiruft, hat natürlich auch mit dem Lärm und der immerwährenden Lautstärke der Straßen, der Autos, der Menschen, den Zügen, usw. zu tun.

Wie konnte es dazu kommen, dass Stress, Hektik und Lärm für uns zur Normalität wurden

Wie konnte es dazu kommen, dass Stress, Hektik und Lärm für uns zur Normalität wurden?

 

Warum ist Lärm allgegenwärtig?

Mit Tobias unterhielt ich mich während der Fahrt sehr gerne, denn wir hatten einiges an interessanten Gesprächen und daher wurde uns auch so schnell nicht langweilig. Mir fiel aber eine Sache bei ihm auf, was eben auch bei diesem Thema im Zusammenhang steht. Ich fragte ihn, warum er sich meist etwas lauter unterhielt und auch immerwährend reden kann? Mich hat es einfach sehr interessiert, woran das wohl liegen mag. Er antwortete „Weißt du, ich bin mir selber etwas zu laut.“ Das hat mich total überrascht, dass er so ehrlich war und sich selbst bei diesem Thema schon reflektiert hatte. Denn nur jemand, der es schafft sich selbst zu beobachten und zu hinterfragen, kann auf solch aufrichtige Antworten über sich selbst kommen. Wenn wir nun also in einer Gesellschaft leben, die sich entweder selbst zu laut ist, oder die eigenen Gedankenströme oder Gefühle nicht wahrnehmen also unterdrücken will, dann ist sonnenklar warum wir uns das Laute im Außen erschaffen haben. Wir brauchen den vermeintlichen Lärm in Form von Musik, Fernsehen, Ablenkungen, Gesprächen, Stadtlärm usw. um die innere Dysbalance oder Unruhe nicht wahrnehmen zu müssen. Versteht mich nicht falsch, man kann Musik oder einen interessanten Film für eine gewisse oder kurze Zeit genießen. Aber man entscheidet selbst, ob man diese Variante der Ablenkung als etwas Freudvolles nutzt oder ob man es ausnutzt, um sich selbst dabei zu schädigen. Diese Frage sollte sich jeder selbst einmal gestellt haben, um herauszufinden, was sich gesund anfühlt und was nicht.

Wir haben uns so sehr an einen permanenten Geräuschpegel gewöhnt, dass Stille fast unerträglich für uns ist

Wir haben uns so sehr an einen permanenten Geräuschpegel gewöhnt, dass Stille fast unerträglich für uns ist.

 

Bulgarischer Kaffee für Tobias

Als Tobias morgens den ersten Schritt aus dem Truck machte, wurde er umgehend von einem älteren und lustigen bulgarischen LKW-Fahrer auf eine sehr starke Tasse Kaffee eingeladen. Genau das richtige um wach zu werden, dachte sich Tobias und willigte gerne ein. Das lustige war, dass der Bulgare mit seiner riesigen Bauchschürze sich gerne mit uns unterhalten wollte, er aber nur zehn Wörter Englisch sprechen konnte. Ihm machte das aber sichtlich wenig aus und so erzählte er uns einfach auf Bulgarisch mit Händen und Füßen wohin er gerade unterwegs war und das seine Frau mal in Nürnberg bei einem Arzt war. Mein Gefühl dazu war, dass er seit Jahren schon im Truck leben und wohnen würde. Er war wohl froh irgendeinen Job zu haben, auch wenn er nicht mehr die Möglichkeit hatte seine Familie regelmäßig sehen zu können. Viele Truck-Fahrer nehmen durch die weiten Fahrten in verschiedenste Länder in Kauf, kein eigenes Leben mehr führen zu können. Mich macht so eine Geschichte immer sehr traurig, weil ich mir wünschen würde, er könnte seine Liebsten öfter sehen. Aber ich vermute auch, dass ihm der Job wichtig war. Die Hauptsache für sie ist, dass sie Geld für ihre Familien verdienen können, um zu leben oder auch zu überleben.

Tobias mit seinem frischen Kaffee

Tobias mit seinem frischen Kaffee.

 

Alles war „Geil“

Nachdem wir uns auf einer einfachen kleinen Rasthof Toilette frisch gemacht hatten, holten wir uns noch heißes Wasser für einen Tee, weil es kostenlos war. Frisch poliert und gestärkt machten wir uns auf den Roadtrip weiter durch Schweden. Heute wurden wir zudem mit viel Sonnenschein belohnt, was die letzten zwei Tage leider nicht der Fall war. Ich nutzte das Wetter, um viel zu fotografieren und zu filmen. Je höher wir in den Norden Schwedens fuhren, desto dünner wurde die Zivilisation und auch die Natur zeigte sich von ihrer schönsten Seite. Unglaublich viele Seen, manchmal auch große Steinfelsen und viele Wälder zierten unseren Weg. Auf der Autobahn waren immer weniger Autos oder LKWs zu sehen, was für unsere Fahrtzeit hervorragend war. Denn wir hatten nicht einmal einen Stau auf der Autobahn, außer als wir an Stockholm vorbeifuhren, da gab es eine kurze Situation zum Abbremsen aber es ging gleich wieder weiter. Tobias war derart von den Fahrverhältnissen auf der Straße, dem reibungslosen Tour Ablauf und der Natur so begeistert, sodass sein Lieblingswort „Geil“ wurde. Ich fand es total amüsierend, da er es immer mit voller Freude sagte und das Wort Geil alles unterstrich, was er einfach super oder herausragend fand. Auch dass die LKW-Fahrer in Schweden mit noch längeren Trucks als in Deutschland unterwegs waren, machte ihn neidisch ohne Ende, da er unbedingt auch mal so einen riesengroßen LKW fahren will. Die Inspirationen und Pläne für die Zukunft waren also vorhanden.

Tobias und ich auf unserem Roadtrip durch Schweden

Tobias und ich auf unserem Roadtrip durch Schweden.

 

Polarlichter als Willkommensgeschenk

Als wir uns langsam Skorped unserem Zielort näherten, passierte etwas unglaublich schönes, was wir fast verpasst hätten. Nach einem kurzen Nickerchen wachte ich auf und sah, dass ungewöhnliche grüne Farben auf dem Nachthimmel zu sehen waren. Je länger ich das bewegende sich windende Schauspiel beobachtete, desto klarer wurde mir, dass dies die wunderschönen Polarlichter sind, die auch im Norden Skandinaviens im Winter zu sehen sind. Schnell sagte ich Tobias Bescheid und wir hielten an der Straße an, um uns die Besonderheit in Ruhe anschauen zu können. Ich schrieb auch Heiko sofort eine Nachricht, damit er das Spektakel nicht verpassen konnte. Es war bereits abends ca. acht Uhr, daher war kein Verkehr auf der Straße, den wir dabei hätten behindern können. Wir waren fassungslos und ohne Worte, wie schön dieser Augenblick auf uns wirkte. Ich versuchte jede Sekunde, in der ich die Leuchterscheinung beobachtete in mich aufzusaugen und dankte dem Universum für dieses traumhafte Geschenk. Was für ein atemberaubender Willkommensgruß eine halbe Stunde vor unserem Ziel Skorped, dachte ich mir.

Hätte es ein schöneres Finale für unseren Schweden-Roadtip geben können, als von Polarlichtern begrüßt zu werden

Hätte es ein schöneres Finale für unseren Schweden-Roadtip geben können, als von Polarlichtern begrüßt zu werden?

 

Nachdem die Polarlichter weniger wurden und kaum mehr sichtbar waren, machten wir uns auf den finalen Weg. Die Straßen wurden immer verschneiter und glatter, da sich bereits Schnee und etwas Eis darauf befand. Und Tobias wurde gleichzeitig etwas nervöser, da er relativ selten auf verschneiten Straßen unterwegs war bzw. nicht das regelmäßige Fahrtraining auf solchen Wegen hatte.

Mein Roadtrip durch Schweden ist nun vorbei - Wir haben unser Ziel in Skorped erreicht

Mein Roadtrip durch Schweden ist nun vorbei - Wir haben unser Ziel in Skorped erreicht.

 

Ankunft in Skorped

Abends um ca. neun Uhr war es endlich so weit, wir erreichten sicher unseren Zielort Skorped, wo auch bereits Heiko auf uns wartete, um uns zu zeigen, in welcher Parknische wir den LKW vor dem Ort parken konnten. Es war so aufregend, nach 2400 km und 53 Stunden später im hohen Norden von Schweden unseren Roadtrip zu beenden. Nach der ersten herzlichen Begrüßung waren wir alle sehr froh, dass unser Trip nach Schweden so gut verlaufen ist. Heiko und ich lagen uns seit zehn Monaten das erste Mal wieder in den Armen und wir konnten kaum glauben, diese lange Zeit mit dieser großen Distanz geschafft zu haben. Was für eine Herausforderung für ein verliebtes Pärchen, das zudem immer sein Ziel im Auge hat und sich von den Gegebenheiten nicht unterkriegen lässt. Natürlich war es nicht immer leicht sich nicht sehen zu können, ehrlich gesagt, manchmal sogar richtig hart, aber wir wussten, dass die Zeit der Entbehrung irgendwann vorbei sein wird.

Endlich sind Heiko und ich wieder vereint

Endlich sind Heiko und ich wieder vereint.

 

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Nachdem klar geworden war, dass wir unmöglich einen Kran in Schweden auftreiben würden, der unseren Container vor dem Haus abladen konnte, hatte Heiko das Internet nach einem LKW-Auflieger durchforstet, der zu unserem Container passte. Früher oder später hätten wir ohnehin einen benötigt und so lautete die Frage nicht wirklich, "Sollen wir einen LKW Auflieger gebraucht kaufen?", sondern viel mehr "Sollen wir es sofort tun?" Die Entscheidung in dieser Hinsicht fiel nicht schwer, da wir im Grunde überhaupt keine andere Wahl hatten. Also lautete sie "Ja, worauf wartet ihr!"

So ähnlich sollte unser Auflieger auch aussehen, nur größer, stabiler und ohne Holzummantelung

So ähnlich sollte unser Auflieger auch aussehen, nur größer, stabiler und ohne Holzummantelung.

 

Welcher gebrauchte LKW Anhänger darf es sein?

Nach einigen Tagen Recherche im Internet fanden wir ein sehr interessantes Angebot eines Schmitz Aufliegers, der auf einem Bauernhof in der Nähe von Münster zum Verkauf bereitstand. Interessant deshalb, weil die Maße sowie die Belastbarkeit in Verbindung mit dem Preis sehr attraktiv für uns wirkten. Nachdem wir uns ausreichend mit dem Verkäufer unterhalten hatten und alle wichtigen Informationen eingeholt waren, war klar, dass der Auflieger vor einem Kauf natürlich noch begutachtet werden musste. Da Heiko nicht da war und Franz alleine keine ausreichenden Kenntnisse für die technische Versiertheit eines Aufliegers besaß, beschlossen wir einen Profi dafür mitzunehmen. Ein sehr guter Bekannter von uns der sich hervorragend mit LKWs und allen dazugehörigen Anhängern auskannte, war Schotti. Da Schotti selbst aber viel zu tun hatte, machte er den Vorschlag seinen Sohn den Maik zu fragen, da er sich genauso gut mit den technischen Details eines Anhängers auskannte. Das war eine großartige Idee und so vereinbarten wir den Termin zur Besichtigung in Nordwalde, um zugleich auch mit Maik den Termin fix zu machen.

Heiko bei der Online-Recherche für einen gebrauchten LKW Anhänger den wir kaufen können.

Heiko bei der Online-Recherche für einen gebrauchten LKW Anhänger den wir kaufen können.

 

Die Fahrt nach Nordwalde

Der Plan war, dass ich morgens um 7 Uhr Maik zu Hause in Neumarkt mit dem Auto abhole und wir zusammen nach Nordwalde nahe Münster fahren. Schließlich hatten wir eine Fahrtdauer von 6 Stunden vor uns und wir wollten nicht unnötig Zeit verlieren. Die Autofahrt selbst verlief reibungslos und so kamen wir ohne einen Stau und mit viel Sonnenschein, pünktlich nach ca. 6 Stunden im abseits gelegenen und Natur-schönen Nordwalde an. Dadurch, dass wir Timo dem Verkäufer unsere Ankunftszeit vorab mitgeteilt hatten, erwartete er uns bereits in seinem Hof wo er mit einem Minibagger seinen neuen Garten gestaltete. Er war so lieb und bot uns zuerst was zu trinken an und da wir beide dringendst auf die Toilette mussten, nutzten wir diese auch. Er hatte zusammen mit seiner Frau ein schönes und typisch Münsterländisches Bauernhaus gebaut, indem die Familie mit dem kleinen Baby nun frisch wohnte.

Das Münsterland ist geprägt von Landwirtschaft und urigen, kleinen Dörfern

Das Münsterland ist geprägt von Landwirtschaft und urigen, kleinen Dörfern.

 

Die Begutachtung des Aufliegers

Wir gingen ein paar Schritte, um zu einer riesigen neuen Scheune zu gelangen in der, der zum Verkauf stehende Auflieger wartet. Der Spaziergang dorthin tat Maik und mir sehr gut, da unsere Beine von der langen Fahrt etwas eingerostet waren. Maik hatte alles dabei, was er brauchte um sich alle wichtigen Notizen aufzuschreiben: eine Taschenlampe, ein Metermaß, Notizblock und Stift. Außerdem hatte er sich extra seine schwarze alte Arbeitskleidung angezogen, damit wenn er unter dem Auflieger alles begutachtet und rumkriecht, auch dreckig werden kann ohne, dass es ihn dabei stört. Maik stellte dem Timo noch einige technische Fragen, was für mich aber alles wie spanisch klang, da ich mich mit den technischen Details nun auch mal gar nicht auskenne. Was ich aber verstand war, dass es um Maße, Alter, Schläuche, Befestigungen und Erneuerungen ging. In der Zwischenzeit sah ich mich etwas um und bemerkte wie viel Platz man für das Stapeln der vielen Heuballen benötigte, wie es bei Timo der Fall war. Da er viele Heuballen an Pferdewirte verkaufte, brauchte er dazu auch genügend Platz, sprich diese Halle war einfach riesig groß. Auch der Anblick des Aufliegers erinnerte mich irgendwie an einen Dinosaurier, durch das imposante Aussehen und der Größe. Nachdem Maik alle benötigten Informationen zusammen getragen hatte, machten wir uns daran uns bei Timo zu verabschieden und unsere Rückreise anzutreten.

Bevor wir den LKW Anhänger gebraucht kaufen, muss er genau betrachtet werden, ob er auch in einem guten Zustand ist.

Bevor wir den LKW Anhänger gebraucht kaufen, muss er genau betrachtet werden, ob er auch in einem guten Zustand ist.

 

Unsere Rückreise

Während der Rückfahrt telefonierte Maik bereits mit Heiko und Franz, um alle neuen Informationen über den Auflieger weiterzugeben. Schließlich muss bald die Entscheidung getroffen werden, ob der Anhänger genau richtig für unser Vorhaben ist oder nicht. Es stellte sich bereits bei diesem Gespräch schon heraus, dass es keine argen Mängel zu entdecken gab, der Auflieger in einem sehr guten Zustand war und Maik dem Kauf daher zustimmen würde. Dies alles waren natürlich gute Nachrichten, die wir uns auch alle gewünscht hatten und somit konnten wir viel uns leichter entscheiden, dass wir den Auflieger erwerben möchten. Auch auf der Rückfahrt hatten wir wieder viel Glück mit dem Wetter und dem Verkehr, sodass wir ohne Probleme sicher zu Hause ankamen. Durch die vielen Gespräche während der Fahrt mit Maik verging die Zeit wie im Flug, nur der Hintern tat uns nach den vielen Stunden ordentlich weh und die Pobacken wurden unruhig. Wie schön, dass sich die Fahrt für uns gelohnt hat und der lange Tag gut vorüberging. Nachts zu Hause in Postbauer-Heng angekommen, fiel ich super müde ins Bett und schlief natürlich auch gleich ein.

Durch die weite Agrarlandschaft führt uns unser Weg zurück nach Bayern

Durch die weite Agrarlandschaft führt uns unser Weg zurück nach Bayern.

 

Wie ihr wahrscheinlich bereits aus früheren Artikeln wisst, sind wir inzwischen stolze Besitzer eines vierzig Fuß Wohncontainers der in naher Zukunft das Herzstück unseres Begleitfahrzeuges, also unserer mobilen Lebens-Basis ausmachen wird. Damit dies geschehen kann, musste der Container nur noch von seinem aktuellen Standort in Rumänien zu uns nach Postbauer-Heng und anschließend weiter zu Heiko nach Schweden transportiert, dort neu lackiert, isoliert, ausgebaut, mit Fenstern, Türen, Innenwänden und Möbeln versehen, auf einen geeigneten Anhänger gestellt und hinter eine leistungsfähige Zugmaschine gespannt werden. Keine große Sache also! Doch leider erwiesen sich bereits die ersten Schritte als deutlich schwieriger als erwartet. So stellte sich zunächst die Frage: Wie überführt man einen 40‘ Schiffscontainer von Rumänien nach Deutschland und wie bekommt man ihn von dort die gut 2000 km hinauf in den arktischen Norden Schwedens?

 Wie bekommen wir unseren 40 Fuß Wohncontainer nun von Rumänien nach Schweden?

Wie bekommen wir unseren 40 Fuß Wohncontainer nun von Rumänien nach Schweden?

 

Die Überführung von Rumänien nach Deutschland

Das erste große Problem bestand darin, dass der Container zwar nun theoretisch uns gehörte, praktisch jedoch vollkommen außer Reichweite auf dem Hof eines Container-Haus-Herstellers in Rumänien stand. Ursprünglich war es so gedacht, dass er von hier aus direkt bis nach Skorped in Schweden gebracht werden sollte. Dabei ergaben sich jedoch zwei Probleme, die zunächst einmal wirkten, als wären sie für einander jeweils die perfekte Lösung.

 
Die Grenze zum inneren Kern von Europa war die erste große Hürde

Die Grenze zum inneren Kern von Europa war die erste große Hürde.

 

Hinzu kam, dass die rumänischen Logistikunternehmen, die mit dem Verkäufer des Wohncontainers kooperierten, nach seinen Angaben nur Lizenzen für Süd- und Mitteleuropa hatten. Das heißt, um ganz bis nach Schweden zu kommen, musste der Container mindestens einmal von einem LKW auf einen anderen umgeladen und dann mit einem neuen Fahrer weitertransportiert werden.

 Der Rumänische LKW kann nicht bis nach Schweden durchfahren, sondern muss den 40 Fuß Wohncontainer einmal abladen.

Der Rumänische LKW kann nicht bis nach Schweden durchfahren, sondern muss den 40 Fuß Wohncontainer einmal abladen.

Das zweite Problem bestand darin, dass wir mit den regionalen Lebensmitteln von unseren heimischen Bauern, mit den Baumaterialien für Renovierung des Hauses und zum Ausbau des Containers, mit Kleidung und Möbeln, mit Werkzeugen, Alltagsgegenständen, Geschirr und allem, was wir sonst noch so brauchten, inzwischen mehrere Tonnen an Material zu Hause liegen hatten. Genaugenommen war dies natürlich kein Problem, sondern ein voller Erfolg und ein Umstand, der uns mit großer Dankbarkeit erfüllte. Aber es stellte uns auch vor das Problem, dass wir all dieses Material irgendwie nach Schweden transportieren mussten.

 
Ob alt oder neu - alles was nützlich sein könnte kommt in Kartons und wird mit nach Schweden genommen

Gleichzeitig müssen wir natürlich auch all unser anderes Material nach Schweden bekommen.

 

Die geniale Lösung: Der Container sollte von Rumänien nach Postbauer-Heng gebracht und dort mit all den Dingen befüllt werden, die wir für unser Arktik-Winter-Projekt brauchten. Dann konnte der neue Fahrer mit dem neuen LKW kommen und alles weiterbefördern.

 Zwischenlagerung des 40 Fuß Wohncontainers bei Familie Gärtner im Hof.

Zwischenlagerung des 40 Fuß Wohncontainers bei Familie Gärtner im Hof.

 

Zumindest der erste Teil des Plans funktionierte einigermaßen wie gedacht. Das Problem lag lediglich darin, dass aufgrund der aktuellen, kritischen Lage die Grenzen zwischen dem inneren Kern von Europa, also den Ländern des Schengener Abkommens und den äußeren Staaten, zu denen auch Rumänien gehörte, weitgehend blockiert waren. Als LKW-Fahrer musste man teilweise mit zwei oder drei Tagen Wartezeit an der Grenze Rumänien nach Ungarn rechnen. Zum Glück befand sich die Firma, die uns den Container liefern sollte so nahe der Grenze, dass man hier die Situation abschätzen und einen günstigen Zeitpunkt wählen konnte, sodass es in unserem Fall letztlich „nur“ zu einer Verzögerung von mehreren Stunden kam.

Doch zuvor musste er erst einmal durch den Stau an der Grenze kommen

Doch zuvor musste er erst einmal durch den Stau an der Grenze kommen...

 

Die zweite Schwierigkeit bestand darin, dass der Container vom LKW auf den Hof von Heikos Eltern gelangen musste, es aber keinen Transportservice mit integriertem Kran gab. Daher mussten wir letztlich selbst einen Kran organisieren, der den Container in die richtige Position brachte, aber davon hat euch Shania ja bereits erzählt.

 
Container + Kran + LKW + Hofeinfahrt = Tetris für Fortgeschrittene

... und dann mit einem riesigen Kran verladen werden.

 

Die Weitertransport-Krise

Zunächst sah es nun aus, als liefen die Dinge nun endlich rund. Wir konnten das Material im Container verstauen und hatten die feste Zusage, dass dieser binnen einer Woche wieder abgeholt werden würde. Doch wie ihr vielleicht ahnt, sollte es letztlich wieder einmal anders kommen. Denn anders als angekündigt, gab es kein Logistikunternehmen, das bereits für die Weiterfahrt gebucht war. Stattdessen bekamen wir mitgeteilt, dass sich der Verkäufer krankheitsbedingt nicht mehr weiter um den Fall kümmern könne. Es sei kein Grund zur Besorgnis, da es nach der Krankheit wie geplant weitergehen würde, aber es käme eben im Moment zu einer Verzögerung. Schnell zeichnete sich jedoch ab, dass es nur zwei Möglichkeiten gab: Entweder wir freundeten uns damit an, dass der Container für den Rest seiner Tage bei Heikos Eltern im Hof stand, oder wir kümmerten uns selbst um den Transport.

 
 Letztlich blieb es dann an mir, den Weitertransport des 40 Fuß Wohncontainers zu organisieren.

Letztlich blieb es dann an mir, den Weitertransport des 40 Fuß Wohncontainers zu organisieren.

 

Keinerlei hilfreiche Informationen

Wir entschieden uns für Variante zwei und begannen damit, uns zunächst einmal über verschiedene Möglichkeiten zu informieren. Was kostet es, eine Spedition mit dem Transport zu beauftragen? Wie teuer wäre eine Überführung mit der Bahn? Was kosten die Fährfahrten nach Schweden für einen LKW mit 18 m Länge und rund 20 Tonnen Gewicht?

Eine Überführung mit dem Containerschiff war zu teuer und zu aufwändig.

Eine Überführung mit dem Containerschiff war zu teuer und zu aufwändig.

 

Zu unserer großen Überraschung waren all diese Fragen alles andere als leicht zu beantworten. Immer wieder stießen wir auf Widerstand, mit dem wir nicht gerechnet hatten. So gibt es beispielsweise anders als bei Privatfahrten mit dem PKW, keine offizielle Preisliste für die Fährfahrten. Als Lastentransport kann man lediglich ein Formular ausfüllen und ein Angebot anfordern. Ob auch eines kommt, ist nicht garantiert. Je nach Fähre dauerte es zwischen zwei Tagen und drei Wochen und war oft erst nach mehrmaligem Nachhaken überhaupt möglich.

 
Auch Logistig-Unternehmen mit LKWs erwiesen sich als keine echte Lösung

Auch Logistig-Unternehmen mit LKWs erwiesen sich als keine echte Lösung.

 

Ganz ähnlich verhielt es sich mit Angeboten von Speditionsfirmen oder von der Bahn. Grobe Zahlen zu bekommen war einfach, aber ein genaues Angebot schien unmöglich. Zumindest, sobald die Unternehmen hörten, dass hier lediglich ein Einmal-Transport geplant war. Geld verdient man anscheinen nur mit festen Dauerpartnern und somit ist alles andere nicht von Interesse.

 
Mit dem Güterzug wurde es auch nicht günstiger

Mit dem Güterzug wurde es auch nicht günstiger.

 

Preiskategorie: Von übertrieben teuer bis unbezahlbar

Und noch etwas anderes zeichnete sich ab: Eine solche Überführung, sei es nun mit der Spedition, mit der Bahn, mit dem Schiff oder womit auch immer, war einfach extrem teuer. So teuer sogar, dass wir es uns nicht vorstellen konnten, wie es möglich war, dass man bei diesen Preisen Waren um die ganze Welt transportieren und anschließend immer noch billig verkaufen konnte.

 
Sogar über eine Container-Überführung mit dem Helikopter haben wir nachgedacht

Sogar über eine Container-Überführung mit dem Helikopter haben wir nachgedacht. Aber das war leider auch nicht günstiger...

 

Tatsächlich sollte der Transport, wenn wir ihn einfach regulär gebucht hätten, sogar mehr kosten, als wir insgesamt für den Container bezahlt hätten! Nicht bei allen Angeboten, aber doch bei einigen. Und dann standen wir noch immer vor dem Problem, dass wir nur einen Teil unseres Materials mitnehmen könnten, weil in der Regel mit LKW-Kränen gearbeitet wurde, die eine maximale Traglast von 5 bis 7 Tonnen haben. Das klingt viel, aber ihr wisst nicht, wie viel Material wir hatten!

 
Auf normalem Wege wäre die Überführung des 40 Fuß Wohncontainers nach Schweden unbezahlbar

Auf normalem Wege wäre die Überführung des 40 Fuß Wohncontainers nach Schweden unbezahlbar.

 

Eine Containerüberführung selbst organisieren

Am Ende war klar, dass es nur eine einzige, sinnvolle Lösung gab: Wir mussten die Sache selbst in die Hand nehmen. Dafür brauchten wir lediglich einen Kran, einen Lkw mit Anhänger und einen LKW-Fahrer. Wieder klemmte ich mich tagelang ans Telefon und versuchte alles herauszufinden, was es hier zu wissen gab. Welche LKW-Miet-Services gab es und welche Konditionen hatten sie? Wer konnte uns beim Auf- und Abladen des Containers helfen? Wer in unserem Bekannten- und Freundeskreis hatte einen LKW-Führerschein? Und wer davon war Bereit und zeitlich in der Lage, eine solche Fahrt für uns zu machen? Wie sollten wir den Container bei uns in Schweden wieder vom Anhänger herunterbekommen? Die Fragen stapelten sich nur so in meinem Kopf und immer, wenn ich das Gefühl hatte, einen Punkt abgeklärt zu haben, tauchten drei neue Fragen dafür auf. Zum Glück hatte ich Heiko stets als Austauschpartner, der mir immer wieder neue Denkanstöße und Fragepunkte liefern konnte. Ohne diesen Austausch wäre ich schier verzweifelt. Doch mit jedem neuen Telefonat, zeichnete sich immer mehr ein Lösungsweg ab, auch wenn es am Anfang nicht so aussah.

 
Ist am Ende ein Transport mit dem Flugzeug die Lösung

Ist am Ende ein Transport mit dem Flugzeug die Lösung?

 

Ein eigener LKW-Auflieger für die Containerüberführung

Schließlich kamen wir auf die Idee, uns einfach einen eigenen LKW-Auflieger zuzulegen, anstatt einen zu mieten und uns den Kopf über eine Technik zum Abladen zu zerbrechen. Denn früher oder später brauchten wir ja ohnehin einen Auflieger, mit dem wir den Container um die Welt ziehen konnten. Es sollte schließlich ein Mobilheim werden und dafür war eine gewisse Mobilität eine der Grundvoraussetzungen.

Unser neuer LKW-Anhänger bei seiner früheren Arbeit

Unser neuer LKW-Anhänger bei seiner früheren Arbeit.

 

Nun war Heiko an der Reihe, denn das Auftreiben guter Angebote bei eBay, Onlinebörsen und anderen Händlern war definitiv sein Metier. Es dauerte noch einmal ein paar weitere Tage, aber dann hatte er einen geeigneten Auflieger gefunden, den es zu einem sehr humanen Preis geben sollte. Er war gebraucht und hatte bisher dazu gedient, Heuballen vom Feld zum Bauernhof zu transportieren. Aber er war in einem guten Zustand und hatte genau die Größe, die wir brauchten. Nämlich knapp eineinhalb Meter länger als unser Wohncontainer, sodass wir hier noch einen Minicontainer für unsere Wassertanks und andere Geräte dahinter platzieren konnten.

 
Der Auflieger gehört uns, jetzt muss er nur noch geholt werden

Der Auflieger gehört uns, jetzt muss er nur noch geholt werden,

 

Außerdem war gleich eine sogenannte Dolly im Preis enthalten, also eine Art Adapter-Hänger mit deren Hilfe sich der große LKW Auflieger auch mit einem Traktor ziehen ließ. Auch dies war etwas, das wir früher oder später hätten auftreiben müssen.

 
Durch die Dolly können wir den Aufleger später auch an einen Traktor hängen

Durch die Dolly können wir den Aufleger später auch an einen Traktor hängen.

 

Hilfe naht!

In der Zwischenzeit machte ich mich daran, einen Fahrer für unseren Container-Transport zu gewinnen. Eine erste Umfrage bei Facebook blieb weitgehend erfolglos. Wir bekamen zwar Antworten, doch handelte es sich in der Regel um professionelle Fahrer, die auch ebenso professionell dafür bezahlt werden wollten, sodass wir wiederum beim gleichen Preis gelandet wären, wie mit einem Logistik-Unternehmen.

Schließlich jedoch viel uns Schotti ein, ein ehemaliger Schüler von uns aus der Zeit als Wildnismentoren, der bei uns über ein Jahr hinweg in Ausbildung war. Dabei hatte er seine Leidenschaft zum Klettern entdeckt und wir hatten ihm geholfen, den Sprung vom LKW-Fahrer zum Industriekletterer zu machen.

Er freute sich sehr über unseren Anruf und war gleich bereit uns zu unterstützen. In den kommenden Tagen telefonierten wir täglich, bis wir gemeinsam einen Plan entwickelt hatten, mit dem unser Container-Transport nun doch endlich klappen konnte.

Schotti hat seine Berufung als Industriekletterer gefunden

Schotti hat seine Berufung als Industriekletterer gefunden.

 

Der Masterplan für die Überführung des 40 Fuß Wohncontainers

Dieser Plan sah folgendermaßen aus.

Episode 1: Die Auflieger-Begutachtung

Maik, der Sohn von Schotti sollte gemeinsam mit Shania nach Münster fahren, wo der Anhänger mitsamt der Dolly zum Verkauf stand, um diesen zunächst einmal zu begutachten. Wenn dieser wirklich so gut war, wie er im Internet aussah, würden wir den Kauf eintüten und er sollte noch ein weiteres Mal die Reise dorthin unternehmen.

Jedes Detail des Aufliegers muss genau begutachtet werden, ob es auch in Ordnung ist

Jedes Detail des Aufliegers muss genau begutachtet werden, ob es auch in Ordnung ist.

Episode 2: Der Auflieger-Kauf

Dieses Mal jedoch mit der Bahn und zunächst nach Dillenburg, wo er die Filiale von EURO-Leasing erreichen musste. Dort wurde dann ein LKW für ihn bereitgestellt, da sich EURO-Leasing bereiterklärt hatte, unser Projekt mit einem besonders günstigen Spezial-Tarif zu unterstützten.

Per Telefon haben wir mit der LKW-Vermietung alles abgeklärt

Per Telefon haben wir mit der LKW-Vermietung alles abgeklärt.

 

Mit dem LKW würde es dann weiter nach Münster gehen, wo er zunächst den neuen Anhänger mitsamt der Dolly ankoppeln musste. Der Kaufvertrag würde zuvor bereits über E-Mail und Postversand abgewickelt werden, sodass der Trailer in zu diesem Zeitpunkt uns gehörte. Er musste dann jedoch gleich vor Ort umgemeldet werden, da er zu diesem Zeitpunkt lediglich eine landwirtschaftliche Zulassung für maximal 30 km/h hatte. Damit dies klappte, musste ein strenger Zeitplan eingehalten werden, da sonst der TÜV seine Pforten schloss, bevor Maik mitsamt dem Anhänger dort eintraf. Vorsichtshalber hatte ich den TÜV-Prüfer bereits über alles informiert und er hatte mir versichert, dass er notfalls auch ein wenig warten würde. Außerdem sei die ganze Angelegenheit ohnehin bloß eine Pro-Forma-Geschichte und so müssten wir uns keine Sorgen machen. Dies zumindest sollte also schon einmal glattlaufen. Anschließend würde Maik zurück zu uns nach Postbauer-Heng fahren.

Der TÜV-Inspekteur hat versprochen auf uns zu warten und die Umschreibung gleich vorzunehmen.

Der TÜV-Inspekteur hat versprochen auf uns zu warten und die Umschreibung gleich vorzunehmen.

 

Episode 3: 40 Fuß Wohncontainer aufsatteln und durchstarten

Gleich am nächsten Morgen hatten wir dann einen neuen Termin mit der Firma AllKran aus Allersberg arrangiert, die uns den Container auf den LKW-Anhänger heben wollten. Dann würde Anneliese den beiden Fahrern noch ein leckeres Mittagessen spendieren und im Anschluss ging es dann für Maik und Schotti auf zum Vater-Sohn-Roadtrip durch Nordeuropa. Zunächst nach Dänemark und von dort aus über die verschiedenen Meeresbrücken bis nach Schweden, wo sie etwa eineinhalb Tage später Skorped erreichen würden.

Der Container wird auf den neuen Auflieger gehoben

Der Container wird auf den neuen Auflieger gehoben...

 
Ein Road-Trip mit dem 40 Fuß Wohncontainer nach Schweden

... und dann beginnt der Road-Trip mit dem 40 Fuß Wohncontainer nach Schweden

 

Episode 4: Container platzieren in Skorped

Wenn unsere beiden Fahrer mit dem Container in Skorped eingetroffen sind, gibt es natürlich erst einmal ein großes Willkommensessen. Dann wird der Anhänger mit Container so vor dem Haus platziert, dass er parallel zur Straße und damit nahezu waagerecht steht, sodass man optimal darin arbeiten kann. Nach einer Zwischenübernachtung und einem stärkenden Frühstück geht es für Maik und Schotti dann wieder an den Rückweg.

Der 40 Fuß Wohncontainer wird auf unserem Grundstück abgestellt

Der 40 Fuß Wohncontainer wird auf unserem Grundstück abgestellt.

 

Episode 5: Die Heimreise nach Deutschland

Hierbei würden sie die ersten 1000 km mit der entlasteten LKW-Zugmaschine zurückfahren und diese dann in Hamburg bei einer weiteren Zweigfiliale von EURO-Leasing abgeben. Von dort aus ginge es dann weiter mit einem kleinen Leihwagen von StarCar, den wir dank Kostenfrei-Mieten-Service sogar vollkommen umsonst, inklusive einer Tankfüllung bekommen konnten, da er ohnehin nach Nürnberg überführt werden sollte. Damit wäre die Odyssee der Container-Überführung nach Schweden dann abgeschlossen und Heiko konnte bereits mit den ersten Vorbereitungen und Renovierungsarbeiten beginnen. Shania würde kurz darauf zumindest erst einmal für einige Zeit hochfahren, um ihn zu unterstützen und ich konnte Anfang Januar dann nachkommen.

Und auf geht die Fahrt zurück nach Deutschland

Und auf geht die Fahrt zurück nach Deutschland.

 

Die Hoffnung stirbt zuletzt

So weit wie gesagt der Plan! Dass dann natürlich letztlich alles vollkommen anders kam und im Grunde nichts so verlief wie es hätte verlaufen sollen, war eigentlich nicht einmal besonders überraschend. Aber davon berichten wir euch in den kommenden Artikeln…

Ob dieser Plan jemals aufgehen wird, steht leider noch in den Sternen

Ob dieser Plan jemals aufgehen wird, steht leider noch in den Sternen.

 

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