Was ist Erlebnispädagogik? Definition, Methoden & Ziele

von Heiko Gärtner
24.01.2022 19:52 Uhr

Was ist Erlebnispädagogik?

Erlebnispädagogik ist eine besondere Form der Pädagogik, bei der die Erziehung und Entwicklung der Schützlinge durch die Arbeit mit bewusst und gezielt erschaffenen Erlebnissen und Abenteuern erreicht wird. „Schützlinge“ also die Menschen, mit denen hier erlebnispädagogisch gearbeitet wird, können dabei sowohl Kinder und Jugendlich als auch Erwachsene oder Senioren sein.

Anders als bei vielen anderen pädagogischen Stilrichtungen nehmen die Teilnehmer von erlebnispädagogischen Programmen das Geschehen nicht in erster Linie als pädagogische Arbeit wahr, sondern als ein besonderes, außergewöhnliches und spannendes Erlebnis. Auf diese Weise verlassen sie ihre Alltagssituation und die damit häufig verbundenen starren Rollen- und Verhaltensmuster und können sich selbst auf eine völlig neue Weise kennen lernen. Dies ermöglicht es dem Erlebnispädagogen auf eine besonders tiefe und intensive Art mit seinen Klienten in deren Lebensthemen einzutauchen und ihnen so bei ihrer Entwicklung zu helfen.

Das Rahmenprogramm für die erlebnispädagogische Arbeit kann dabei sehr unterschiedlich ausfallen. Für gewöhnlich finden die Programme jedoch direkt in der Natur statt und nutzen so deren heilende, harmonisierende und belebende Wirkung. Dabei werden meist verschiedene Outdoorsportarten in das Programm integriert, mit deren Hilfe die entsprechenden Erlebnisse und Abenteuer erschaffen und gestaltet werden.

Ein Erlebnispädagogik Teambuilding draußen in der Natur

Ein Erlebnispädagogik Teambuilding draußen in der Natur

 

Welche Ziele hat die Erlebnispädagogik?

Das primäre und traditionelle Ziel von Erlebnispädagogik ist es, die Klienten bei der Entfaltung ihrer Persönlichkeit, ihrer Selbstwahrnehmung, ihrer Talente und Stärken, aber auch ihres Sozialverhaltens und ihrer Teamfähigkeit zu unterstützen. Zudem werden zumeist Traumata, Blockaden und Ängste sichtbar gemacht und aufgearbeitet. Auf der Ebene der Gruppendynamik und der Zwischenmenschlichkeit geht es zudem um eine Förderung der Kommunikationsfähigkeit, um das Aufdecken und Auflösen von unterschwelligen Konflikten und um die Förderung von gegenseitiger Toleranz, von Mitgefühl, Verständnis und Zusammenarbeit. Es geht also darum, den Klienten den Weg zu einem selbstbestimmten, selbst denkenden, harmonischen und von Lernen und Wachstum geprägten Leben zu ermöglichen.

Ziele der Erlebnispädagogik

Das Ziel der Erlebnispädagogik ist es, Menschen über sich hinaus wachsen zu lassen.

 

Ausdrücklich nicht das Ziel der Erlebnispädagogik ist es, die Klienten zu reinen, funktionierenden unkritischen und emotionslosen Systemrobotern zu erziehen. Gerade, wenn die Erlebnispädagogik jedoch im Rahmen von Klassenfahrten oder als Förderprogramm in Schulen eingesetzt wird, kommt es gelegentlich dazu, dass sie in diese Richtung missbraucht wird. In diesen Fällen wird der Team-Aspekt erlebnispädagogischer Aufgaben dazu verwendet, den Teilnehmern das Leben als funktionierendes Rädchen innerhalb einer Maschine schmackhaft zu machen. Hier muss man als Pädagoge sehr vorsichtig und gezielt vorgehen, denn der Grad zwischen einem effektiven und erfolgreichen Team, das die Stärken aller zum Vorteil jedes einzelnen wie auch der Gemeinschaft nutzt, und einer getakteten Gesellschaftsmaschine in der jeder nur noch einem vorgegebenen Muster folgt, ist mitunter sehr schmal. Auch wenn sich viele Lehrer von einem erlebnispädagogischen Programm erhoffen, dass sie im Anschluss eine ruhige, harmonische und leicht unterrichtbare Klasse bekommen, ist doch eben gerade dies nicht das Ziel. Ziel ist es zu erreichen, dass jeder einzelne Teilnehmer stets auf seine innere Stimme, also seine Intuition hört und danach so handelt, dass es sowohl seinen eigenen Bedürfnissen als auch denen der Gruppe dient. Dies kann durchaus zu einem harmonischen und lernbereiten Gruppenklima führen, aber nur dann, wenn es keine Konflikte unter der Oberfläche mehr gibt. Wie gesagt, es sind feine Nuancen, um die es hier geht, die nach außen hin vielleicht sogar gleich ausschauen mögen, die aber dennoch einen großen und entscheidenden Unterschied machen. Hier um etwas Klarheit in die Sache zu bekommen eine kurze Gegenüberstellung zwischen den echten Zielen der Erlebnispädagogik und den vorgeschobenen oberflächlichen Lösungen, die gerade nicht erreicht werden sollen:

Teamwork und ein harmonisches Gruppenklima wird in der Erlebnispädagogik Definition ganz groß geschrieben.

Teamwork und ein harmonisches Gruppenklima wird in der Erlebnispädagogik Definition ganz groß geschrieben.

 

Was Erlebnispädagogik sein sollte:

  • Die Teilnehmer nehmen ihre eigenen Gefühle wahr und bringen diese klar und offen zum Ausdruck, so dass unterschwellige Konflikte und Unzufriedenheiten ans Licht kommen und gelöst werden können.
  • Die Teilnehmer achten auf sich und andere und handeln stets so, dass es für sie selbst, wie auch für die Gruppe am besten ist, auch dann, wenn sie damit zunächst einmal anecken und Konfliktsituationen erzeugen.
  • Die Teilnehmer erkennen ihre eigenen Potenziale, aber auch die jeweiligen Schwächen und verteilen Aufgaben so, dass jeder optimal gefördert wird.
  • Die Neugierde sowie das kritische und eigenständige Denken der Teilnehmer wird angeregt. Hinterfragen von alten Mustern und vermeintlichen Wahrheiten wird gefördert und gewünscht.
  • Alles was gelernt wird, soll von den Teilnehmern selbst erlebt und erfahren werden, so dass es zu einem echten Wissen wird.
  • Ängste der Teilnehmer werden bewusst angeschaut und gemeinsam mit der Gruppe bearbeitet, so dass diese sich auflösen und der Betroffene freier und seelisch stärker werden kann.
  • Ziel ist es, seinem Herzen zu folgen und ein möglichst zufriedenes und erfülltes Leben zu haben.
 

Was Erlebnispädagogik nicht sein sollte:

  • Die Teilnehmer unterdrücken ihre Gefühle und versuchen, sie zu ignorieren, so dass die unterschwelligen Konflikte und             Unzufriedenheiten möglichst unsichtbar bleiben und nicht auffallen.
  • Die Teilnehmer verlassen sich blind darauf, was man ihnen sagt und verhalten sich so, dass es für sie am wenigsten Ärger gibt.
  • Einige Gruppenleader übernehmen die zentralen Aufgaben, wären alle anderen lediglich das tun, was man ihnen aufträgt, ohne sich aktiv einzubringen.
  • Die Teilnehmer sollen das annehmen, was man ihnen als „Wahrheit“ vorgibt und es ohne zu hinterfragen glauben.
  • Wissen entsteht rein durch Informationen, die man von außen bekommt, ohne sie selbst erfahren und überprüfen zu können.
  • Ängste haben keinen Platz und werden so gut wie möglich unterdrückt. Wenn sie einen Teilnehmer an der Lösung einer Aufgabe hindern, wird diese möglichst von einem anderen übernommen.
  • Ziel ist es, möglichst gut im System zu funktionieren, auch und gerade wenn dieses disfunktional ist, und Zufriedenheit und Erfüllung im Leben der Betroffenen verhindert.
Ziel der Erlebnispädagogik ist es, unterdrückte Ängste aufzulösen, damit sich der Betroffene sich freier und seelisch stärker fühlt.

Ziel der Erlebnispädagogik ist es, unterdrückte Ängste aufzulösen, damit sich der Betroffene sich freier und seelisch stärker fühlt.

 

Folgende zentrale Aspekte sind stets oder meistens Teil der erlebnispädagogischen Arbeit:

Persönlichkeitsentwicklung

 

Eines der wichtigsten Ziele der Erlebnispädagogik ist es, jeden einzelnen Teilnehmer bei der Entwicklung seiner Persönlichkeit zu unterstützen. Die Frage, die dabei stets nach einer Antwort sucht lautet: „Wer bin ich wirklich?

Bei der Beantwortung dieser Frage macht sich die Erlebnispädagogik einen alten Grundsatz zu Nutze, der da lautet: „Du kennst einen Menschen nicht, bis du ihn nicht im Spiel kennengelernt hast!“

Dabei vereint die Erlebnispädagogik den pädagogischen Nutzen von gemeinschaftlichen Spielen mit dem der Natur und des persönlichen Erlebens. Man lernt sich also immer in einem speziellen Kontext kennen, der sich stark vom Alltag unterscheidet und durch den man Facetten an sich selbst erleben kann, die für gewöhnlich meist unentdeckt bleiben. Zudem bietet die Erlebnispädagogik Methoden durch diesen spielerisch-abenteuerlichen Rahmen einen sicheren Raum, in dem man sich ausprobieren und in dem man neue Wege, Lösungsansätze und Verhaltensmuster austesten kann.

Das wichtigste Element zur Persönlichkeitsentwicklung in der Erlebnispädagogik ist jedoch die Reflexion. Jede Aktion, die im Rahmen eines erlebnispädagogischen Programms stattfindet, wird im Anschluss gemeinsam mit dem Trainer reflektiert, um so wichtige Erkenntnisse herauszuarbeiten, die das vorangegangene Erleben für jeden einzelnen beinhaltet.

Diese Reflexion ist es schließlich, die den Unterschied zwischen einem spaßigen, kurzweiligen Abenteuertag und einem Programm ausmacht, das nachhaltig und tiefgreifend zur persönlichen Entwicklung der Teilnehmer beiträgt.

Ein alter Grundsatz für das Teambuilding lautet: Du kennst einen Menschen nicht, bis du ihn nicht im Spiel kennengelernt hast!

Ein alter Grundsatz für das Teambuilding lautet: Du kennst einen Menschen nicht, bis du ihn nicht im Spiel kennengelernt hast!

 

Ausbildung von Schlüsselkompetenzen

Durch die Arbeit mit dem direkten Erleben ist die Erlebnispädagogik mehr als viele andere pädagogische Ansätze ein ganzheitliches Konzept. Das bedeutet, dass es die beteiligten Menschen auf allen Ebenen fördert und zu einem permanenten Lernfortschritt beiträgt. Dazu gehören sowohl die Erweiterung und das Training der Sinne, die Schulung der Aufmerksamkeit und Präsenz und das Wachstum auf geistiger, seelischer und körperlicher Ebene, als auch die Ausbildung von wichtigen Schlüsselkompetenzen.

Was sind Schlüsselkompetenzen?

Mit Schlüsselkompetenzen werden in der Regel alle Fähigkeiten und Fertigkeiten gemein, die nicht an eine spezielle Tätigkeit oder Disziplin gebunden sind, sondern einem gewissermaßen viele Türen im Leben öffnen. Wenn ich beispielsweise als Bäcker lerne, wie man Brötchen backe, dann entwickle ich in diesem Bereich eine Fachkompetenz, weil sich das Backen der Brötchen auf mein Fachgebiet bezieht. Lerne ich aber gleichzeitig auch noch, wie ich die Selbstdisziplin aufbringe, um jeden Morgen um halb drei aufzustehen und frohen Mutes in die Arbeit zu fahren, dann handelt es sich hierbei um eine Schlüsselkompetenz, da ich das Erlernte übertragen und nahezu in jedem Bereich meines Lebens anwenden kann.

Hier eine Liste der wichtigsten Schlüsselkompetenzen, die durch die Erlebnispädagogik gefördert und ausgebaut werden:
  • Einfühlungsvermögen / Empathie
    Teamfähigkeit. Verantwortungsbewusstsein und vieles mehr, werden gefördert und ausgebaut.

    Teamfähigkeit. Verantwortungsbewusstsein und vieles mehr, werden gefördert und ausgebaut.

  • Teamfähigkeit
  • Kommunikationsfähigkeit
  • Kritikfähigkeit
  • Selbstmotivation / Eigeninitiative / Engagement
  • Lösungsorientierung
  • Widerstandsfähigkeit
  • Flexibilität
  • Lernbereitschaft
  • Selbstdisziplin
  • Selbstsorganisation
  • Selbstreflexion
  • Selbstvertrauen
  • Stressresistenz
  • Verantwortungsbewusstsein
  • analytisches, vernetztes Denken
  • Transferfähigkeit
   

Selbsterfahrung in und mit der Natur

Die Natur ist fast immer der Dreh-, Angelpunkt der Erlebnispädagogik Ziele. Sie dient in den meisten Fällen als Umgebung und Veranstaltungsort und wird darüber hinaus auch meist auch auf verschiedenste Art und Weise in das Programm mit einbezogen.

Die Idee dahinter ist die, dass uns allein die Gegenwart der Natur bereits dabei hilft, wieder zu unserem wahren Sein zurückzufinden. Ein zentrales Problem unserer heutigen Gesellschaft, mit dem wir uns fast immer konfrontiert sehen, ist die Entfremdung. So wie die Natur einst unser Zuhause und gleichzeitig auch unser Versorger unser Klassenzimmer unser Mentor und unser Lebensmittelpunkt war, ist sie heute zu etwas vollkommen fremden, oftmals sogar beängstigendem geworden. Wir wachsen in einer medialen, verstädterten Welt auf, in dem wir in der Regel bereits lernen, mit einem Smartphone umzugehen, noch bevor wir sprechen können. Wir erhalten jedoch keinen Bezug mehr zu Pflanzen und Tieren, solange es sich nicht um Zimmerpflanzen und Haustiere handelt, die von ihrer Natur fast ebenso entfremdet sind, wie wir von unserer.

Kinder aus einem Naturvolk kennen ganz selbstverständlich die natürliche Ordnung, die bei der Erlebnispädagogik erlernt wird.

Kinder aus einem Naturvolk kennen ganz selbstverständlich die natürliche Ordnung, die bei der Erlebnispädagogik erlernt wird.

Daraus ergeben sich eine ganze Vielzahl von Problemen. In der Natur gibt es eine natürliche Ordnung. Alles folgt einfachen und leicht nachvollziehbaren Regeln, an die sich jedes Lebewesen zu halten hat. Eine Maus muss sich schnell und unauffällig verhalten, wenn sie nicht von einem ihrer vielen Fressfeinde verspeist werden will. Das Gleiche gilt in einem Naturvolk auch für die heranwachsenden Kinder. In unserer modernen Zivilisation haben wir jedoch eine Welt erschaffen, in der Handlungen keine natürlichen Konsequenzen mehr haben. Es ist daher möglich, dass wir uns vollkommen destruktiv verhalten und sowohl, unser eigenes Leben als auch das von anderen dadurch empfindlich stören, ohne dass dies direkte, spürbare Auswirkungen auf uns hat. Im Gegenteil. Oftmals lernen wir in unserer Gesellschaft sogar, dass destruktive Verhaltensmuster belohnt werden. Dies führt zu einer vollkommenen Desorientierung, da wir in unserem tiefsten inneren spüren und auch wissen, dass wir uns unangemessen verhalten, von außen durch das Belohnungsprinzip jedoch gespiegelt bekommen, dass wir dieses Verhalten ausbauen und weiter durchführen sollen.

Wenn wir nun als Pädagogen innerhalb dieses verschobenen Systems versuchen, den Kindern ein unserer Meinung nach „richtiges“ Verhalten beizubringen und ihr „falsches“ Verhalten zu ahnden, dann werden unsere Maßnahmen zwangsläufig als willkürlich und als von außen an uns herangetragene Belohnungen und Bestrafungen wahrgenommen. Wie sollte dies auch anders sein?

Aus der Perspektive eines Kindes betrachtet sieht dies folgendermaßen aus: Ich lerne jeden Tag aufs neue in unzähligen Situationen mit meinen eigenen Eltern, mit Erziehern und anderen Personen, dass ich immer mit einem Leckerli und besonderer Aufmerksamkeit belohnt werde, wenn ich grundlos herumschreie, meine Mitmenschen schlage, wenn ich laut weine und quengele oder mich stur jedem Vorschlag verweigere. Und dann kommt ein Mensch auf mich zu, bei dem werde ich plötzlich für das gleiche Verhalten bestraft. Wie sollte ich diese Situation nun so wahrnehmen, dass ich etwas an meinem Verhalten ändern soll? Viel mehr muss ich ja die Konsequenz daraus ziehen, dass dieser eine Mensch komisch ist und ich ihn lieber meiden sollte. Vor allem dann, wenn ich hinter seiner Reaktion auf mein Verhalten kein nachvollziehbares System erkennen kann. Und genau dabei hilft uns die Arbeit mit der Natur. Sie spannt den Bogen so, dass nun nicht mehr wir es sind, die ein Kind für ein unangemessenes Verhalten bestrafen, sondern dass es die Natur selbst ist, die auf jedes Verhalten mit einer logischen Konsequenz reagiert. Bin ich als Fuchs zu faul zum Jagen und hänge stattdessen lieber mit meinen Kumpels in meinem Bau herum, dann werde ich dafür nicht bestraft. Ich habe nur eben auch nichts zu essen und muss hungern, da ich ja keine Beute gemacht habe. Schreie ich als junges Küken ununterbrochen meine Eltern an, um mehr zum Fressen zu bekommen, dann werden diese mich dafür nicht verstoßen oder mir Hausarrest erteilen. Aber die Chance ist hoch, dass ein Bussard auf mich aufmerksam wird und mich als willkommenen Snack für zwischendurch ansieht.

Erlebnispädagogen führen ihre Schützlinge spielerisch wieder in eine tiefe Verbindung mit der Natur zurück

Erlebnispädagogen führen ihre Schützlinge spielerisch wieder in eine tiefe Verbindung mit der Natur zurück.

 

Gleichzeitig befindet sich die Natur an Orten, an denen sie noch überwiegend intakt ist, in einer natürlichen Harmonie. Alles hier ist auf Heilung, Wachstum und Balance ausgerichtet. Diese Ausstrahlung spüren wir als sogenannte Baseline, also als Grundstimmung, wenn wir uns in einen Wald begeben. Aus diesem Grund empfinden viele Menschen das bloße Spazieren oder Verweilen in der Natur bereits als heilsam, aufbauend, inspirierend oder beruhigend. Wer mit einer unruhigen Teilnehmer Gruppe in den Wald hinaus geht und dort sein erlebnispädagogisches Programm durchführt, der wird feststellen, dass die Teilnehmer mit der Zeit immer ruhiger werden, je länger sie sich in der Gegenwart der Bäume aufhalten. Dieser Effekt tritt bei der gleichen Arbeit in einem Seminarraum oder in einem Stadtzentrum nicht ein.

Dies sind einige Gründe dafür, warum die Erlebnispädagogik bis auf wenige Ausnahmen fast immer in der Natur stattfindet.

Die vielen Erlebnispädagogik Methoden der Spiele, werden zusammen mit der Gruppe in der Natur durchgeführt.

Die vielen Erlebnispädagogik Methoden der Spiele, werden zusammen mit der Gruppe in der Natur durchgeführt.

 

Teamtraining und Gruppendynamik

Eine weitere Besonderheit der Erlebnispädagogik ist, dass sie fast immer in Gruppen stattfindet und dass diese Gruppe auch einen wichtigen Anteil an der Arbeit jedes einzelnen hat. So geht es in der Erlebnispädagogik zwar stets um die persönliche Entwicklung der Teilnehmer, jedoch immer in Bezugnahme zur Gruppe. Auch hier steht wieder eine besondere Philosophie und Absicht dahinter. So ist das außen stets ein Spiegel unseres Inneren und umgekehrt. Nicht umsonst heißt es: „Du wirst das, mit dem du dich umgibst.“ Unser gesamtes Umfeld, unsere Familie unsere Freunde und Verwandten, aber auch unsere Kultur prägen unsere Persönlichkeit und machen uns zu dem, was wir sind. Andersherum ist die Welt stets das, wofür wir sie halten. Das bedeutet, dass wir alles, was wir in unserer Seele mit uns herumtragen, seien es nun Ängste, Überzeugungen, Weltbilder, ungelebte Gefühle oder was auch immer, stets mit jeder Faser unseres Körpers nach außen strahlen. Und wie das Licht einer Taschenlampe werden diese Ausstrahlungen von unserem Außen reflektiert und wieder zu uns zurückgespiegelt. Alles, was wir im Außen sehen können, ist also stets ein Abbild unser eigenen Seele.

Daher ist die Arbeit mit Gruppen so wichtig. Jeder einzelne Teilnehmer erkennt sich selbst in der Gruppengemeinschaft am leichtesten und kann sich sein Verhalten, seine Persönlichkeit, seine Charakterzüge, und vieles mehr stets von dieser reflektieren lassen.

Gleichzeitig sind wir Menschen soziale Wesen, die einen Großteil ihres Lebens in Gemeinschaft mit anderen Menschen verbringen. Wie zufrieden wir mit unseren Leben sind und wie erfüllt und glücklich wir uns finden, hängt also im Wesentlichen auch davon ab, wie gut wir uns mit unseren Bezugsgruppen zurechtfinden. Unser beruflicher Erfolg hängt zu einem großen Teil davon ab, wie gut uns der Umgang mit unseren Kollegen gelingt und wie stark wir als Team zusammenarbeiten können. Unser privates Glück wird überwiegend dadurch bestimmt, wie gut wir romantische Beziehungen führen können, wie offen und herzlich die Beziehungen zu unseren Freunden sind, wie gut es uns gelingt, einen Bezug zu unseren Eltern und Kindern aufzubauen und wie gut wir uns beispielsweise in Vereinen und anderen Freizeitgruppen organisieren können. Selbst unser schulischer Erfolg hängt davon ab, wie gut wir uns in unserer Klasse zurechtfinden und ob sie als Ganzes eher darauf ausgelegt ist, ihre einzelnen Mitglieder zu unterstützen oder gegeneinander auszuspielen.

Je besser also unsere Teamfähigkeiten sind, desto klarer und offener wir kommunizieren können, je genauer wir die Absichten und Charakterzüge unserer Mitmenschen erkennen und je offener wir mit unseren eigenen Gefühlen, Wünschen und Bedürfnissen umgehen können, desto erfüllter wird auch unser Sozialleben und damit unser Leben an sich.

Einfühlungsvermögen und Verantwortungsbewusstsein wird im Teambuilding bei der Erlebnispädagogik gefördert.

Einfühlungsvermögen und Verantwortungsbewusstsein wird im Teambuilding bei der Erlebnispädagogik gefördert.

   

Auseinandersetzung mit der eigenen Persönlichkeit

Erlebnispädagogik Methoden sind zu einem großen Teil immer auch Selbsterfahrung. Alles an den künstlich erzeugten Abenteuern, in die der Erlebnispädagoge seine Klienten führt, dient dazu, dass sich jeder von ihnen besser kennen lernen und und sich mit seiner eigenen Persönlichkeit auseinandersetzen kann. Im Alltag sind wir leider sehr oft unreflektiert. Wir nehmen zwar gewisse Strukturen wahr, erkennen aber nicht, wie sie funktionieren und warum sie da sind. So halten wir uns dann einfach für tollpatschig, rachsüchtig, faul, verplant, jähzornig, unkonzentriert, unsportlich, dumm, oder beziehungsunfähig und glauben, dass dies wohl einfach zu unserer Persönlichkeit gehört. In gewisser Weise finden wir uns dann damit ab, haben aber oft das Gefühl, dadurch etwas zu verpassen oder nie ganz so sein zu können, wie wir eigentlich sein wollen. Noch weitaus öfter geben wir jedoch dem Außen die Schuld und beißen uns auf dem Standpunkt fest, alle Frauen oder alle Männer wären eben Schweine, niemand nehme uns richtig wahr, keiner könne uns verstehen, alle seien Nervensägen und so weiter.

Erst, wenn wir uns aus einer neuen Perspektive wahrnehmen, können wir erkennen, dass als dies nicht in Stein gemeißelt ist. Alles besteht aus Ursache und Wirkung und wenn wir das Konzept dahinter verstehen, erkennen wir auch, dass die Dinge wandelbar sind. So ist es nicht unser Schicksal, dass wir immer wieder von unseren Partnern betrogen werden, dass uns alles, was wir anpacken schief geht oder dass wir nie so richtig erfolgreich werden. Es ist vielmehr die Folge von Handlungsabläufen und Verhaltensmustern, die uns nicht bewusst sind, die wir aber immer und immer wieder auf die gleiche Weise ausüben. Wie also sollte sich in unserem Leben etwas ändern, wenn wir immer wieder genau dasselbe tun? Die Erlebnispädagogik gibt uns die Möglichkeit, diese Verhaltens-Schleifen zu erkennen und zu verändern, so dass wir zunächst einmal begreifen, warum wir da stehen, wo wir stehen. In weiteren Schritten geht es dann darum, herauszufinden, wo wir sein wollen, bzw. worin unsere Lebensaufgabe besteht. Und schließlich geht es um die Frage, wie wir den Weg von unserem aktuellen Lern- und Entwicklungs-Ich hin zu unserem wahren Sein meistern können.

Im Alltag sind wir leider sehr oft unreflektiert, daher bedeutet Erlebnispädagogik auch sich mit seiner Persönlichkeit auseinander zu setzen.

Im Alltag sind wir leider sehr oft unreflektiert, daher bedeutet Erlebnispädagogik auch sich mit seiner Persönlichkeit auseinander zu setzen.

 

Sichtbarmachung und Auflösung von Konflikten

Unser Alltagsleben, sei es nun in der Schule, auf der Arbeit oder privat, ist in der Regel von Aufgaben und Pflichten bestimmt. Wir haben fast ständig das Gefühl, irgendetwas erledigen zu müssen. Dies führt leider auch dafür, dass wir uns für andere, wesentliche Dinge keine Zeit nehmen. Allem voran den zunächst leise heranpirschenden und dann immer akuter werdenden zwischenmenschlichen Konflikten. Wir neigen dazu, unsere eigenen Gefühle so lange wie möglich in uns hinein zu fressen und Unzufriedenheiten mit verschiedensten Situationen zunächst einmal auszuhalten. Das hat jedoch den Nachteil, dass wir dadurch nichts lösen, sondern nur immer weiter aufstauen, bis es irgendwann zu einem schier unüberwindbaren Berg wird. Genau dies lässt sich mit einfachen Mitteln in der zwischenmenschlichen Kommunikation verhindern, wenn wir uns an gewisse Regeln und Prinzipien halten. (Siehe hierzu auch den Artikel „The Art of True-Speaking“.

In der Erlebnispädagogik können die bereits bestehenden, unterschwelligen Konflikte mit Hilfe verschiedener Techniken, wie beispielsweise Kooperationsaufgaben und gruppendynamischen Spielen, aber auch durch das Erschaffen von außergewöhnlichen Situationen, die meist eine gewisse Herausforderung beinhalten, sichtbar gemacht werden. Mit verschiedensten Reflexionsverfahren werden dann zum einen die Kommunikationsblockade dahinter und zum anderen der Konflikt selbst behandelt und gelöst, so dass wieder eine echte und nicht nur eine gespielte Harmonie in die Gruppe einkehren kann. Beliebte und sehr erfolgreiche Methoden der Konfliktlösung, die in der Erlebnispädagogik angewandt werden sind unter anderem die Mediation und der indianische Redekreis, der in verschiedenen Naturvölkern überall auf der Erde eine lange Tradition hat.

Gefühle, Ängste und Bedenken werden im Art of True Speaking immer ehrlich angesprochen.

Gefühle, Ängste und Bedenken werden im Art of True Speaking immer ehrlich angesprochen.

 

Inspiration und Perspektiverweiterung

Eine der größten Stärken der Erlebnispädagogik Ziele ist es, dass man durch sie ermuntert und ermutigt wird, lauter neue Dinge auszuprobieren, die man noch nie zuvor getan hat. Sie stellt einen sicheren Rahmen zum Experimentieren dar und fordert einen gleichzeitig immer wieder auf, über den eigenen Schatten zu springen, die eigenen Grenzen zu erweitern und alte, einengende Denkmuster abzulegen. Dadurch wird die generelle Grundhaltung der Teilnehmer vom bei uns üblichen Fokus aus das „geht nicht“ hin zur Lösungsorientiertheit und zum Ausprobieren unkonventioneller Wege geleitet. Plötzlich erscheint einem die Welt viel mehr Möglichkeiten und Wege zu bieten, als dies noch vor wenigen Stunden der Fall war. Außerdem führt es einen an Themen und Interessensgebiete heran, mit denen man normalerweise nur schwer in Kontakt kommt. Auf diese Weise können die Teilnehmer für sich erkennen, was ihnen Spaß, Freude und Erfüllung bereitet und was eher keinen Platz in ihrem Leben einnimmt.

 

Mit welchen Methoden wird in der Erlebnispädagogik gearbeitet?

Die Aufgaben werden als Erlebnispädagogik Ziel so gewählt, dass ein größtmögliches Entwicklungspotential entsteht.

Die Aufgaben werden als Erlebnispädagogik Ziel so gewählt, dass ein größtmögliches Entwicklungspotential entsteht.

Ähnlich wie die Wildnispädagogik, die Kunstpädagogik, die Theaterpädagogik und die Musikpädagogik, ist auch die Erlebnispädagogik eine aktive Erziehungsform, die davon lebt, dass der Pädagoge ein bestimmtes Medium nutzt, über das er dann pädagogisch tätig wird.

Im Falle der Erlebnispädagogik Methoden wird sogar auf verschiedene Medien zurückgegriffen, die vor allem durch ihre Kombination die volle Erziehungswirkung entfalten. In jedem Fall geht es darum, dass die Teilnehmer selbst aktiv werden und sich in neue, zumeist herausfordernde Situationen begeben, die sie selbst lösen müssen. Das Ziel dabei ist es, diese Aufgaben so zu stellen, dass für die Teilnehmer in der Beschäftigung damit das größtmögliche Entwicklungspotential entsteht. Im Spiel, in der Aktion sollen sie sich selbst wie auch ihre Mitstreiter kennen lernen und dabei vor allem auf Bereiche in ihrer Persönlichkeit und in ihren zwischenmenschlichen Beziehungen aufmerksam werden, die normalerweise verborgen oder unbemerkt bleiben. Auf diese Weise dient die Aktion der Selbsterfahrung und bietet die Möglichkeit, bewusst und aktiv an Lebensthemen, Problemen, Blockaden, Neurosen, Ängsten und ähnlichem zu arbeiten.

Das Hauptmedium, das in der Erlebnispädagogik verwendet wird, sind Outdoorsportarten wie beispielsweise Klettern, Abseilen, Floß Kanu fahren und so weiter. Diese Sportarten bieten zumeist den zentralen Kern eines erlebnispädagogischen Programms. Kombiniert werden sie in der Regel mit erlebnispädagogischen Spielen, die trotz des spielerischen Charakters den Fokus noch einmal mehr auf die zu entwickelnden Schlüsselkompetenzen bzw. die zu lösenden Konflikt- oder Lebensthemen legen. Das dritte, unverzichtbare, zentrale Element ist die Reflexion der vorangegangenen Aktionen, das Ziehen eines Resümees und das daraus entwickelte Indroducement für die kommenden Aktionen.

Außerdem gibt es fast immer eine Komponente, die sich auf eine direkte oder indirekte Naturerfahrung bezieht. Einige erlebnispädagogische Spielarten nutzen zudem das Medium von erlebbaren Geschichten und betten das komplette Programm in den Rahmen eines fantasievollen Handlungs-Szenarios ein, bei dem meist auch die Teilnehmer verschiedene Rollen übernehmen und so noch einmal tiefer in die Selbsterfahrung eintauchen können. Die Geschichten lehnen sich dabei zumeist an klassische Heldenreisen an, da hier das Element der Entwicklung und des persönlichen Wachstums stets eine zentrale Rolle spielt.

Die Erlebnispädagogik Spiele sind ein zentrales Element, sowie eine direkte oder indirekte Naturerfahrung.

Die Erlebnispädagogik Spiele sind ein zentrales Element, sowie eine direkte oder indirekte Naturerfahrung.

 

Erlebnispädagogik-Spiele

Spiele sind ein zentrales Element der Erlebnispädagogik. Sie dienen dabei jedoch nicht nur der Unterhaltung und dem Vergnügen, sondern auch dem Lernfortschritt, der Selbsterkenntnis, dem Sichtbarmachen von Gruppendynamiken und Konflikten, sowie dem Ausbau von Fähigkeiten und Schlüsselkompetenzen. Dabei werden je nach Prozessphase unterschiedliche Typen und Arten von Spielen eingesetzt und miteinander kombiniert. Worum es bei diesen Spielen genau geht und was es darüber zu wissen gibt, findet ihr in unserem Artikel „Erlebnispädagogik Geschenke“.

   

Reflexion und Selbstbeobachtung

Der Kernschlüssel, um den sich bei der Erlebnispädagogik letztlich alles dreht, ist die Selbsterfahrung und die damit verbundene Möglichkeit der Selbstbeobachtung. In unserem Alltag sind wir es gewohnt, einfach mehr oder weniger zu funktionieren. Je hektischer es dabei wird, desto weniger Zeit nehmen wir uns, um innezuhalten und darüber nachzudenken, was wir eigentlich gerade tun. Warum handeln wir, wie wir handeln? Was motiviert uns gerade? Handeln wir aus unserer eigenen Überzeugung heraus oder aus einem Gefühl der Verpflichtung oder des Zwanges. Haben wir das Gefühl, bestimmte Dinge tun zu müssen? Wenn ja, woher kommt das? Wie wohl fühlen wir uns mit unserer aktuellen Lebenssituation? Wie geht es uns mit unserem Partner, unserem Job, unserer Familie, unserer aktuellen Rolle? Welche geheimen Träume, Wünsche und Leidenschaften tragen wir in uns, die wir uns nicht zu leben trauen? Welche Ängste halten uns davon ab, wirklich wir selbst zu sein? Gibt es unterdrückte Gefühle, die uns belasten? Welche Gedankenmuster und Gedankenketten spuken uns wieder und wieder im Kopf herum? Auf welche Triggerpunkte reagieren wir, so dass wir manipulierbar werden? Wie gut kommen wir mit unseren Mitmenschen zurecht? Gelingt es uns stets, unseren eigenen Standpunkt zu vertreten und uns treu zu bleiben oder lassen wir uns verbiegen, wie es gerade passt? Sind wir offen uns flexibel oder starr, steif und eingefahren? Wie gut gelingt uns die zwischenmenschliche Kommunikation? Oder die Kommunikation mit uns selbst?

Diese und viele weitere Fragen können wir uns durch die erlebnispädagogischen Methoden nach und nach beantworten. Dadurch gelingt es den Teilnehmern wie auch dem Trainer immer mehr, sich selbst kennen zu lernen und zu erkennen, welche Aufgabe wir in unserem Leben wirklich haben.

Mehr zu den Methoden der Reflexion und der Selbstbeobachtung findet ihr in unserem Artikel „Reflexionsmethoden“.

 

Abenteuer und Heldenreise

Die universelle Macht oder auch das Universum stehen immer wieder für die Ausdehnung und Vergrößerung unserer Selbst.

Die universelle Macht oder auch das Universum stehen immer wieder für die Ausdehnung und Vergrößerung unserer Selbst.

Das Thema der persönlichen Entwicklung und des Über-Sich-Hinaus-Wachsens ist seit der Antike ein zentrales Thema der Menschheit. Wir streben stets danach, etwas mehr zu sein, als wir gerade sind. Wir wollen uns ausdehnen und wachsen. In der Naturphilosophie, wie auch in vielen anderen Weltanschauungen, Philosophien und Religionen, wird dieses Phänomen damit erklärt, dass auch das Universum, bzw. die universelle Macht oder Kraft dahinter nach stetiger Ausdehnung und Vergrößerung steht. Diese Kraft wird im christlichen Glauben als Gott, in anderen Weltanschauungen als All-Energie, All-Präsenz oder auch einfach als Liebe bezeichnet. Da wir alle ein Teil davon sind, steckt auch der Wunsch nach Liebesausdehnung in jedem von uns.

Unabhängig davon ist dieses Streben nach Wachstum und Ausdehnung auch seit der Antike der Inhalt nahezu jeder Geschichte, jedes Märchens und jeder Sage, die jemals von Menschen verfasst wurde. All diese Geschichten haben einen anderen Inhalt, drehen sich um andere Themen, spielen in anderen Zeiten und sogar in anderen Welten oder Dimensionen. Und dennoch bleibt der zentrale Handlungsstrang, also der rote Faden, an dem sich alles entlang hangelt nahezu immer der gleiche. Diese Kernthematik wird als „Heldenreise“ bezeichnet und enthält in der Regel die folgenden Stationen:

  1. Der Protagonist befindet sich in seiner Komfortzone. Es geht ihm nicht schlecht, aber es findet auch nahezu keine Entwicklung statt.
  2. Erste Anzeichen einer äußeren Veränderung bahnen sich an und lassen bereits erkennen, dass der Protagonist früher oder später einen Wandlungsprozess durchlaufen muss. Dieser will es jedoch meist noch nicht wahr haben und ignoriert oder verweigert die Aufforderung.
  3. Irgendetwas sorgt dafür, dass der Protagonist nicht länger in seiner Komfortzone bleiben kann. Er muss aus ihr heraus in einen Risikobereich treten, in dem er nicht mehr sicher ist und in dem er nun ein Abenteuer bestehen muss. In Märchen, Sagen und Fantasiegeschichten passiert dieser Schritt in der Regel dadurch, dass man in eine sogenannte „Anderswelt“ eintreten muss, um dort etwas zu finden oder zu erledigen, durch das man seine Heimat vor einer Bedrohung retten kann. In Krimis und Thrillern taucht überwiegend ein Mörder oder Gewaltverbrecher auf, den es zu jagen gilt. In Liebesfilmen und Komödien ist dies der Punkt, an dem man erkennt, dass man die große Liebe nur dann erobern kann, wenn man über seinen Schatten springt und seine Schüchternheit, seine Angst oder seine Unnahbarkeit überwindet.
  4. Der Protagonist erkennt seine eigenen Schwächen im Angesicht der neuen Aufgabe. Er beginnt an sich zu zweifeln und wünscht sich sein Leben in Sicherheit zurück.
  5. Entweder durch einen inneren Entschluss oder auf Drängen der äußeren Bedingungen entscheidet sich der Protagonist, ein Held zu sein und sich seinen Herausforderungen zu stellen. Dazu gibt es in der Regel einen Mentor, der ihn auf das kommende Vorbereitet und ihn ausbildet. Dies kann auf unterschiedlichste Art und Weise passieren. Beispielsweise durch eine echte Ausbildung, aber auch durch kleinere Herausforderungen, die es vor der Großen zu meistern gilt und durch die der Held immer stärker und stärker wird. In Liebesfilmen sind es häufig Freunde oder auch Fremde, die dem Protagonisten Tanzen, Singen, Etikette oder etwas ähnliches beibringen, um das Herz der geliebten Person erobern zu können. Oder es ist ein holpriger Weg voller Hindernisse, der einen am Ende aber doch in das richtige paar Arme treibt.
  6. Der neu gebackene Held stellt sich seinem „Endgegner“ und besiegt ihn, wodurch er den größten Wachstumsschritt macht und gleichzeitig beweist, wie sehr er zuvor bereits gewachsen ist.
  7. Der Held kehrt als neuer, größerer Charakter nach Hause in die Sicherheits-Zone zurück, die sich nun größer, weiter, freier und glücksverheißender darstellt als zuvor.
  8. Hier gibt es zwei unterschiedliche Varianten. Entweder es folgt das Prinzip von „Sie lebten glücklich und zufrieden, bis an ihr Lebensende“, das verdeutlicht, dass der Held nun seine Lebensaufgabe erfüllt hat, oder er wird ersichtlich, dass eine neue Herausforderung auf ihn wartet, die ihm einen weiteren Wachstumsschub ermöglicht.
Für jeden Helden ist ein Wachstumsschub vorprogrammiert, der durch eine Herausforderung an sich gewachsen ist.

Für jeden Helden ist ein Wachstumsschub vorprogrammiert, der durch eine Herausforderung an sich gewachsen ist.

 

Diese Punkte sind natürlich archetypisch und können in ihrer Intensität sehr stark variieren. Außerdem gibt es Geschichten, bei denen der Held scheitert und seine Aufgabe entweder nicht erfüllt, oder bei der er sie erfüllt, dabei aber am Ende stirbt. Zudem gibt es Geschichten, bei denen thematisiert wird, dass der Protagonist von seinem Weg abkommt und seine Reise eben nicht antritt. Doch auch in diesen Geschichten ist das Grundprinzip des eigentlich angestrebten Wachstums durch die Heldenreise immer irgendwo enthalten, und sei es als Negativum durch das bewusste aussparen.

Wenn man nun bedenkt, dass diese Heldenreise in nahezu jedem Buch, jedem Film, jedem Theaterstück und sogar in vielen Liedern und Gedichten beschrieben wird, dann wird klar, dass eine gewisse Faszination davon ausgehen muss. Diese Faszination kommt daher, dass die Heldenreise auch den Idealverlauf unseres eigenen Wachstumsprozesses und damit ein Vorbild für unser eigenes Leben darstellt.

Manch erlebnispädagogisches Programm wird als eine Art Heldenreise aufgebaut.

Manch erlebnispädagogisches Programm wird als eine Art Heldenreise aufgebaut.

Genau dies wird häufig auch in der Erlebnispädagogik genutzt, um gezielte Wachstumsprozesse bei den Teilnehmern anzustoßen. Dazu wird auch das erlebnispädagogische Programm als eine Art Heldenreise aufgebaut. Wie das im Einzelnen aussieht kann sehr stark variieren und hängt unter anderem auch vom Alter der Teilnehmer ab. Es kann sich also rein um einen kaum spürbaren, subtilen roten Faden im Programmablauf handeln, durch den die Teilnehmer, ohne es sich wirklich bewusst zu sein, den gleichen Prozess durchlaufen, wie die Protagonisten in den Geschichten. Es kann aber auch sein, dass mit Hilfe von gezielt gewählten Kulissen, Kostümen, Rollenverteilungen und regelrechten Drehbüchern, eine erlebbare Geschichte erschaffen wird, bei der die Teilnehmer selbst mit allen Sinnen in die Heldenreise eintauchen. Dies wird vor allem bei jüngeren Kindern gemacht, deren Fantasie noch ausreicht, um wirklich in die Geschichte einzutauchen. Um derartige, erlebbare Geschichten zu gestalten bedienen sich die Erlebnispädagogik Methoden häufig an Elementen, Requisiten und Methoden aus der sogenannten LARP-Szene, also dem „Live Action Role-Play", bei dem die Teilnehmer ebenfalls in andere Welten oder Zeiten eintauchen und verschiedene Szenarien und Abenteuer durchspielen. Mehr zu diesem Thema findet ihr unter Erlebbare Geschichten und LARP, in den entsprechenden Wikis.

   

Outdoorsportarten

Wie bereits beschrieben ist handelt es sich bei dem Hauptwerkzeug der Erlebnispädagogik um sogenannte Outdoorsportarten. Wie der Name vermuten lässt, handelt es sich dabei um Sportarten, die überwiegend oder ausschließlich draußen und meist in Verbindung mit einer direkten Naturerfahrung stattfinden. Die beliebtesten Outdoorsportarten sind dabei die folgenden:

1. Hochseilgarten und Teamparks

Hochseilgärten zählen zu den häufigsten und beliebtesten Sportelementen in der Erlebnispädagogik. Das liegt unter anderem daran, dass sie für eine pädagogische Nutzung im Sinne der Erlebnispädagogik wie geschaffen sind. Sie stellen für den Teilnehmer eine Herausforderung dar, die als Gefahrensituation und daher auch als Abenteuer wahrgenommen wird. Gleichzeitig, lässt sich das Risiko von Seiten der Trainer, bzw. Veranstalter sehr genau kalkulieren und durch entsprechende Sicherheitsvorkehrungen minimieren. So gibt es heute Sicherungssysteme für Hochseilgärten, bei denen die Teilnehmer nicht einmal mehr die Chance haben, sich aus Versehen zu entsichern und ohne Schutz auf einer Plattform in der Höhe zu stehen.

Es gibt aber noch weitere Eigenschaften von Hochseilgärten, die sie für die Erlebnispädagogik Definition so interessant machen. Zunächst einmal braucht man keinerlei Vorkenntnisse, um sie nutzen zu können. Die Teilnehmer benötigen bis auf eine Sicherheitseinweisung also keine Ausbildung und kein vorangegangenes Training. Gleichzeitig lässt sich der Schwierigkeitsgrad der Hochseilparcours sehr leicht variieren, so dass man mit nur wenigen Elementen unterschiedlichste Zielgruppen mit verschiedensten Erfahrungswerten erreichen kann. Zudem können mit Hilfe der Hochseilelemente unterschiedliche Ängste oder Blockaden in den Teilnehmern angetriggert werden. Die einen haben möglicherweise das größte Problem mit der Höhe, anderen fällt es schwer, sich fallen zu lassen und für wieder andere besteht die größte Herausforderung darin, ihrem eigenen Gleichgewicht oder ihrer Armkraft zu vertrauen. So können über das Element des Hochseilgartens verschiedene Entwicklungsprozesse angestoßen werden, die der Pädagoge dann in der weiteren Arbeit wieder mit aufgreift.

Und schließlich bieten Hochseilgärten auch reichlich Möglichkeiten, um die Teilnehmer zur Zusammenarbeit und zum Teamwork zu animieren. Hierzu gibt es neben den üblichen Abenteuerparks auch spezielle Teamseilgärten, in denen die Teilnehmer paarweise zusammenarbeiten müssen, um ein Element bewältigen zu können. Hierbei werden die ausübenden Teilnehmer zumeist von einem Teil ihrer Gruppenmitglieder gesichert, so dass neben dem Aspekt der Kooperation auch der des Vertrauens und der der gegenseitigen Verantwortung in die Aktion mit einfließt. Viele Erlebnispädagogik-Anbieter in Deutschland haben sich deshalb auf die Kombination aus Erlebnispädagogik-Spielen und Hochseilelementen spezialisiert.

Eine mutige Erlebnispädagogik Methode ist das Hoch- oder Niedrigseilelement.

Hochseilgärten sind eine der beliebtesten Erlebnispädagogik Methoden. Sie erfordern Mut, gleichgewicht und ein gutes Körpergefühl.

   

2. Mobile Seilaufbauten

Nahe verwandt mit den Hochseilgärten oder Teamparks ist die Erlebnispädagogik Methode der mobilen Seilaufbauten. Sie kommt immer dann zum Einsatz, wenn man an einem Ort mit Hochseilelementen erlebnispädagogisch arbeiten will, an dem es keinen Hochseilgarten gibt. Mit Hilfe einer speziellen Technik lassen sich dann Hochseilelemente in einem gewöhnlichen Wald zwischen zwei oder mehreren Baumwipfeln installieren. Nach dem Programm baut man sie dann einfach wieder ab und nimmt sein Material für das nächste Programm wieder mit. Für die Teilnehmer macht es in der Regel nur wenig unterschied, ob die Elemente stationär oder mobil aufgebaut sind. Worin es sich jedoch durchaus unterscheidet, ist der Umstand, dass man sich mit den mobilen Elementen deutlich besser zurückziehen und mit seiner Gruppe so vollkommen ungestört sein kann. Dadurch ist es deutlich leichter, ein echtes Abenteuergefühl entstehen zu lassen, als wenn die ganze Zeit über fünfzig andere Gruppen um einen herum wuseln.

Falls ihr Lehrer oder Gruppenleiter seid und eine erlebnispädagogische Klassenfahrt mit Hochseilelementen buchen wollt, könnt ihr dies hier tun: Hochseilgarten-Klassenfahrten der Erlebnis-Akademie.

Mobile Seilaufbauten

Mit mobilen Seilaufbauten kann man erlebnispädagogische Hochseilelemente nahezu überall aufbauen, wo es stabile Bäume gibt.

 

3. Niedrigseilelemente

So wie sich stationäre und mobile Seilelemente in großer Höhe aufbauen lassen, lassen sie sich auch direkt über dem Boden zwischen Bäume oder Säulen spannen. Das Grundprinzip bleibt dabei natürlich dasselbe, doch ergeben sich einige Unterschiede im pädagogischen Nutzen und in der Durchführung der Programme selbst. Höhenangst spielt im bodennahen Bereich nun nur noch eine Untergeordnete Rolle, wenngleich auch hier die Gefahr eines Absturzes nicht unterschätzt werden darf. Deswegen ist ein sogenanntes „Spotten“ durch andere Teilnehmer stets äußerst wichtig.

Der Hauptunterschied vom Hoch- zum Niedrigseilparcour besteht jedoch darin, dass man in Bodennähe mehr Teilnehmer auf einmal durch den Parcours schicken kann. Die Seilelemente können hier also auch als Kooperationsaufgabe genutzt werden, bei der die gesamte Gruppe geschlossen den Parcours bestehen muss.

Eine-Gruppe-macht-einen-Hindernisparcours-im-Wald

Eine Gruppe macht einen Hindernisparcours aus Niedrigseilelementen im Wald.

 

4. Klettern

Auch das Klettern ist eine klassische Disziplin der Erlebnispädagogik. Da auch die Natur in der Erlebnispädagogik stets eine wichtige Rolle spielt, wird in der Regel das Felsenklettern für die Programme gewählt. Dies funktioniert natürlich nur, wenn man sich in einem Gebiet befindet, in dem es Kletterfelsen gibt, die sich für die Nutzung mit einer Teilnehmergruppe eignen. Alternativ gibt es daher auch erlebnispädagogische Kletterabenteuer, die in Kletterhallen oder an künstlichen Kletterwänden stattfinden. Hierfür sind in den letzten Jahren einige sehr schöne Kulissen entstanden, die größtenteils über die fehlende Naturnähe hinwegtrösten. So gibt es Kletterwände an alten Wassertürmen, in leerstehenden Fabrikhallen, Scheunen oder Silos, an Schornsteinen, Brückenpfeilern, Hausfassaden und vielem mehr.

Auch beim Klettern besteht der pädagogische Mehrwert vor allem in der gegenseitigen Verantwortung und im gegenseitigen Vertrauen der Teilnehmer. Man hält hier buchstäblich das Leben seiner Teammitglieder in den Händen, wenn man sie in der Wand sichert. Andersherum lässt man sich als Kletterer am Ende im wahrsten Sinne des Wortes in die Obhut der Kameraden fallen. Auch hier gibt es natürlich inzwischen viele Sicherungsmöglichkeiten, die verhindern, dass ein Teilnehmer wirklich abstürzt, wenn seine Kameraden an der Sicherungsleine unaufmerksam sind. Das müssen die Kletterer selbst aber nicht unbedingt wissen.

Gleichzeitig geht es aber auch hier natürlich um das Überwinden von Ängsten und persönlichen Grenzen, von jedem einzelnen Teilnehmer. Zudem stärkt es das Körpergefühl, die Selbstkontrolle, das Durchhaltevermögen, die Aufmerksamkeit, die Körperspannung und die Muskelkraft.

Falls ihr Lehrer oder Gruppenleiter seid und eine erlebnispädagogische Klassenfahrt mit Kletterabenteuer buchen wollt, könnt ihr dies hier tun: Klassenfahrten mit Kletterabenteuer der Erlebnis-Akademie.

Beim Klettern hält man buchstäblich das Leben seiner Teammitglieder in den Händen.

Beim Klettern hält man buchstäblich das Leben seiner Teammitglieder in den Händen.

 

5. Abseilen

Das Abseilen ist ein spektakuläres Element der Erlebnispädagogik, das meist als Finale, bzw. Highlight eines Programms eingesetzt wird. Insbesondere dann, wenn es um das Abseilen aus atemberaubender Höhe geht. Dabei kommt es natürlich auch auf das Objekt an, von dem sich die Teilnehmer abseilen dürfen. Spannend sind hier vor allem ungewöhnliche Bauwerke, die man normalerweise nicht aus der Nähe zu Gesicht bekommt und in der Regel auch nicht betreten darf. Noch besser ist es natürlich, wenn man dabei auch noch eine einzigartige Aussicht auf eine spektakuläre Kulisse hat. Beliebt ist vor allem das Abseilen von Staudämmen, Hochhäusern, Felsklippen, Burgtürmen, Brücken, Kirchtürmen und ähnlichem. Als ganz besonderes Highlight gilt hingegen das Abseilen in einem Wasserfall, von einer überdimensional großen Übertage-Bergbaumaschine, von Brücken, die sich über Canyons befinden, sowie von Helikoptern aus.

Ebenso beliebt als Erlebnispädagogik Ziel ist es jedoch auch, mit der Abseilaktion Grenzen des normalen Alltags zu durchbrechen und auf diese Weise Dinge zu tun, die normalerweise undenkbar wären. Aus dem Klassenzimmerfenster im dritten Stock zu klettern und dann an der Außenwand der Schule herabzusteigen zum Beispiel. Oder sich den Rolltreppen vorbei von obersten Stockwerk der nahegelegenen Mall bis ins Untergeschoss abzuseilen. Auf diese Weise trägt das Element des Abseilens zu einer Auflösung von starren Denkmustern bei, da es zeigt, dass viel mehr möglich ist, als man denkt, wenn man nur weiß, wie man es angehen muss.

Erlebnispädagogisches Abseilen

Erlebnispädagogisches Abseilen erfordert Mut und gegenseitiges Vertrauen.

 

6. Bogenschießen

Intuitives Bogenschießen ist ein Outdoorsport, der sich ebenfalls hervorragend als erlebnispädagogisches Rahmenprogramm eignet. Zum einen verbinden wir, aufgrund unzähliger Indianer- und Heldengeschichten in unserer Kindheit, das Bogenschießen automatisch mit Freiheit, Wildheit und Abenteuer. Ein Bogenschütze ist kein Stubenhocker oder Bürohengst, der ein langweiliges Leben hat. Es ist ein Jäger, ein Krieger und ein Held. Ob Robin Hood, Winnetou, Legolas, oder Arrow, für jede Generation gibt es mindestens einen Bogenschützen, der als allgemeines Vorbild anerkannt wird. Hinzu kommt, dass seit Anbeginn der Zeit, der Bogen eine Waffe gleichermaßen für Männer wie für Frauen ist. Amazonen, Elfen und Kriegerinnen aus Geschichten und Sagen sämtlicher Kulturen, sind mit dem Bogen stets mindestens genauso geschickt, wie ihre männlichen Kollegen. Es ist also gewissermaßen die älteste emanzipierte Sportart der Welt. Allein dieser Umstand kann bereits als Grundlage für eine intensive pädagogische Arbeit genutzt werden, wenn es beispielsweise einen Geschlechterkonflikt in der Gruppe gibt, oder wenn es um den Umgang mit eingefahrenen Geschlechterrollen geht.

Zudem hat das intuitive Bogenschießen ein meditatives Element, das stark dazu beiträgt, die Konzentrationsfähigkeit und innere Ruhe der Teilnehmer zu fördern. Vor allem in unserer modernen und zumeist hektischen Welt in der ADS und Hyperaktivität nahezu zur Normalität geworden sind, ist dies nicht zu unterschätzen.

Und schließlich geht es hier, wie der Name schon sagt, natürlich auch um eine Förderung der Intuitionskraft. Um beim Bogenschießen erfolgreich zu sein, muss man lernen, auf sein inneres Gefühl zu vertrauen und sich von einer höheren Stelle leiten lassen. Natürlich braucht es die richtige Technik, die Hand-Augen-Koordination um Zielen zu können und die entsprechende Muskelkraft und Körperspannung, um den Bogen überhaupt nutzen zu können. Aber das entscheidende Element am Ende ist stets die Fähigkeit, vertrauensvoll loszulassen und sich dem Prozess hinzugeben. Letztlich geht es nicht darum, einen Pfeil ins Schwarze zu schießen, sondern zweifelsfrei zu wissen, dass dieser Pfeil ohnehin dort landen wird. Erst dann hören wir auf, ihn mit unseren Gedanken von seinem Ziel abzulenken. Und genau diese Lehre ist es, die, wenn wir sie wirklich begriffen und verinnerlicht haben, einen lebenslangen Erfolg garantiert, wenn wir sie auf unseren Alltag übertragen können.

Um beim Bogenschießen in der Erlebnispädagogik treffsicher zu sein, muss man lernen, auf sein inneres Gefühl zu vertrauen und sich von einer höheren Stelle leiten lassen.

Um beim Bogenschießen in der Erlebnispädagogik treffsicher zu sein, muss man lernen, auf sein inneres Gefühl zu vertrauen und sich von einer höheren Stelle leiten lassen.

 

7. Floß bauen

Beim Floßbau wird praktisches Denken und Handeln mit Lösungsorientiertheit und Teamfähigkeit kombiniert. Was also könnte sich für ein Erlebnispädagogik-Programm besser eignen?

Floßbau Aktionen sind vor allem bei Teamtrainings für Firmen eine beliebte Wahl. Aber auch Schulklassen, Studentengruppen, Vereine und Familien freuen sich immer wieder über die Möglichkeit, ein eigenes Gefährt zu planen, zu konstruieren und dann selbst auf dem Wasser zu testen.

Der besondere Vorteil von Floßbauprogrammen ist, dass man seine Gruppe hier in einem echten Arbeitsprozess beobachten kann, bei dem am Ende ein reales und hoffentlich funktionstüchtiges Produkt herauskommt. Dadurch ist es besonders leicht, die unterschiedlichen Qualitätsbereiche in Gruppenprozessen, wie Kommunikation, Arbeitsaufteilung, Zusammenarbeit, gegenseitige Akzeptanz, etc. zu reflektieren und sichtbar zu machen. Das Beste ist jedoch, dass die Teilnehmer am Ende ein direktes Feedback in Form der Schwimmtauglichkeit ihres Floßes erhalten. Oftmals wird die Zusammenarbeit in einer Gruppe von den Teilnehmern als deutlich besser eingeschätzt, als sie es wirklich ist. Wenn ihr als Spielleiter auf diese Fehleinschätzung hinweist, dann kann die Gruppe dies annehmen oder auch nicht. Ein Zusammenbrechen des Floßes mit dem Effekt, dass die ganze Mannschaft im kalten Wasser sitzt hingegen ist ein Feedback, das man nicht so leicht aushebeln oder ignorieren kann.

Abgesehen davon ist das Bauen und Fahren mit einem eigenen Floß, bei dem man sich gegen andere Flöße behaupten muss, immer ein großer Spaß. Vor allem Erwachsenengruppen werden hier schnell wieder zu den kleinen Wasserratten, die sie als Kind einmal waren.

Falls ihr Lehrer oder Gruppenleiter seid und eine erlebnispädagogische Klassenfahrt mit Floßbauaktion buchen wollt, könnt ihr dies hier tun: Floßbau-Klassenfahrten der Erlebnis-Akademie.

Kleine Piraten auf ihrem selbstgebauten Floß

Kleine Piraten auf ihrem selbstgebauten Floß.

 

8. Kanu fahren

Kanus werden in unterschiedlichsten Formen seit vielen Jahrtausenden überall auf der Welt zum Transport und zur Fortbewegung eingesetzt. Allein aus diesem Grund, geht von ihnen einige ungeheurer und kaum erklärbare Faszination aus. Ein Kanu vermittelt sowohl eine Ruhe und Ausgeglichenheit, als auch ein Gefühl der Freiheit und der Grenzenlosigkeit, wie man es im Sport sonst nur selten findet. Im erlebnispädagogischen Umfeld werden in der Regel zweier oder dreier Kanus verwendet, da so direkt das Element der Teamarbeit mit hinzukommt. Mit einem Kanu zu fahren gelingt nur dann, wenn sich alle Fahrer aufeinander abstimmen und ihre Kraft wie auch ihre Technik harmonisieren. Wenn jeder macht, was er will, passiert es leicht, dass man vollkommen aus der Spur gerät und sich im Ufer verfängt, im Kreis dreht oder auf ein Hindernis zusteuert.

Um Kanus als Mittel der Erlebnispädagogik erfolgreich nutzen zu können, sollte man sich zunächst einmal ein oder zwei Tage Zeit nehmen, um die Teilnehmer einzuweisen und ihnen ein Gefühl für ihr neues Gefährt zu vermitteln. Für diese Zeit gibt es eine ganze Reihe von Kanu-Spielen, mit denen man nicht nur eine spaßige Zeit auf dem Wasser erlebt, sondern gleich auch noch alles an Technik, Koordination und Taktik lernt, was man später für die „echten“ Situationen benötigt.

Nach dieser Einführungszeit ist es am interessantesten, wenn man die Kanus nicht nur für kurze Ausflüge nutzt, sondern wirklich als Transportmittel, um eine längere Strecke zurückzulegen. Dafür bieten sich in Europa viele kleinere, langsame Flüsse und einige Seenplatten. Besonders geeignet für Kanutouren sind unter anderem Nordfrankreich, Südschweden, Baden-Württemberg und Bayern, die Mecklenburgische Seenplatte, die Brandenburger Seenplatte und die Masurische Seenplatte.

Falls ihr Lehrer oder Gruppenleiter seid und eine erlebnispädagogische Klassenfahrt mit Kanutour buchen wollt, könnt ihr dies hier tun: Kanutour-Klassenfahrten der Erlebnis-Akademie.

Erlebnispädagogisches Kanadier-Fahren  

9. Kajak fahren

Wer sich mit der Materie nicht auskennt, dem fällt es in der Regel schwer, den Unterschied zwischen einem Kanu und einem Kajak auszumachen. Aus erlebnispädagogischer Sicht ist dieser jedoch ganz beachtlich. Denn während ein Kanu mit einem Steckpaddel angetrieben wird, steuert man ein Kajak mit einem Doppelpaddel. Zudem ist ein Kanu tiefer und bietet mehr Platz während ein Kajak meist nur flach im Wasser liegt und häufig im Knien gesteuert wird. Dadurch ist man deutlich schneller, sportlicher und wendiger unterwegs, kann aber auch weniger Gepäck mitnehmen. Das Element der Ruhe und Ausgeglichenheit, das für das Kanufahren so zentral war, fehlt beim Kajak fast vollständig. Dieses regt eher zu Wettbewerben und zum Erreichen von Höchstgeschwindigkeiten an. Daher eignet es sich auch deutlich besser für Fahrten auf wilderen Flüssen oder für Programme, bei denen man an einem Ort bleibt und die Boote nur für Ausflüge und Aktionen nutzt.

Kajak fahren hingegen wird in der Erlebnispädagogik eher als sportliches Element für Action, Spannung und Teamaufgaben verwendet.

Kajak fahren hingegen wird in der Erlebnispädagogik eher als sportliches Element für Action, Spannung und Teamaufgaben verwendet.

 

10. Rudern

Auch das Rudern hat noch einmal eine gänzlich andere Ausrichtung in der Erlebnispädagogik Methode. Da man hier mit Gruppen von bis zu acht Personen gleichzeitig in einem Boot rudern kann, spielt die Teamfähigkeit und die Gruppenkoordination noch einmal eine bedeutend größere Rolle. Hier kommt es vor allem darauf an, dass jeder seine eigenen Bewegungen präzise an die seiner Mitfahrer anpasst. Dies ist ein sehr wirksames Mittel gegen das weitverbreitete Heldensyndrom, bei dem einzelne Teilnehmer so sehr von ihren eigenen Fähigkeiten überzeugt sind, dass sie am liebsten alles alleine machen würden. Hier jedoch kommt es nicht darauf an, besser, schneller oder stärker als die anderen zu sein, sondern perfekt mit ihnen zu harmonieren.

Auch beim Rudern braucht es in der Regel eine gewisse Trainings- und Einarbeitungszeit, bevor dann weitere Strecken zurückgelegt werden können. Da die Ruderbote jedoch in der Regel reine Sportboote sind, eignen sie sich nicht für mehrtägige Touren, sondern sind eher als Tagesbeschäftigung gedacht, während man am Abend immer wieder zum gleichen Platz zurückkehrt.

Erlebnispädagogisches Rudern

Beim erlebnispädagogischen Rudern geht es um die perfekte Zusammenarbeit aller Teilnehmer.

 

11. Rafting

Wenn man die Boots-Sportarten der Erlebnispädagogik Ziele in einer Linie von Meditativ bis Actionreich anordnen sollte, dann würden sich Kanufahren und Rafting definitiv gegenüber stehen. Beim Rafting werden in der Regel gut gepolsterte, stabile Schlauchboote verwendet, die ebenfalls von einer größeren Gruppe gesteuert werden. Die eigentliche Herausforderung besteht nun darin, dass man zum Befahren keine ruhigen Flüsse oder Seen nutzt, sondern Wildwasserflüsse. Es kommt also nun vor allem auf eine schnelle Reaktionsgabe, auf Ausdauer und Körperkoordination sowie auf eine gewisse Furchtlosigkeit an. Rafting wird im erlebnispädagogischen Rahmen eher selten angeboten, da man vor allem in unseren Breiten nur wenig Plätze hat, an denen es geeignete Wildwasserflüsse gibt. Zudem ist bei dieser Sportart das Risiko aufgrund der Unberechenbarkeit des Flusses deutlich schwerer zu kalkulieren, als beispielsweise beim Klettern oder Kanufahren. Natürlich sind die Teilnehmer durch Schwimmwesten, Helme und Protektoren geschützt, doch ein Restrisiko bleibt dennoch immer. Dies ist es ja auch gerade, was den Nervenkitzel und damit den Reiß des Raftens ausmacht. Rafting Programme sind daher vor allem bei Firmentrainings und sogenannten Incentives beliebt.

Die Erlebnispädagogik Ziele beim Rafting sind: Reaktionsgabe, Ausdauer, Körperkoordination aber auch Furchtlosigkeit.

Die Erlebnispädagogik Ziele beim Rafting sind: Reaktionsgabe, Ausdauer, Körperkoordination aber auch Furchtlosigkeit.

 

12. Segeln

Die letzte noch offene Boots-Sportart, die gerne in der Erlebnispädagogik eingesetzt wird, ist das Segeln. Auch hierbei handelt es sich um eine klassische Teamsportart, da man Segelschiffe ab einer bestimmten Größe noch dann optimal steuern kann, wenn man als Team zusammenarbeitet. Erlebnispädagogische Freizeiten und Programme, bei denen es ums Segeln geht, werden in der Regel als komplette Segeltour angelegt, bei denen die Teilnehmer wie auch die Trainer für einen gewissen Zeitraum zur Crew des Schiffes werden. Dadurch ergibt sich die außergewöhnliche Situation, dass man für eine Weile bei Tag und Nacht auf einen sehr engen Raum zusammengepfercht ist. Es ist also nahezu keine Frage, ob sich hier unterschwellige Konflikte zeigen werden. Spätestens am dritten Tag kann man felsenfest davon ausgehen. Wahrscheinlich sogar früher.

Es geht bei einem Segelabenteuer also nicht nur um die Zusammenarbeit innerhalb der Gruppe, sondern um das gesamte Zusammenleben. Noch dazu auf einem beweglichem Objekt inmitten eines großen Meeres. Es ist also eine Herausforderung auf allen Ebenen, doch wenn es gelingt, die an die Oberfläche Tretenden Konflikte anzugehen und zumindest wahrzunehmen und als offene Themen anzuerkennen, kann gerade diese brisante Situation unglaublich heilsam für eine Gruppe und ihre Mitglieder sein. Wichtig ist dabei, dass es von Anfang an klare Regeln gibt und dass auch von vornherein offen damit umgegangen wird, dass es zu Konflikten und unangenehmen Situationen kommen wird. Andernfalls kann ein Segelabenteuer schnell auch zu einer Katastrophe werden, bei der sich die Konflikte eher verhärten als lösen. Insofern ist hier viel Fingerspitzengefühl und Erfahrung der Trainer gefragt.

Falls ihr Lehrer oder Gruppenleiter seid und eine erlebnispädagogische Klassenfahrt mit Segeltrip buchen wollt, könnt ihr dies hier tun: Segel-Klassenfahrten der Erlebnis-Akademie.

Eine außergewöhnliche Situation wird beim Segeln gesorgt, denn für eine gewisse Zeit ist man bei Tag und Nacht auf einen sehr engen Raum zusammen.

Eine außergewöhnliche Situation wird beim Segeln gesorgt, denn für eine gewisse Zeit ist man bei Tag und Nacht auf einen sehr engen Raum zusammen.

 

13. Quad fahren

Das Quad fahren ist eine von wenigen Motorsportarten, die ihren Weg in die Erlebnispädagogik gefunden haben. Auch dieses Abenteuer wird eher selten angeboten, weil es aufgrund seiner Natur gegen so manchen Grundpfeiler der Erlebnispädagogik verstößt. So finden die Quad-Touren zwar meist in der Natur und abseits von festen Straßen statt, können aber dennoch nicht zu einem klassischen Naturerlebnis gezählt werden. Denn dazu ist ein Quad zum einen zu laut und zum anderen zu schnell. Daher findet bei einer Quad-Tour in der Regel keine Sinneserföffnung im klassischen Sinn statt. Man erschafft sich eher eine Welt mit eigenen Regeln, in die man sich hinein begibt. Akustisch nimmt man vor allem den eigenen Motor und den Fahrtwind wahr, während der Fokus im visuellen Bereich in erster Linie auf den Weg vor einen und auf mögliche Hindernisse, sowie auf die anderen Quadfahrer ausgerichtet ist. Von der Seite der Sinne her erreichen wir also genau das Gegenteil von dem, was üblicherweise das Ziel der Wildnis- und Erlebnispädagogik ist.

Dennoch bietet auch eine Quad-Tour einiges an Qualitäten, die für die Erlebnispädagogik positiv genutzt werden können. Zunächst einmal wäre da die Kontrolle über das Fahrzeug und die Einschätzung der eigenen Geschwindigkeit. Zudem müssen die Teilnehmer sowohl auf sich selbst als auch auf ihre Umgebung und den Rest ihrer Gruppe achten. Anhand der Fahrverhaltens der einzelnen Teilnehmer lässt sich also viel über ihr Sozialverhalten und ihre Stellung bzw. Roller innerhalb der Gruppe ablesen.

Ein weiterer Vorteil ist, dass hierbei auch die Teilnehmer auftrumpfen können, die unter sportlichen Aspekten normalerweise eher unauffällig oder benachteiligt sind. Dies kann unter anderem dabei helfen, das Selbstbewusstsein von schwächeren, schüchternen Teilnehmern aufzubauen.

Wichtige Themen, die es zu behandeln gilt sind die Angst vor Geschwindigkeit und die Risikoeinschätzung. Darüber hinaus wird eine gemeinsame Quadtour von den Teilnehmern im Allgemeinen als großes, actionreiches Abenteuer wahrgenommen, das sie zusammenschweißt und an das man sich gerne zurückerinnert.

Abenteuersportart Quad fahren

Die Abenteuersportart "Quad fahren": Hier geht es um das Überwinden von Ängsten und um gegenseitige Rücksichtnahme.

 

14. Paintball

Auch Paintball gehört nicht zu den klassischen Disziplinen, die in der Erlebnispädagogik verwendet werden, wird aber in letzter Zeit immer häufiger integriert. Zumeist treten beim Paintball zwei Mannschaften gegeneinander an, die mit Farbgewehren, sogenannten Markierern versuchen, ihre Gegner auszuschalten. Dabei wird in der Regel in einem unwegsamen Gelände gespielt, in denen sich die einzelnen Spieler gut verstecken und tarnen können. Auf diese Weise besteht die Möglichkeit, verschiedene Strategien zu entwickeln und innerhalb des Teams verschiedene Rollen anzunehmen, die an militärische Positionen angelehnt sind. So können sich einzelne Spieler beispielsweise als Scharfschützen verstecken und so dem Rest ihres Teams Deckung geben. Dadurch ist Paintball im weitesten Sinne ein Geländespiel, nur dass hier mit Schusswaffen und nicht mit Bällen oder Bändern gearbeitet wird.

Gegen eine Integration von Paintball in die Erlebnispädagogik spricht für viele vor allem der große Bezug zum Militär und damit zum bewussten Kriegsspielen. Da die moderne Erlebnispädagogik vor allem auf die Zusammenarbeit und die gegenseitige Unterstützung ausgerichtet ist, widerspricht dem dieser kriegerische Aspekt in den Augen vieler Erlebnispädagogen. Man muss jedoch dabei bedenken, dass auch viele klassische Geländespiele auf ihre Weise Krieg nachspielen, wenngleich dieser zumeist etwas mehr abstrahiert wird. Außerdem kommt es beim Paintball gerade wegen des simulierten Krieges zu einer hohen Notwendigkeit für die Zusammenarbeit innerhalb einer Mannschaft. Gleichzeitig lassen sich auf diese Weise auch Fairness gegenüber der gegnerischen Mannschaft, der Umgang mit Niederlagen und einiges mehr trainieren.

Wie bei vielen anderen Disziplinen der Erlebnispädagogik Definition kommt es auch beim Paintball also vor allem auf den Rahmen und die Art und Weise an, wie es angeleitet und präsentiert wird. Einer der großen und nicht zu vernachlässigenden Vorteile ist jedoch, dass gerade vom Paintball auf die heutigen Jugendlichen eine ungeheure Anziehungskraft auslöst. In einer mehr und mehr digitalisierten Welt, in der unser Alltag durch Filme, Serien und Computerspiele bestimmt wird, bildet Paintball eine Art Schnittstelle zwischen dem Konsumieren der digitalen Action und dem Erleben eigener Abenteuer. Es bietet den Teilnehmern die Möglichkeit, selbst in die Rolle eines Helden zu schlüpfen und innerhalb des vorgegebenen Rahmens „die Welt zu retten“. Dadurch lassen sich vor allem viele Jugendliche zum Aktiv-Werden motivieren, die man sonst nur äußerst schwer oder überhaupt nicht mehr begeistern kann. Diese Qualität sollte man nicht unterschätzen, denn wenn man einmal einen Zugang gefunden hat, ist es auch deutlich leichter, über andere Wege einen Bezug herzustellen.

Bei der Paintball Erlebnispädagogik geht es darum, Strategien zu entwickeln und innerhalb des Teams verschiedene Rollen anzunehmen.

Bei der Paintball Erlebnispädagogik geht es darum, Strategien zu entwickeln und innerhalb des Teams verschiedene Rollen anzunehmen.

 

15. Tauchen

Tauchen ist eine der Outdoorsportarten in der Erlebnispädagogik, bei der man am direktesten und intensivsten in Kontakt mit den Elementen kommt. Es erfordert Disziplin und Sorgfalt, sowie ein gutes Einschätzen der eigenen Fähigkeiten und Erfahrungen. Sobald man ins Wasser eingetaucht ist, ist man von diesem Element umgeben und muss seinen Gesetzen folgen. Daraus ergeben sich eine Reihe von Regeln, angefangen bei der Kommunikation bis hin zu den Sicherheitsvorkehrungen. Diese Regeln sind sehr klar und nicht verhandelbar, da sie sich direkt auf das Agieren unter Wasser auswirken. Dies gibt vor allem Menschen, deren Leben normalerweise sehr konfus und unstrukturiert ist, häufig einen starken Halt. Es ermöglicht ihnen, den Wert von Regeln und Absprachen zu erkennen, den sie im Alltag häufig nicht sehen und auch nicht fühlen können.

Darüber hinaus liegt die besondere Faszination des Tauchens im Entdecken völlig neuer Welten. Die Unterwasserwelt ist eine Welt, die uns normalerweise weitgehend verschlossen bleibt, und die und allein deshalb schon seit Urzeiten fasziniert.

Aufgrund der besonderen Voraussetzungen, des Schwierigkeitsgrades und der nicht zu unterschätzenden Risiken wird das Tauchen dennoch nur selten als erlebnispädagogisches Stilmittel verwendet. Wenn es zum Einsatz kommt, dann vor allem mit Kleingruppen und vor allem in der Arbeit mit Erwachsenen. Zudem sollte man als Trainer nur dann mit den Teilnehmern tauchen gehen, wenn man selbst einen Tauchschein und eine Ausbildung zum Rettungsschwimmer besitzt. Auch die entsprechende Vorerfahrung sollte vorhanden sein. Dann aber ist das Tauchen ein Mittel, mit dem man tiefer zu den Teilnehmern vordringen kann, als mit vielen anderen Methoden.

Beim Tauchen gibt es verschiedene Stilrichtungen und Methoden. Die einfachste Variante ist das Schnorcheln. Hierbei erkunden die Teilnehmer mit Taucherbrille und Schnorchel die Unterwasserwelt, während sie weitgehend an der Oberfläche bleiben. Die Ausrüstung dafür ist relativ einfach und günstig zu erhalten. Sie besteht aus einer Taucherbrille, einem Schnorchel und Schwimmflossen. In kalten Regionen kann zudem ein Neopren verwendet werden.

Beim sogenannten Gerätetauchen hingegen wird statt eines Schnorchel eine Sauerstoffflasche verwendet, so dass man weiter in die Tiefe vordringen kann. Hierfür ist natürlich ein deutlich höherer Materialaufwand vonnöten, sowie eine genaue Einweisung der Teilnehmer und eine intensive Probezeit in einem übersichtlichen Gewässer. Dafür werden häufig Schwimmbäder zu Hilfe genommen.

Schließlich gibt es noch weitere Varianten wie das Sporttauchen, Hindernistauchen, Unterwasserrugby und Unterwasserhockey. Elemente aus diesen Disziplinen können in ein erlebnispädagogisches Tauchprogramm ebenfalls sehr gut integriert werden.

Tauchen erfordert Disziplin und Sorgfalt, sowie ein gutes Einschätzen der eigenen Fähigkeiten und Erfahrungen.

Tauchen erfordert Disziplin und Sorgfalt, sowie ein gutes Einschätzen der eigenen Fähigkeiten und Erfahrungen.

 

16. Höhlenwanderungen

Höhlenwanderungen und Höhlenabenteuer sind klassische Methoden der Erlebnispädagogik, die vor allem zur Angstüberwindung eingesetzt werden. Höhlen faszinieren uns Menschen auf vielfältige Weise und haben eine ebenso anziehende wie abschreckende Wirkung auf uns. Auf der einen Seite sind sie dunkel, unberechenbar, kalt, feucht und unheimlich. Dies gab Anlass für unzählige Mythen, Sagen und Legenden. Sie sind die Heimat von Fledermäusen und vielen anderen nachtaktiven Geschöpfen. Sie dienen Bären und anderen Großtieren als Unterschlupf und sie sind der Lebensraum von Höhlentieren, die man außerhalb nie zu sehen bekommt. Letztere haben zudem meist skurrile und daher für uns ebenfalls beängstigende Eigenschaften, da sie meist vollkommen ohne Sonnenlicht leben, so dass sie beispielsweise keine Augen benötigen, oder aber ihr eigenes Licht produzieren.

Unsere Fantasie hat dann die Zahl der Höhlenbewohner noch um einige Fabelwesen wie Drachen, Trolle, Zwerge und allerlei Urmonster aus alten Zeiten erweitert. Dies und die Tatsache, dass Höhlen teilweise unvermutete Welten in vollkommener Dunkelheit beherbergen, in denen es Unterwasserseen, Tropfsteine, skurrile Gesteinsformationen, enge Gänge und riesige Säle gibt, lässt beim Gedanken an Höhlen häufig eine Gänsehaut auf unserem Körper entstehen.

Genau die gleichen Eigenschaften sind es aber auch, die unsere Neugier und unseren Entdeckergeist in der Erlebnispädagogik wecken. Höhlen sind wie die Eingänge in neue, unbekannte Welten in denen stellenweise noch kein Mensch vor uns gewesen ist. Allein deshalb ranken sich unzählige Geschichten über vergessene Welten, Portale in andere Dimensionen oder unglaubliche Schatzkammern um das Thema Höhle.

Höhlenwanderungen werden sehr gerne in der Erlebnispädagogik durchgeführt.

Höhlenwanderungen werden sehr gerne in der Erlebnispädagogik durchgeführt.

Und schließlich kommt noch ein dritter Faktor hinzu. Viele tausend Jahre lang waren Höhlen unsere direkte Heimat. Wir haben in ihnen gelebt, weil sie uns Schutz boten und weil hier eine konstante und oft angenehme Temperatur herrscht. Höhlen haben daher immer auch etwas heimeliges, wohnliches. Eine gewisse Geborgenheit, die sie ausstrahlen. Höhlen liegen unter der Erde, das bedeutet, sie befinden sich in gewisser Weise im Bauch von Mutter Erde. Aus diesem Grund fällt ihnen stets auch in spiritueller Hinsicht eine besondere Bedeutung zu. Viele Menschen, die auf der Suche nach Erleuchtung oder Erfüllung sind, ziehen sich in Höhlen zurück, um dort zu beten oder zu meditieren. Davon zeugen auch vielzählige Geschichten von alten, weisen Meistern, die man stets am Ende der Welt in irgendeiner Höhle antrifft. Aber auch als Laien spüren wir sofort eine Veränderung, wenn wir eine Höhle betreten. Die dicken Felswände schirmen die Geräusche der Außenwelt ab. Alles wird ruhig und dumpf und erinnert uns bewusst oder unbewusst an unsere eigene Zeit im Mutterbauch zurück. Diese Beruhigung wirkt sich auch direkt auf unsere Stimmung aus. Quirlige, hektische Menschen werden plötzlich entspannt, wenn sie eine Höhle betreten. Der Stress fällt von uns ab. Es ist, als würde Mutter Erde mit ihrer Schwingung der Fürsorge und der Geborgenheit direkt auf uns einwirken.

Genau diese Kombination aus Abschreckung, Faszination, Forscherdrang, Geborgenheit und spiritueller Verbindung macht die Höhlen als pädagogisches Hilfsmittel so wertvoll. Wenn man sie gekonnt in das Programm einbindet, lassen sich mit ihrer Hilfe Angstüberwindungsprogramme durchführen, wie auch Einführungen in spirituelle Arbeit und verschiedene Arten von Selbstfindung und Persönlichkeitsentwicklung. Zudem bieten Höhlen eine spannende Kulisse für erlebbare Geschichten und stimmungsvolle Gruppenaktionen. Ein gutes und gern verwendetes Beispiel dafür ist eine Höhlenwanderung, bei der ein Teil der Strecke als Lichtergang mit Kerzen oder Knicklichtern zurückgelegt wird.

Höhlenforschung: Heiko Gärtner in einer großen Höhle

Umgang mit Dunkelheit, Enge und Tiefe, Angstüberwindung, Orientierung und Wahrnehmungstraining: Höhlen bieten eine Menge Potential für pädagogische Arbeit und sind zugleich ein großartiges Ambiente für Abenteuer und Forschergeist.

 

17. Mountainbiking

Das Mountainbiking ist in Bezug auf die Erlebnispädagogik eine noch eher jüngere Disziplin, die noch vergleichsweise selten angeboten wird. Radtouren im Allgemeinen werden als pädagogisches Konzept bereits deutlich länger genutzt, als es überhaupt auch nur die Idee von Erlebnispädagogik gibt. Schon unsere Urgroßeltern haben mit ihren Schulklassen Radwanderungen und Radtouren in die umliegende Natur unternommen. Das Grundprinzip hat sich seither kaum geändert, wenngleich mit dem Mountainbike noch eine ordentliche Portion Action mit hinzugekommen ist, die den modernen Kindern und Jugendlichen noch einmal einen neuen Anreiz bietet. Seit jüngstem wird zudem das E-Biking auch hin und wieder als erlebnispädagogische Methode verwendet, wobei wir diese Tendenz eher kritisch sehen. E-Bikes sind eine tolle Erfindung für alle, die aufgrund von Muskel- oder Gelenkbeschwerden nicht mehr gut Radfahren können, oder die im Alter eine Alternative zum Auto als Transportmittel suchen. Es jedoch als Sportdisziplin in einem Bereich einzusetzen, in dem die Teilnehmer eigentlich ein Gespür für ihren eigenen Körper und dessen Leistungsfähigkeit bekommen sollen, ist wohl eher kontra-produktiv. Denn genau in der Anstrengung, die das Radfahren und Mountainbiking normalerweise mit sich bringt, liegt einer der Hauptfaktoren für den pädagogischen Nutzen dieser Sportart: Die körperliche Grenzerfahrung.

Die Hauptfaktoren für den pädagogischen Nutzen dieser Sportart: Die körperliche Grenzerfahrung.

Auch als Gruppendisziplin hat Montainbiking eine Menge Potenziel.

 

Anders als Klettern und Floß Bauen bietet das Radfahren vordergründig eine persönliche Selbsterfahrung und eignet sich weniger als Methode zur Stärkung der Gruppengemeinschaft. Jeder sitzt alleine auf seinem Rad und ist damit auch vor allem für sich selbst verantwortlich. Gerade darum ist aber der Aspekt des gegenseitig aufeinander Acht Gebens umso zentraler. Während man den Fokus auf seine eigene Handlung und die eigene Sicherheit legt, muss man die Gruppe trotzdem immer im Blick haben.

Mountainbike-Erlebnisse sind am besten, wenn man dabei, angeleitet von professionellen Radsportlern, schönste und spektakuläre Landschaften und Bergregionen durchfährt. Action und Abenteuer stehen dabei ebenso im Vordergrund wie das Erreichen gemeinsamer Ziele. Als erlebnispädagogische Methode werden häufig Mountainbiking-Tagestouren von einem festen Punkt ausgemacht. Für längere Programme bietet sich aber auch eine fortlaufende Radtour mit immer wieder neuen Übernachtungszielen an. Rund um die Radtouren können zudem noch andere Themen wie die Gruppengemeinschaft und der Umgang mit Konflikten bearbeitet werden.

Die Hauptfaktoren für den pädagogischen Nutzen dieser Sportart: Die körperliche Grenzerfahrung.

Die Hauptfaktoren für den pädagogischen Nutzen dieser Sportart: Die körperliche Grenzerfahrung.

 

18. Geo-Caching

Geo-Caching ist ein noch relativ junger Modesport, der ähnlich wie Paintball eine Brücke zwischen der digitalen Welt und einem echten, realen Abenteuer schlägt. Dabei nutzt man moderne GPS-Geräte, um mit ihrer Hilfe eine Art Schatzsuche zu veranstalten. Geodaten für die Verwendung zur Erlebnispädagogik findet man im Internet, beispielsweise unter den folgenden Seiten:

Beim Geo Caching benötigt man ein GPS Gerät und eine Karte um sich zu orientieren.

Beim Geo Caching benötigt man ein GPS Gerät und eine Karte um sich zu orientieren.

Das Geocaching selbst beginnt ab dem Moment, in dem man mit den Zielkoordinaten auf dem GPS-Trakker aufbricht und diesen folgt. Manchmal gibt es am Ende noch ein Rätsel zu lösen. Immer aber geht es darum, einen kleinen Schatz zu finden, der meist aus einer Filmdose besteht, in der sich eine Liste befindet. In diese trägt man sich dann zu den anderen Schatzsuchern ein, die den Schatz bereits gefunden haben und legt seinen Cach wieder dorthin zurück, wo man ihn gefunden hat. Manchmal befinden sich auch kleine Geschenke darin, die man behalten darf, wenn man etwas anderes nettes für den nächsten zurücklegt.

Geo-Caching ist inzwischen eine eigene Szene geworden, die sich über jede Altersgruppe und jede gesellschaftliche Schicht erstreckt. Jeder kann dabei sowohl die Schätze anderer Geo-Cacher suchen als auch eigene verstecken und im Internet mit den Koordinaten markieren.

Als Element der Erlebnispädagogik bietet sich das Geocachen vor allem als Aufgabe in Kleingruppen an, bei denen die Teilnehmer zusammenarbeiten müssen, um ihren Schatz zu finden.

 

19. Survival und Bushcraft

Survival und Bushcraft sind eigentlich zwei Hauptpfeiler der Wildnispädagogik, bei der es direkt um das Leben in und mit der Natur geht. Dennoch werden sie auch in erlebnispädagogischen Programmen gerne mit einbezogen, da sie sich im wildnispädagogischen Bereich gut bewährt haben.

Der Unterschied zwischen Survival und Bushcraft in der Erlebnispädagogik liegt vor allem in der Ausrichtung des jeweiligen Rahmens. Beim Bushcrafting geht es vor allem darum, verschiedene Wildnisskills zu lernen, wie beispielsweise Feuer machen ohne technische Hilfsmittel, Wasserfilter bauen, einen Notunterschlupf zu erstellen, Fallen aufzustellen und so weiter. Dabei befindet man sich jedoch zumeist in einem sicheren Rahmen, etwa auf einem Seminarplatz oder im heimischen Wald, unweit des eigenen Zuhauses.

Beim Survival geht es zumeist um dieselben Skills, jedoch wird hier in der Regel ein Überlebensszenario aufgebaut. Man übt die Fertigkeiten also während man sich für mehrere Tage in einem unbekannten Wald befindet, man keine Ausrüstung und keine Nahrungsreserven bei sich hat und man so die Absicht spürt, dass die Übungen auch wirklich klappen sollten. Natürlich handelt es sich beim Survivaltraining nicht wirklich um lebensgefährliche Situationen, da ja immer ein Trainer dabei ist, der notfalls eingreifen oder auch abbrechen kann. Aber ungemütlich werden kann es trotzdem.

Weiteres zum Thema Survival und Bushcraft findet ihr in unserem Survival-Wiki.

Erlebnispädagogische Spiele und Survival Fähigkeiten erlernen, haben sich im wildnispädagogischen Bereich gut bewährt.

Erlebnispädagogische Spiele und Survival Fähigkeiten erlernen, haben sich im wildnispädagogischen Bereich gut bewährt.

 

20. Parcours

Parcours ist eine noch sehr junge Sportart, die den sogenannten Funsportarten zugeordnet wird. Wie der Name bereits vermuten lässt, geht es darum, eine Art Hindernisparcours zu bewältigen, indem man springt, hüpft, rennt und sich an Mauern, Stahlträgern, Geländern und anderen Dingen festklammert, entlang hangelt, oder hinüberschwingt. Zum Üben werden dabei in der Regel eigene Hindernisparcours aufgebaut, die mit Polstern und anderen Sicherungsmaßnahmen ausgestattet werden, damit möglichst wenig passiert. Fortgeschrittene und Profis hingegen führen ihren Parcourlauf quasi überall durch, wo es sich anbietet. Sie springen über Häuser, Treppen, Mauern, Zäune und alles, was ihnen in die Quere kommt.

Nachdem der Parcourlauf eine gewisse Popularität gewonnen hatte, wurde er auch als Stilelement in diverse Actionfilme übernommen. Hier gibt es teilweise minutenlange Szenen, in denen sich der Held und der Bösewicht Parcourläufe durch die ganze Stadt liefern. Dies und die Veröffentlichung viele private Videos von actionreichen Läufen auf YouTube, hat dem Parcours dann endgültig berühmt gemacht.

Als Mittel in der Erlebnispädagogik einen sich vor allem die ersten Übungen, mit deren Hilfe die körperliche Fitness, das Ausdauervermögen, die Sprungkraft, die Körperspannung und das Gleichgewicht. Aber auch die geistige Vorstellungskraft und das Überwinden von Blockaden im eigenen Verstand sind Themen, die mit Parcours bearbeitet werden können. Die professionellen Läufer können durch ihr intensives körperliches wie geistiges Training Dinge bewerkstelligen, die für die meisten Menschen vollkommen unmöglich erscheinen. Dieser Umstand eignet sich hervorragend, wenn man sich mit dem Thema der Grenzenlosigkeit auseinandersetzen und den Teilnehmern verdeutlichen will, dass sie über sich selbst hinauswachsen können.

Allerdings ist es gerade beim Parcours besonders wichtig, sich auch mit dem Thema „Sicherheit“ und „Selbsteinschätzung“ zu befassen. Denn auch wenn es möglich ist, seinen Körper zu unvorstellbaren Höchstleistungen zu bewegen, gelingt dies doch nur mit der passenden Einstellung und dementsprechend harten Training. Ohne diese beiden Komponenten, kann Parcours extrem gefährlich sein. Mehr noch! Wir haben sogar die Erfahrung gemacht, dass allein schon die Filmszenen mit Parcourläufern zu einem erhöhten Gefahrenpotential führen, da einige Kinder durch sie auf durchaus dumme Gedanken kommen. In einem unserer Wildniskurse beispielsweise kam ein Junge auf die Idee, eine Szene aus einem aktuellen James Bond Film nachspielen zu wollen. Nach einem kurzen Sprint, bei dem er über einige liegende Baumstämme und ein paar Steine gehüpft ist, sprang er eine vier Meter hohe Steinklippe hinunter, mit dem Plan, sich unten elegant mit einer Superheldenrolle abzufedern und seinen Sprint dann in Richtung Waldspielplatz fortzusetzen.

Dummerweise war die Landung bei weitem nicht so elegant, sondern endete in einem lauten, herzzerreißendem Knacken. Ein Blick auf den Jungen verriet uns, dass dieses Knacken von dem Brechen seiner Beine herrührte, bei denen nun einer seiner Knochen unnatürlich weit aus der Haut ragte. Da die Lehrerinnen, die bei diesem Programm die Aufsicht über die Kinder hatten bei diesem Anblick leider sofort außer Gefecht gesetzt waren (eine wurde ohnmächtig, die andere musste sich übergeben und war anschließend wie versteinert), mussten wir uns ab diesem Moment zeitgleich um einen Schwerverletzten und eine Gruppe mit dreißig vollkommen panischen und verstörten Kindern kümmern. Hinzu kam, dass der Notarzt aufgrund der Unwegsamkeit des Geländes eine Ewigkeit brauchte, um den Patienten zu übernehmen. Und auch dann war es noch immer ein Staatsakt, ihn einigermaßen heil aus dem Wald zu bekommen.

So dramatisch dieses Beispiel auch war, zeigte es uns aber auch, wie wichtig es ist, gerade in der heutigen Zeit auch ein Parcourtraining zumindest in den ersten Ansätzen mit in die pädagogische Arbeit mit Kindern und Jugendlichen aufzunehmen. Denn aufgrund der Medialisierung unseres Alltags haben es Kinder heute sehr schwer, überhaupt noch ein realistisches Körpergefühl aufzubauen. Auf der einen Seite nimmt ein echtes, spielerisches Erleben immer mehr ab. Kinder, die auf Baustellen, in Sandgruben und auf Bäumen herumtollen, findet man immer seltener wodurch auch die Erfahrung kleinerer Risiken und Verletzungen verloren geht, die es einem ermöglichen, die eigenen Grenzen auszuloten und dann Schritt für Schritt zu erweitern. Auf der anderen Seite können wir innerhalb der medialen Welt in die Rolle von Superhelden schlüpfen, in denen wir in der Lage sind schier unvorstellbares zu leisten, während wir uns nahezu unverwundbar fühlen. Ein paar Stunden Sprung- und Falltraining reichen daher oft schon aus, um den jungen Menschen wieder ein Gefühl dafür zu geben, was sie mit ihrem Körper im aktuellen Trainingszustand wirklich leisten können uns was nicht. Gleichzeitig ist es in der Erlebnispädagogik aber auch ein guter Weg, um ihnen wieder die Freude an Bewegung und körperlicher Fitness nahezubringen und so möglicherweise ein Interesse für etwas zu wecken, das sie allein vor dem Computer nie entwickelt hätten.

Abenteuersport Parcours

Beim Parcours geht es vor allem um die Selbsteinschätzung und die Körperbeherrschung.

 

21. Angeln und Fischen

Kaum etwas könnte im Vergleich zum Parcourlauf gegensätzlicher in der Erlebnispädagogik sein, als Angeln und Fischen. Und doch ist auch der Angelsport ein wertvolles Element der Erlebnispädagogik, wenngleich es nur selten eingesetzt wird. So wie beim Parcours die Fitness, Bewegung und Grenzauslotung im Vordergrund steht, so trainiert der Angelsport die Geduld, die innere Ruhe und Ausgeglichenheit und die Beobachtungsgabe der Teilnehmer. In einer so hektischen, schnellen Welt wie der heutigen ist Angeln eine gute Gelegenheit, einen deutlichen Gegenpol zu setzen und diesen mit einer klaren Absicht zu verbinden. Anders als bei der Meditation liegt beim Angeln der Fokus nicht auf dem Zur-Ruhe-Kommen selbst, sondern auf dem Erbeuten eines Fisches. Zur Ruhe kommen ist jedoch ein wichtiger Aspekt, der oftmals den Unterschied zwischen scheitern und Erfolg ausmacht. Vielen Menschen fällt es heute schwer, einfach nur abzuschalten, um abzuschalten. Wir halten es für Zeitverschwendung oder glauben, Besseres zu tun zu haben. Beim Angeln geht es jedoch darum, einen Erfolg zu erzielen, der nur dann eintreten kann, wenn ich ruhig werde. Somit dient mein Abschalten plötzlich einem Ziel. Es ist gewissermaßen „Arbeit“. Und so seltsam dies auch erscheinen mag ist dies ein Aspekt, der es vielen Menschen tatsächlich erleichtert, sich zu entspannen. Vor allem Schüler, die in der Schule kaum eine halbe Minute ruhig sitzen können, schaffen es beim Angeln häufig, vollkommen ruhig zu werden. Vorausgesetzt natürlich, es gelingt dem Trainer, seinen Schützling für diesen Sport zu begeistern oder zumindest neugierig zu machen.

Vater uns Sohn beim Fischen lernen in der Natur

Angeln bietet viel Gelegenheit für tiefe Gespräche.

 

Der zweite große Lernerfolg den der Angelsport als erlebnispädagogisches Element mitbringt ist das Training der Aufmerksamkeit. Neben der inneren Ruhe erfordert das Angeln einen Blick und ein Gespür dafür, wo sich die Fische gerne aufhalten und was sie benötigen, um den Köder zu schlucken.

Und schließlich bringt Angeln in der Erlebnispädagogik noch eine sehr direkte Auseinandersetzung mit der Natur mit sich, da man hier eine unmittelbare Interaktion mit den Fischen eingeht, die man fangen möchte. Je nachdem, ob es am Ende um den Erfolg in Form eines Siegerfotos geht, woraufhin der Fisch dann wieder freigelassen wird, oder darum, den Fisch als Nahrung zu fangen und zu töten, kommen weitere Aspekte hinzu. Dazu gehört vor allem der respektvolle Umgang mit den Tieren, wie aber auch der Umgang mit Tod und Töten, der in unserer Gesellschaft nahezu aus unserem Leben gedrängt wurde. Gezielt eingesetzt kann gerade dies eine der heilsamsten Aspekte sein, so merkwürdig das auf den ersten Blick vielleicht auch klingen mag.

Kritische Betrachtung unter dem Aspekt des „Tierschutzes“: Da der Trend zum Veganismus und Vegetarismus immer stärker wird, wird Angeln heute oft auch sehr kritisch betrachtet, da es als Tierquälerei und Mord angesehen wird. Daher ist es hier wichtig zunächst zu schauen, wie die Einstellung der Teilnehmer und bei Minderjährigen auch der Eltern zu diesem Thema ist, um sich damit keinen Ärger einzuhandeln. Gleichzeitig bietet das Angeln aber auch gerade durch diese Ambivalenz ein großes Potenzial, sich einmal wirklich mit dem Thema auseinanderzusetzen, da die Diskussionen oft sehr flach und theoretisch abgehalten werden und dazu neigen, Dinge als etwas Schlechtes darzustellen, die vollkommen natürlich sind. Leben heißt töten. Das ist ein Naturgesetz und ist unvermeidbar. Sogar dann, wenn man sich ausschließlich durch Lichtnahrung ernährt.

In der Erlebnispädagogik geht es beim Angelsport um Geduld, die innere Ruhe und Ausgeglichenheit.

In der Erlebnispädagogik geht es beim Angelsport um Geduld, die innere Ruhe und Ausgeglichenheit.

   

Yoga, Meditation und Visionssuche

Dass Erlebnispädagogik nicht zwangsläufig immer Outdoor-Sport, sondern auch bewusstes Erleben in Stille und Bewegungslosigkeit bedeuten kann, zeigt sich vor allem bei der sogenannten „Vision Quest“ sowie beim Einbinden von Meditationen und Traumreisen in ein erlebnispädagogisches Programm. Gerade bei der Arbeit mit Jugendlichen geht es in der Erlebnispädagogik häufig darum, den Teilnehmern zu helfen, den Schritt vom Kindes- in das Erwachsenenalter zu meistern. Dabei ist die Ausbildung und Förderung lebenswichtiger Schlüsselkompetenzen, natürlich ein zentraler Aspekt. Aber auch die generelle Frage danach, wer ich überhaupt bin, was meine Lebensaufgabe ist und wie ich Orientierung auf meinem Lebensweg finden kann, gehört unweigerlich mit dazu. Und hierbei können Visionssuchen (oft gerne neudeutsch „Vision Quest“ genannt) und geführte Meditationen wahre Wunderwerkzeuge sein. Da es jedoch vielen Jugendlichen heute schwer fällt, direkt in eine so tiefe Ruhe zu kommen, dass sie über Minuten oder gar Stunden hinweg still an einem Platz bleiben und nach innen lauschen können, bietet sich die Praxis von Yoga-Übungen als ein guter Einstieg an. Hier geht es noch immer um eine sportliche Disziplin, die von den Jugendlichen gut angenommen werden kann, die sie aber quasi unbemerkt auch auf die Meditation uns die Stille vorbereitet. Körper, Geist und Seele werden durch die Yoga-Übungen in Einklang gebracht. Bewegungen werden mit dem Atemrhythmus abgestimmt und durch eine Schrittweise Verlangsamung der Übungen kann man die Teilnehmer vom Aktiven, Sportlichen in eine innere Ruhe führen, die ihnen dann die Meditation und den Blick auf das eigene Selbst erleichtern. Unserer Erfahrung nach sind erlebnispädagogische Programme, die einen großen sportlichen Schwerpunkt haben, gleichzeitig aber auch diesen Ruhepol und die innere Reflexion der Teilnehmer mit einbeziehen am wirkungsvollsten und nachhaltigsten. Die bedürfen aber auch eines guten pädagogischen Geschicks und einiger Erfahrung der Kursleiter. Wenn ihr euch als Erlebnispädagoge noch unsicher seid, ob ihr eine Visionssuche und eine geführte Meditation wirklich gut anleiten könnt, dann lasst es lieber erst einmal weg. Denn im schlimmsten Fall kann es passieren, dass euch die ganze Gruppe durch einen misslungenen Versuch entgleitet und ihr eure Stellung als respektierte Autoritätsperson und als Mentor verliert. Nutzt stattdessen zunächst die Abschluss und Reflexionsrunden, um hier einige Minuten der Stille einzuführen und schaut, wie gut euch dies gelingt. Wenn ihr es schafft, dass die ganze Gruppe nach einem abenteuerlichen, actionreichen Programm im Kreis zusammenkommt und jeder für sich mehrere Minuten lang die vergangenen Aktionen reflektiert, ohne dabei zu kichern und die Stimmung zu zerstören, dann seid ihr auch bereit, eine kürzere Visionssuche oder eine geführte Meditation anzuleiten. Je mehr Gefühl ihr dann für eure Teilnehmergruppen entwickelt, desto klarer wisst ihr auch, wie tief ihr mit welcher Gruppe in dieses Thema einsteigen könnt.

Zur Orientierung der Lebensaufgabe können Visionssuchen („Vision Quest“) und geführte Meditationen wahre Wunderwerkzeuge bewirken.

Zur Orientierung der Lebensaufgabe können Visionssuchen („Vision Quest“) und geführte Meditationen wahre Wunderwerkzeuge bewirken.

   

Erlebnispädagogik im Winter

Erlebnispädagogik im Winter ist dank der Wintersportarten wie Schneeschuhwandern oder Ski- und Snowboardfahren ebenfalls möglich und bietet noch einmal einen ganz eigenen Reiz. Der Winter ist dabei eine spezielle Jahreszeit, in der sich die Natur vollkommen anders verhält, als zur restlichen Zeit des Jahres. Dies kann man auch für die Erlebnispädagogik nutzen, zum einen in Form der Ruhe und der Verträumtheit, in die sich die Welt zurückzieht und zum anderen in Form des Schnees, der es einem ermöglicht, die Welt noch einmal auf eine gänzlich neue Weise zu erkunden.

1. Skiing und Snowboarding

Rein unter dem pädagogischen Aspekt betrachtet unterscheidet es sich das Ski- und Snowboardfahren nicht allzu sehr vom Mountainbiking, da es auch hier vor allem um die eigene Körperkontrolle und die Auseinandersetzung mit den Elementen, der Ausrüstung und der Geschwindigkeit geht. Dennoch erzeugen Schnee und Kälte eine völlig andere Stimmung, die gut für die Erlebnispädagogik genutzt werden kann. Wintersportarten sind vor allem in der Kombination mit gemütlichen Kaminabenden in geselliger Runde, die dann auch für Reflexionen genutzt werden können, zu empfehlen.

Erlebnissportart Snowboarden

Die Erlebnissportart Snowboarden wird auch in der Erlebnispädagogik immer beliebter.

 

2. Schneeschuhwandern

Das Schneeschuhwandern nutzt noch einmal einen ganz anderen Aspekt des Winters und wirkt gerade durch die langsame Fortbewegung in verschneiten Wunderwelten, die im Sommer vielleicht nicht einmal zugänglich wären. Unter pädagogischen Gesichtspunkten hat es daher viel mit dem ruhigen Kanufahren gemeinsam, auch wenn die beiden Sportarten auf den ersten Blick nicht gerade vergleichbar wirken. In beiden Fällen ist es jedoch vor allem die Natur selbst, die eine große Wirkung auf die Teilnehmer erzielt, während sie sich den äußeren Bedingungen anpassen und so einen vergleichsweise leichten Weg nutzen, um sich fortzubewegen.

Wintersportarten wie Schneeschuhwandern eignen sich hervorragend, um in die Erlebnispädagogik in Ruhe einzutauchen.

Wintersportarten wie Schneeschuhwandern eignen sich hervorragend, um in die Erlebnispädagogik in Ruhe einzutauchen.

 

Tiergestützte Erlebnispädagogik

Ein weiterer sehr beliebter und sehr gewinnbringender Zweig der Erlebnispädagogik ist die tiergestützte Arbeit mit den Teilnehmern. Der besondere Aspekt liegt dabei in der direkten Auseinandersetzung mit den Tieren, die uns Menschen gerne auf eine sehr intensive und anschauliche Weise spiegeln. Hunde beispielsweise erkennen es sehr schnell, jemand unauthentisch ist oder seine Gefühle unterdrückt und reagieren darauf. Katzen lieben es, sich an Problemstellen zu kuscheln. Pferde hören in der Regel nur dann auf einen, wenn man es wirklich ernst meint. Und Esel stellen einen gerne mal auf die Probe, was die Themen Geduld, Ausdauer und Frustrationstoleranz betrifft. Zudem sind Tiere sehr einfühlsam und bringen die Teilnehmer schnell dazu, Verantwortung zu übernehmen, auch wenn diese sich gerne davor drücken.

Erlebnispädagogik mit Tieren

Kaum etwas ist so wirkungsvoll wie Therapien und Erlebnispädagogik mit Tieren.

 

So haben wir beispielsweise sehr erfolgreiche, erlebnispädagogische Projekte mit straffälligen Jugendlichen kennengelernt, die für mehrere Wochen auf einer Alm mit der Betreuung von Schafen beauftragt wurden. Zu erkennen, dass man plötzlich die Verantwortung für hunderte von Schafen hat, verändert etwas in der Einstellung der Menschen, das man mit Worten kaum beschreiben kann. Ähnlich spannend sind auch Projekte, bei denen Menschen im Altenheim mit der Pflege von Hühnern betraut werden, wodurch diese plötzlich wieder das Gefühl bekommen, gebraucht zu werden, was sich sehr positiv auf den allgemeinen Gesundheitszustand, aber auch auch die Lebensfreude auswirkt.

Die häufigsten tiergestützten Programme im Bereich der Erlebnispädagogik finden jedoch mit dem folgenden Rahmen statt:

1. Husky-Trekking

Husky-Trekking ist eine der beliebtesten Disziplinen der tiergestützten Erlebnispädagogik. Es verbindet Abenteuer, Forschergeist, Entdeckung von Unbekanntem und das Erleben neuer, winterlicher Welten mit dem Aspekt der direkten Tierkommunikation. Die Teilnehmer müssen sich um die Hunde kümmern, auf sie eingehen und einen Bezug zu ihnen aufbauen. Für viele ist dies auch mit einer gewissen Angstüberwindung verbunden, während es bei anderen vor allem darum geht, das eigene Selbstbewusstsein zu steigern, um von den Hunden als Autoritätsperson anerkannt zu werden.

Ein Husky-Training verbindet Abenteuer, Forschergeist und fördert zudem die direkte Tierkommunikation.

Ein Husky-Training verbindet Abenteuer, Forschergeist und fördert zudem die direkte Tierkommunikation.

 

2. Esel-Trekking

Erlebnispädagogik mit Eseln

Erlebnispädagogik mit Eseln.

 

Ähnlich und doch zugleich auch vollkommen anders ist es beim Eseltrekking. Hier haben es die Teilnehmer in der Regel mit einem einzelnen Individuum in Form des ihnen anvertrauten Esels zu tun, mit dem sie sich auseinandersetzen müssen. Und dieser Esel hat seine eigene Persönlichkeit, mit der man umzugehen lernen muss. Der Esel spiegelt einem die eigenen Stärken und Schwächen und zwingt einen, sich ganz auf ihn einzulassen. Vor allem für Menschen mit Bindungsängsten und einem Hang zur Beziehungsunfähigkeit kann dies sehr heilsam (aber natürlich auch sehr herausfordernd) sein. Die Beziehung zum Esel ist nicht viel anders als die zu einem Partner. Sie ist ein Spiel aus Zugeständnissen, in den anderen hineinfühlen, den eigenen Standpunkt wahren, sich durchsetzen und aufeinander zugehen. Man erkennt schnell, was wahre Bedürfnisse und was reine Egowünsche sind, da die meisten Esel sehr gut darin sind, einem menschlichen Dickschädel zu zeigen, dass sie das stärkere Durchhaltevermögen haben, wenn es darauf ankommt.

3. Pferde reiten

Mensch und Pferd haben oftmals eine ganz besonders liebevolle und innige Verbindung.

Mensch und Pferd haben oftmals eine ganz besonders liebevolle und innige Verbindung.

Reiten ist natürlich die klassische Form der Tiergestützten Erlebnispädagogik. Hier gibt es unzählige Spielarten und Zielausrichtungen, die so alt sind, wie die Zusammenarbeit zwischen Mensch und Pferd selbst. Pferde sind nicht umsonst die beliebtesten Reittiere, denn sie sind sehr geduldig und einfühlsam und können, wenn sie richtig ausgebildet wurden, deutlich erfolgreichere Therapeuten abgeben, als wir Menschen. Daher werden sie auch gerne in der Traumaarbeit oder bei Menschen eingesetzt, die aufgrund von Mobbing, Ausgrenzung oder ähnlichen Erfahrungen ein stark gestörtes Selbstbewusstsein haben. Auch bei der Arbeit mit Menschen mit geistigen oder körperlichen Behinderungen können Pferde wertvolle Mentoren sein. Für weitere Informationen hierzu, sowie für den Fall, dass ihr kompetente Trainer/Therapeuten im Bereich der tiergestützten Arbeit mit Pferden sucht, könnt ihr uns jederzeit ansprechen. Wir beraten euch gerne können euch auch gute Kontakte weitergeben.

 

Sonderformen der Erlebnispädagogik

Neben der bereits erwähnten klassischen Erlebnispädagogik gibt es verschiedene Sonderformen, bei denen auf unterschiedliche Umstände eingegangen oder besondere Bedingungen berücksichtigt werden muss. Die häufigsten Sonderformen sind dabei die folgenden:

1. City-Bound

City-Bound ist eine spezielle Sonderform der Erlebnispädagogik, die entwickelt wurde, um erlebnispädagogisches Arbeiten auch innerhalb von Städten möglich zu machen. An Orten also, an denen man sich schwer damit tut, Natur oder gar Wildnis zu finden. Nicht immer ist es möglich, mit Schuldklassen, Kinder-, Jugend- oder Erwachsenengruppen wirklich hinaus in die Wälder zu ziehen. Daher hat man nach einem Weg gesucht, wie man auch im städtischen Rahmen Erlebnispädagogisch arbeiten kann. Mehr als die klassische Erlebnispädagogik vereint das City-Bound dabei erlebnispädagogische Elemente mit denen der Spiel-, Zirkus und Theaterpädagogik. Auch einige Outdoorsportarten wurden für das City-Bound speziell für eine städtische Umgebung angepasst. Besonders beliebt sind Kanu Touren auf städtischen Seen und Flüssen, Fassaden klettern, Abseilen von Hochhäusern, House-Running und Geo-Caching. Weitere Ideen zum City-Bound und mehr Informationen findet ihr unter anderen in den folgenden Büchern:

 

2. Erlebnispädagogisches Theater

Da die Erlebnispädagogik in vielen Fällen als Mittel zur Persönlichkeitsentwicklung genutzt wird, überschneidet sie sich zumindest im Interessengebiet sehr stark mit der Theaterpädagogik. Aus diesem Grund werden häufig Elemente beider Pädagogik-Arten miteinander kombiniert. So fließen nicht selten auch erlebnispädagogische Methoden in die Arbeit am Theater mit ein. Dabei wird der sonst übliche Aspekt des Draußen Seins und der Naturerfahrung, jedoch weggelassen, da die Theaterprogramme zumeist in geschlossenen Räumen, vor allem natürlich im Theater stattfinden.

Am Theater wird auch die Persönlichkeitsentfaltung in der Erlebnispädagogik mit einbezogen.

Am Theater wird auch die Persönlichkeitsentfaltung in der Erlebnispädagogik mit einbezogen.

 

3. Erlebnispädagogik im Museum

Ein wichtiges und verbreitetes Einsatzgebiet für Erlebnispädagogische Programme und Aktionen, sind historische Museen. Hier wird zumeist eine Kombination aus Erlebnispädagogik und Wildnispädagogik genutzt, um die im Museum thematisierten Inhalte den Besucher möglichst plastisch, anschaulich und nachvollziehbar nahezubringen. Die Erlebnispädagogik wird hier also als Mittel zur direkten Wissensvermittlung verwendet. Dabei geht es unter anderem auch um die bereits weiter oben erwähnten „Erlebbaren Geschichten“ durch die die Teilnehmer selber in die Museumsgeschichte eintauchen können, als hätten sie zur betreffenden Zeit wirklich gelebt.

Life Action Role Play: Erlebnispädagogik im Museum

Das Eintauchen in historische Rollen ist ideal für erlebnisorientierte Museumspädagogik.

 

4. Mischformen mit anderen Pädagogik-Spielarten

Häufig wird die klassische Erlebnispädagogik auch mit anderen Pädagogik-Spielarten wie beispielsweise der Zirkuspädagogik, der Kunstpädagogik, der Spielpädagogik, der Musikpädagogik, der Tanzpädagogik, der Wildnispädagogik oder der Theaterpädagogik kombiniert. Daraus ergeben sich dann verschiedene Schwerpunkte, auch in Bezug auf die pädagogische Wirkung, die ein Programm erzielt. Durch eine Kombination mit Kunstpädagogik kann beispielsweise die Kreativität gefördert, aber auch die Wahrnehmung trainiert werden. Wildnis pädagogische Elemente hingegen können genutzt werden, um beispielsweise die Naturerfahrung noch etwas stärker hervorzuheben. Die Elemente Zirkus und Akrobatik aus der Zirkuspädagogik hingegen ermöglichen eine tiefe Körpererfahrung und eine besondere Wahrnehmung des eigenen Selbst. Dies kann noch einmal erweitert werden, wenn man zum Beispiel bei der Feuerjonglage noch weitere Elemente mit hinzunimmt.

Manchmal werden auch mehrere Pädagogik Spielearten in einigen Mischformen kombiniert.

Manchmal werden auch mehrere Pädagogik Spielearten in einigen Mischformen kombiniert.

 

Wo und wie kann ich mich selbst im Bereich Erlebnispädagogik ausbilden lassen?

Erlebnispädagogische Ausbildungen gibt es heute in Hülle und Fülle. Viele Anbieter bilden dabei allerdings vor allem aus, um anschließend Trainer für ihre eigenen Programme zu gewinnen. Daher sind ihre Ausbildungen sehr spezifisch auf ihr eigenes Angebot zugeschnitten. Der Vorteil hierbei ist, dass man die Ausbildungen häufig stark vergünstigt bekommt, wenn man anschließend für einen gewissen Zeitraum für den Anbieter arbeitet. Andere hingegen bieten Ausbildungen als Teil ihres regulären Programms an. Hier kann man jedoch häufig mit Hilfe der Bildungsprämie oder ähnlichen Förderprogrammen einen Teil der Ausbildung finanziert bekommen.

Bei der Wahl der Ausbildung solltet ihr euch zunächst das Programm sehr gut anschauen und mit euren eigenen Erwartungen abgleichen. In welchen Bereich der Erlebnispädagogik ihr tätig sein wollt. Diese können sich sehr stark unterscheiden und das Gleiche gilt auch für die Ausbildungen.

Im folgenden Kapitel haben wir euch eine kleine Tabelle mit einigen Anbietern erstellt und darin auch jeweils vermerkt, ob diese eine Ausbildung anbieten oder nicht.

Einzelcoaching am Lagerfeuer

Einzelcoaching am Lagerfeuer gehört oft auch zu einer Erlebnispädagogik Ausbildung.

 

Wo finde ich gute erlebnispädagogische Programme für meine Klasse bzw. Gruppe?

Es gibt in Deutschland inzwischen viele kompetente Anbieter für erlebnispädagogische Programme, sowohl im Bereich von Klassenfahrten, als auch von Ferienfreizeiten, Geburtstagsfeiern und Tagesprogrammen. In den vielen Jahren, in denen wir selbst als freie Erlebnispädagogen gearbeitet haben, durften wir einen Großteil davon kennenlernen und haben so einen sehr guten Überblick darüber bekommen, wer in welchem Teilbereich der Erlebnispädagogik besonders gut und empfehlenswert ist. Wenn ihr also auf der Suche nach einer Ausbildung seid, die optimal zu euch passt und bei der ihr ausgehend von euren aktuellen Vorerfahrungen möglichst viel neues dazulernen könnt, dann meldet euch einfach bei uns.

Tierspuren Kinder Wald

Forschende Kinder bei einem Schulprogramm mit Erlebnispädagogik.

 

Unser Buch über Erlebnispädagogik

In den vielen Jahren, in denen wir selbst als Erlebnispädagogen gearbeiten haben, durften wir eine Menge unterschiedlicher Erfahrungen sammeln. Daraus ist schließlich sogar ein Buch mit 100 verschiedenen Spielen und Methoden zur gruppendynamischen Arbeit mit Erlebnispädagogik entstanden. Hier findet ihr den Link dazu:

Zuletzt aktualisiert am 17.06.2022 um 2:32 pm - Bildquelle der Produktbilder: Amazon-Affiliate-Partnerprogramm. Alle Angaben ohne Gewähr.
  Hier findet ihr zudem weitere interessante und hilfreiche Bücher zum Thema Erlebnispädaogik:  
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Ihr sucht eventuell nach einem echten Survival Training?

Dann seid ihr bei uns genau richtig! Denn die Wildnisschule Heiko Gärtner bietet authentische Survival-Erlebnisse und Wildniskurse an, die ihr sonst nirgendwo findet. Wir vermitteln das Wissen und die Fähigkeiten der Steinzeitmenschen und der noch heute lebenden Naturvölker. Lasst euch ohne jede Ausrüstung in der Wildnis aussetzen oder lernt, wie ihr euch euren eigenen Langbogen schnitzt. Wir zeigen euch, wie ihr eure Sinne öffnet und schärfen könnt um bis in andere Welten und Dimensionen zu blicken. Entfaltet eure Selbstheilungskräfte, erlernt die heilige Jagd, verschmelzt mit eurer Umgebung und werdet unsichtbar, trainiert die Fähigkeiten, die ihr braucht um vollkommen frei und autark zu leben, werdet einheimisch in der Natur, bereitet euch auf Katastrophen und Überlebenssituationen vor, stellt eure eigene Leder- und Fellkleidung her, erkennt welche Pflanzen, Tiere und Pilze essbar oder sogar heilsam sind, werdet zum Schüler des Waldes und erkennt was für ein wundervoller und magischer Ort unsere Erde ist. Unser Video zeigt euch hierzu einen kleinen Einblick:

   

Wollt ihr mehr über unsere angebotene Erlebnispädagogik  Kurse erfahren?

Wenn ihr weitere Fragen habt, oder selbst bei einen Erlebnispädagogik Kurs machen möchtet, dann nehmt einfach Kontakt mit uns auf. Entweder direkt über unser Kontakformular, oder per Mail oder Telefon. Wir freuen uns auf euch!

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Heiko Gärtner
Heiko Gärtner ist Wildnismentor, Extremjournalist, Survivalexperte, Weltreisender und einer der führenden Experten auf dem Gebiet der Antlitz- und Körperdiagnostik. Nachdem er einige Jahre als Agenturleiter und Verkaufstrainer bei einer großen Versicherungsagentur gearbeitet hat, gab er diesen Job auf, um seiner wahren Berufung zu folgen. Er wurde Nationalparkranger, Berg- und Höhlenretter, arbeitete in einer Greifenwarte und gründete schließlich seine eigene Survival- und Wildnisschule. Seit 2014 wandert er zu Fuß um die Welt und verfasste dabei mehrere Bücher.

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